Kino

Split Screen: Pitch Perfect 3

Split Screen: Ein Film, zwei Meinungen. Dieses Mal haben wir Pitch Perfect 3 unter die Lupe genommen. Als letzter Teil zu einer Reihe, die als kleines Überraschungsphänomen begann, wollten auch unsere Redakteure ihre Meinung kundtun.

Juliane
Juliane hatte von einem Finale mehr erwartet, als sie letztendlich zu sehen bekam.
Sophia
Sophia dagegen konnte das Musikfest in vollen Zügen genießen.

Was passiert, wenn ein Film bereits einen zweiten Teil hat und erfolgreich genug abgeschnitten hat? Richtig, er wird zur Trilogie. Der neueste dritte Teil, der seit 21. Dezember in den deutschen Kinos läuft, ist die Gesangskomödie Pitch Perfect 3.

Teil 3 führt die Barden Bellas Beca (Anna Kendrick), Amy (Rebel Wilson) und ihre Freundinnen ein letztes Mal zusammen. Ein letztes Mal zusammen singen, ein letztes Mal den Alltag links liegen lassen, eine letzte Tour. Ein letztes Mal alle anderen Bands im Wettbewerb in Grund und Boden schmettern.

Unsere Redakteurinnen Juliane und Sophia wollten beide die Stimmen der Bellas ein letztes Mal hören und waren gespannt, wie die A-Capella-Saga endet. Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die beiden natürlich nicht.

Die Handlung – Einfallsreich oder vorhersehbar?

Beim abschließenden Teil einer Trilogie stellen sich natürlich einige Fragen, besonders, wenn alle Filme praktisch eigenständige Geschichten erzählen. Knüpft die Handlung sinnvoll an die Vorgänger an? Ist sie ein gutes letztes Kapitel? Was macht sie neu? Oder sehen wir nur eine Neuauflage altbekannter Motive?

Abseits der zentralen musikalischen Momente muss eine Rahmenhandlung her, und das erstmalig außerhalb des College. Also machen wir Bekanntschaft mit dem harten Alltag der jetzt ins reale Leben beförderten Bellas. Der sieht mehr als hässlich aus.

Die Bellas auf Reisen © Universal Pictures Germany

Der letzte Film endete (Wortspiel wirklich nicht beabsichtigt) auf der höchstmöglichen Note: Mit dem Sieg der A-Capella-Weltmeisterschaft. Für eine Fortsetzung war also ein krasser Tonwechsel nötig (ernsthaft, wir machen das nicht mit Absicht!), damit die Charaktere nicht völlig stagnieren.

Dass eine Veränderung notwendig war, ist den Autorinnen Juliane und Sophia bewusst. Ob auch überall die richtigen Entscheidungen im Drehbuch gefällt wurden, ist eine ganz andere Frage…

  • Mir hat eigentlich direkt der Einstieg in die Geschichte gefallen. Die Bellas im Berufsleben zu sehen war was Neues, und vor allem konnte ich mitfühlen. Wer frisch aus der Uni ist, kennt dieses Gefühl richtig gut, dass alles schief läuft und man überfordert ist und gar nichts so ist, wie man es sich vorgestellt hat.

  • Da hatte ich schon mein erstes Problem: Wie viele Fortsetzungen kränkelt der Film daran, dass die eigentliche Geschichte nach dem ersten Film schon erzählt ist: Am Ende des Vorgängers waren die Protagonisten an der Spitze angekommen, zu der sie sich mühsam hochgearbeitet haben. Wer schon ganz oben ist, kann sich aber nicht weiterentwickeln. Also müssen die Drehbuchautoren die Charaktere durch irgendeinen Konflikt wieder ans untere Ende der Aufstiegsleiter befördern. Und das ist nicht leicht, vor allem nicht, wenn die Bellas im letzten Film mit dem Sieg der WELTMEISTERSCHAFT aufgehört haben. Da hätten sie vielleicht nicht unbedingt das bestmögliche Happy End nehmen sollen.

