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The Room: Tommy Wiseaus katastrophales Meisterwerk

Heute startet in den Kinos James Francos The Disaster Artist über Tommy Wiseau und dessen Film The Room. Aber ist The Room wirklich einfach nur der schlechteste Film aller Zeiten?

Es gibt schlechte Filme, die in Drehbuch, Schauspiel oder anderen Dingen nicht wirken und enttäuschen. Es gibt Trashfilme, die explizit schlecht sein wollen und damit unterhalten. Und es gibt The Room. The Room macht alles falsch, was ein Film falsch machen kann, vollführt eine Apotheose des unterirdisch Schlechten und wird damit zum absoluten Meisterwerk.

The Disaster Artist: Oh, Hi Mark! ©2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC

Als ich The Room vor einigen Jahren zum ersten Mal gesehen habe, war ich nicht unvorbereitet. Mehrere Freunde hatten sich bereits über den Film ausgelassen und ich hatte ungläubig zugehört. So schlecht kann ein Film doch gar nicht sein, oder?

Ausgerüstet mit ein paar tapferen Mitschauern, Snacks, Getränken und einem Kissen, um im Fall der größten Verzweiflung darin abtauchen zu können, startete ich den Film.

Die „Handlung“ von The Room

Im Mittelpunkt der Handlung steht Johnny (Tommy Wiseau), der in einer Bank arbeitet. Er lebt mit seiner Verlobten Lisa zusammen und hofft gerade auf eine Beförderung. Lisa liebt ihn jedoch nicht mehr, wie sie nicht müde wird zu erzählen, sondern startet stattdessen eine Affäre mit seinem besten Freund Mark, der davon regelmäßig wieder überrascht ist.

The Disaster Artist ©2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC

Derweil leidet Lisas Mutter an nicht weiter thematisierten Brustkrebs und der Nachbarsjunge Danny sorgt dafür, dass wir uns bisweilen aus der ungläubigen Starre lösen und vor Ekel ein wenig schütteln. Neben seiner Begeisterung für Lisa verstrickt sich Danny außerdem kurzfristig in einen Drogendeal. Aber der ist schnell vergessen. Sie alle (und etliche irrelevante Charaktere) sind regelmäßig zu Gast in der mit Löffelbildern dekorierten Wohnung von Johnny und Lisa, um dort irgendwelche Sachen zu machen.

Wie möglicherweise durchschimmert, ist es etwas schwierig, die genaue Handlung von The Room zu bestimmen. Es passiert gleichzeitig viel und wenig. Großes Liebesdrama und Football, Drogendeal und Blumen kaufen, “Frauen” und Anzüge.

Das katastrophale Meisterwerk

Tommy Wiseau, der für Drehbuch, Regie, Produktion und Hauptrolle zur Verantwortung zu ziehen ist, durchbricht alle Genre-Grenzen. Er schafft einen völlig eigenen Film, den niemand anderes so hätte drehen können.

Gleichzeitig macht The Room so unfassbar viel falsch. Kameras, die mitten in der Einstellung neu fokussiert werden, Dialoge mit sehr überraschenden Themenwechseln, anatomisch nicht korrekte, aber dafür doppelt verwendete Sexszenen und die komplett fehlenden Auswirkungen vieler Handlungen.

The Disaster Artist ©2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC

Das Schauspiel der Darsteller lässt hingegen nichts zu wünschen übrig. Mit voller Motivation liefern sie jedem Schauspiel-Coach fantastisches Material, wie es nicht zu machen ist. Hölzerne Sprechweise, Over-Acting und eine irritierende Körpersprache sind an der Tagesordnung. Tommy Wiseau ist dabei die Krönung. Halb Vampir, halb Alien bewegt er sich durch The Room und stiehlt jede Szene wahlweise mit seinem merkwürdigen Lachen oder Dramatik, wie sie die Leinwände wohl nie wieder sehen werden.

Das alles macht es unmöglich, hier eine klassische Kritik abzuliefern. The Room widersetzt sich den Regeln von Film und ist gleichzeitig ein so herausragendes Beispiel für die Möglichkeiten des Mediums. The Room schafft es gleichzeitig faszinierend, langweilig, irritierend und völlig unberechenbar in formeller und inhaltlicher Sicht zu sein.

Am Ende bleiben nur zwei Fragen

Erstens: Was ist schief gegangen, dass The Room existiert? Diese Frage hat uns zunächst das Buch The Disaster Artist von Greg Sestero versucht zu beantworten, auf dem nun auch der Film basiert. Eine vollständige Klärung der Umstände wird es aber wohl nie geben.

Und Zweitens: Wollen wir den Film nochmal schauen?

 

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Clara Grunwald
Autor(in): Clara Grunwald

Ich lebe als freie Autorin und Cutterin in Würzburg, wo ich meinen Freunden nun seltener mit ewigen Filmdiskussionen auf die Nerven gehen muss – dafür hab ich ja jetzt euch. Neben Schreiben und Filmen jongliere ich noch mein Jura-Studium und sowas wie ein Sozialleben.

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