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Liam Neeson in The Commuter © Studiocanal GmbH
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Kino

Der cineastische Dreisatz: Liam Neeson, Action und Verkehrsmittel

Am 11. Januar kommt The Commuter mit Oscarpreisträger Liam Neeson in die deutschen Kinos. In dem Actionthriller geht es um einen 60 Jahre alten Pendler, der sich plötzlich im Fadenkreuz einer Verschwörung wiederfindet. Er hat nur eine knappe Stunde Zeit, um eine Katastrophe an Bord seines täglichen Pendlerzuges zu verhindern. Wir kamen nicht umhin uns zu fragen, wieso spielen eigentlich so viele Neeson-Filme in Verkehrsmitteln?

Liam Neeson drehte in den vergangenen 7 Jahren etliche Male mit dem spanischen Regisseur Jaume Collet-Serra. Nach Unknown Identity, Non-Stop und Run All Night ist The Commuter nun ihr viertes gemeinsames Projekt. Besonders erfolgreich war Non-Stop. Der Thriller spielte weltweit über 222 Millionen Dollar ein!

Mit The Commuter entschied sich das Team aus Regisseur Collet-Serra, dem Produzententeam Andrew Rona und Alex Heineman sowie Hauptdarsteller Liam Neeson nun für ein Drehbuch, das fast komplett in einem Nahverkehrszug der Stadt New York spielt. Glaubt das Quartett hier die cineastische Erfolgsformel aus Liam Neeson x Action x Verkehrsmittel entdeckt zu haben?

Um was geht es in The Commuter?

Die Hauptfigur in The Commuter ist ein komplett durchschnittlicher Mann. Liam Neeson spielt den Versicherungsvertreter Michael MacCauley, der jeden Tag aus einem Vorort New Yorks nach Manhattan pendelt. Nebenbei erfährt man, dass er früher bei der Polizei war. Mit 60 Jahren ist sein Leben sicher und geregelt. Er liebt seine Ehefrau, will nur das Beste für seinen Sohn und hat wie jeder Amerikaner natürlich einen Haufen Schulden, den er jedoch dank eines gesicherten Einkommens unter Kontrolle hält. Doch dann wird er plötzlich gekündigt. Er muss seiner Familie nun beibringen, dass sie kein Geld mehr für ihr Haus und die teure College-Ausbildung ihres Sohnes hat.

Auf dem Weg zurück nach Hause spricht ihn im Zug eine Frau namens Joanna an. Aus einem scheinbar harmlosen Gespräch entwickelt sich ein seltsames Angebot.

„Würden Sie mir für 100.000 Dollar einen kleinen Gefallen tun?“ Der Ex-Polizist soll eine Person an Bord des Zuges finden, die etwas in ihrer Tasche hat, das diese Frau bzw. ihre Auftraggeber begehren. Mehr Informationen hat Michael nicht. Um die Echtheit ihres Angebots zu beweisen, sind 25.000 Dollar Anzahlung in der Zugtoilette deponiert. Wenn Michael das Geld annimmt, nimmt er damit auch den Deal an.

Vera Farmiga als Joanna in The Commuter © Studiocanal GmbH

Von da an hat der unauffällige Familienvater knappe 45 Minuten Zeit, um das Zielsubjekt zu finden und einen GPS-Tracker an der Person zu platzieren. Anfangs nimmt Michael die Situation trotz des Geldes nur halb ernst, dann kommt aber heraus, dass diese Frau und ihre Verbündeten seine Familie im Visier haben.

Ist diese Handlung überzeugend?

Die Handlung klingt erst mal dröge. Das Interessante an dem Film ist aber zweierlei, sagt Regisseur Collet-Serra.

1. Der Zuschauer weiß genauso wenig wie der Hauptdarsteller

Die gesamte Handlung wird konsequent aus der Perspektive des Protagonisten erzählt. Die Zuschauer wissen damit nur so viel wie die Hauptfigur selbst. Man durchlebt unmittelbar seinen Entscheidungsprozess und versteht wie er mehr und mehr, wer die mögliche Zielperson ist und wie diese im Zusammenhang mit Auftraggeberin Joanna steht.

2. Die Geschichte ist nahezu in Echtzeit erzählt

Lediglich die erste halbe Stunde des Filmes ist in Raffern und Episoden erzählt. Sobald die Hauptperson zurück im Zug ist, schaltet die Handlung in den Echtzeitmodus und dauert so lange wie die Zugfahrt. Von da an ändert sich auch das Set nicht mehr. Dank einer sehr guten Kameraführung wird die zeitliche und räumliche Enge der Situation auch visuell transportiert.

Liam Neeson traut sich selbst mit 65 Jahren immer noch an Actionthiller © Studiocanal GmbH

Ist The Commuter ein One-Man-Movie?

Bisher haben wir nur über die Hauptperson Michael MacCauley gesprochen. The Commuter ist aber kein sogenannter One-Man-Movie. Liam Neeson ist zwar in fast jeder Einstellung zu sehen, aber Regisseur Collet-Serra stellte einen starken internationalen Cast aus rund zehn Darstellern um ihn herum zusammen. Besonders zu erwähnen ist dabei Vera Farmiga.

Vera Farmiga: Die vermeintliche Antagonistin

Bei dem Namen Vera Farmiga klingelt es wahrscheinlich nicht sofort, aber man kennt das Gesicht der Amerikanerin. Auch sie arbeitete bereits mit dem Filmemacher Collet-Serra zusammen. 2009 drehten sie gemeinsam den Horrorfilm Orphan – Das Waisenkind.

In The Commuter spielt sie Joanna. Ist sie für den Regisseur die Antagonistin des Filmes? Nein, denn obwohl sie „Böses” tut, betrachtet er sie nicht als boshaft. Sie sei viel mehr ein Sinnbild der alltäglichen Entscheidung, der Moral oder dafür, den eigenen Bedürfnissen den Vorzug zu geben. Als der Filmemacher das Drehbuch las, wollte er sofort Vera Farmiga. Zu ihrer Darstellung als Joanna sagte Collet-Serra: „Sie meistert Szenen, in denen ihre Figur kompakt eingeführt werden muss, ohne angestrengt zu wirken. Sie verzaubert die Kamera förmlich und damit auch den Zuschauer.”

Why did they choose him? Liam Neeson is #TheCommuter – In theaters January 12.

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Liam Neeson: Der unbestrittene Held

Trotzdem ist Liam Neeson natürlich der unbestrittene Star des Filmes. Für Rona und Heineman, die Produzenten von The Commuter, war er die erste Wahl. Heinman sagte dazu:

Liam ist eine Mischung aus John Wayne und Jim Stewart. Jaume [Regisseur] stattet Liams Figur mit heldenhaftem Pathos aus, der mit ruhiger Reserviertheit unterfüttert ist. Liam setzt das perfekt um. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände, was für einen Thriller ideal ist, in dem das Visuelle im Vordergrund steht und Dialogen nur eine untergeordnete Rolle zukommt.

Der Cast liefert definitiv eine stabile Leistung ab und es ist beeindruckend, wie fit Liam Neeson mit 65 noch ist. Der Schauspieler machte die meisten seiner Stunts und alle Kampfszenen selbst. Um dieses Maß an körperlicher Fitness zu erreichen, stand er auch während der anstrengenden Dreharbeiten jeden Tag um halb vier auf, um vor Drehbeginn noch ins Fitnessstudio zu gehen.

Besonderheiten bei den Dreharbeiten

Auf den ersten Blick wirkt The Commuter wie ein Thriller aus dem Bilderbuch. Das Setting im Zug stellte den Regisseur aber vor einige anspruchsvolle Aufgaben. Wie dreht man eine Zugfahrt durch New York City in den Studios in London, ohne dass es der Zuschauer merkt? Dabei müssen die sich ständig verändernden Lichtverhältnisse in einem fahrenden Zug bedacht werden, die wechselnden Hintergründe in den Zugfenstern und natürlich die Bewegungen eines alten Zuges.

1. Nachbau eines schmutzigen NYC-Pendlerzuges

The Commuter findet beinahe nur im Zug statt. Umso wichtiger war es, dass das Set authentisch wirkte. Die Dreharbeiten fanden nicht in echten Zügen statt, sondern in den Pinewood Studios in London. Der Szenenbilddesigner Richard Bridgland wollte, „dass der Pendlerzug so versifft wirkt, wie die echten, die in New York im Einsatz sind. Ich habe mir extra auf einem Zugschrottplatz außerhalb von Cleveland in Ohio ausrangierte Sitze und andere Ausstattungsteile besorgt.”

Ein normaler Pendlerzug in New York hat bis zu sieben Waggons und ist 24 Meter lang. Wegen des Drehs im Studio wurde das Modell auf 1,5 Waggons reduziert.

Genau wie bei Mord im Orientexpress war das Modell von Blue Screens umgeben, auf die dann die vorbeiziehende Umgebung projiziert wurde. Zudem wurde in der Mitte des Zuges eine hydraulische Presse installiert, die die Bewegungen der Fahrt simulierte.

2. Eine besondere Herausforderung für die Lichttechniker

Ein Zug verändert ständig seine Geschwindigkeit und seine Umgebung variiert. Für die Männer und Frauen von der Lichttechnik hieß das, dass sie auch die natürlichen Lichteffekte und Schattenbildungen auf den Oberflächen und in den Gesichtern der Schauspieler entsprechend erzeugen mussten. Für diesen Zweck wurden spezielle Lichter in die Fensterrahmen gebaut. Szenenbilddesigner Bridgland sagte im Nachhinein über seine Arbeit bei The Commuter: „Ich habe beim Bau eines Sets noch nie so viel Rücksicht auf die technischen Ansprüche der Kameraabteilung nehmen müssen. Ich musste die Voraussetzungen für die unterschiedlichen Beleuchtungssysteme und die diversen Kamerabewegungen schaffen.”

3. Die Kameraführung in den begrenzten Räumlichkeiten eines Zuges

Wer die Filme von Collet-Serra kennt, dem ist vielleicht schon aufgefallen, dass der Regisseur ein Freund von langen Aufnahmen ohne Schnitt ist. Dafür verwendet er gerne Kräne und Kamerafahrten. Ein geschlossener, länglicher Raum, wie eben ein Zugabteil, erschwert dies allerdings.

Die Lösung war es, das Set des Zuges so zu bauen, dass es aus mehreren Bauteilen bestand, die man auseinandernehmen konnte. So wurde die Kamera mit einem Kran von innen nach außen bewegt, wodurch man wiederum weniger auf Computereffekte angewiesen war.

Zudem musste die Kamera im Zug aufgestellt werden, ohne dass Green-Screen-Decken entfernt werden mussten. Deswegen lief die Kamera über einen versteckten Dolly auf versteckten Schienen in der Decke und wurde mittels Fernbedienung bewegt. Der Vorteil davon war auch, dass man die Kamera-Crew im Zug klein halten konnte, was gut für die Schauspieler war, die sowieso nur wenig Platz hatten.

Alle Aufnahmen entstanden in Wirklichkeit in einem Studio in London © Studiocanal GmbH

Ist The Commuter einen Kinobesuch wert?

Nach all diesen Details zu den Dreharbeiten steht die wichtigste aller Fragen jedoch noch aus: Ist The Commuter einen Kinobesuch wert? Definitiv ja, denn der Blockbuster liefert über zwei Stunden konstante Unterhaltung und Spannung.

Als Zuschauer tappt man bis zum Ende im Dunklen darüber, wer die Zielperson ist. Man hat vielleicht einen Verdacht, wohin die Handlung gehen könnte, aber der Regisseur lenkt das Publikum absichtlich wiederholt in die falsche Richtung und legt vermeintliche Fährten, welche aber lediglich auf äußerlichen Vorurteilen beruhen.

The Commuter hebt sich auch insofern von anderen Action-Blockbustern ab, als die Hauptfigur Gewalt eigentlich um jeden Preis verhindern will. Liam Neeson hat zwar viele Kampfszenen, trotzdem ist die Botschaft des Filmes, dass Zusammenhalt drohende Gewalt verhindern kann. Denn selbst als der Protagonist endlich weiß, wer die Zielperson ist, und dass entweder ihr Leben oder das seiner Familie auf dem Spiel steht, drückt er den Abzug seiner Waffe nicht ab. Damit entfaltet sich der letzte Akt der Handlung, der nochmals zwei unerwartete Twists bereithält.

The Commuter läuft ab dem 11. Januar in den deutschen Kinos.

Nothing on this train is as it seems. #TheCommuter

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Autor(in): Laura Krimmer
Ich arbeite als Journalistin Bereich Film und Musik. Popkultur ist meine Leidenschaft, seit ich ein kleines Kind bin. Besonders spannend finde ich die Verknüpfungen von Musik, Film, Politik und Medien mit unserem Alltag.

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