  • So schlimm fand ich das nicht. Schließlich war das nur der Anfang und schlicht der Vorwand, um die Bellas wieder auf eine Bühne zu bringen. Darum geht es doch in diesen Filmen: Auftreten und Musik. Und da haben sich die Macher wirklich wieder was Neues einfallen lassen. Erstens schicken sie die Bellas auf Tour, das heißt, sie treten an verschiedenen Orten mit ihren Songs auf, was für Abwechslung sorgt. Zweitens haben sie diesmal neue musikalische Gegner eingeführt und mal nicht nur A-Capella-Bands zu hören, war erfrischend. Die anderen Bands sind endlich mal eine neue Herausforderung.
  • Witzigerweise hätte ich mir hier aber ausnahmsweise ein wenig Altbekanntes gewünscht. Hast du denn nicht ein paar Charaktere vermisst? Gerade die Treble Makers? Ich hätte so gerne gewusst, was mit denen passiert, und wie es Bumper und Jesse jetzt geht. Aber die werden nur in ein paar Nebensätzen abgespeist und mehr erfahren wir nicht, das fand ich schade. Leider fand ich die neuen Bands ein wenig unterentwickelt. Die waren nur da, um hin und wieder fies und schadenfroh zu sein, mehr Charakter war da praktisch nicht.

  • Ein paar Konflikte werden überraschend schnell gelöst, statt klischeehaft zu werden. Und wo die anderen Bands in den Hintergrund treten, machen sie Platz für andere Handlungsstränge. Besonders hat mich Amys Familiengeschichte überrascht. Das war völlig untypisch und over the top und hat unglaublich Spaß gemacht. Und was die Trebles angeht…da konnten die Autoren auch nicht allzu viel machen, wenn Darsteller aus einer Reihe ausscheiden, muss eben eine Lösung her und aufhängen darf man sich daran ja auch nicht. Es ist eigentlich ungewohnt realistisch zu zeigen, dass nicht alle ersten großen Beziehungen ewig halten. Vor allem, wenn sich die Wege nach der Schule oder der Uni trennen.

Der Humor- Daneben oder mitten ins Schwarze?

Die Pitch Perfect-Filme sind Komödien. Das ist unbestreitbar. Sie nahmen sich nie vollkommen ernst, und ganz in der Tradition von Teenie- bzw. College-Komödien häuften sich fröhlich überdrehte und übertriebene Momente. Dabei gab es allerdings auch einige Rohrkrepierer zu verzeichnen, denn besonders unter der Gürtellinie angesiedelte Witze treffen nicht gerade den Nerv aller Kinobesucher.

Comic Relief Amy (Rebel Wilson) und Anführerin Beca (Anna Kendrick) © Universal Pictures Germany

Der Humor ist für eine Komödie eben ein ausschlaggebender Erfolgsfaktor. Doch gerade überzeichnete Witze bergen die Gefahr, übers Ziel hinauszuschießen und statt lustig einfach nur unangenehm zu werden. Der erste und besonders der zweite Teil der Reihe riefen in puncto Scherze sehr gemischte Reaktionen hervor. Einige Kritiker fühlten sich gar beleidigt, andere taten es als harmlose Blödeleien ab.

  • …Wo wir gerade bei Amy waren, oder „Fat Amy“, wie sie immer noch genannt wird…ich war ziemlich enttäuscht, dass die immer noch als Comic Relief herhalten muss. Und dann auch noch die meiste Zeit echt unlustig ist. Wieder so eine Hollywood-Krankheit, vor allem bei Komödien, wenn du mich fragst. Die Dicke darf nur etwas beitragen, wenn es total krass ist oder unter die Gürtellinie zielt. Weil das ja SO witzig ist. Ist übrigens nicht nur bei Amy so. Bei anderen Figuren war ich mir oft nicht sicher, ob das eine anti-sexistische Parodie sein sollte oder einfach nur…naja, sexistisch war.

  • Genau wie Melissa McCarthy wird auch Rebel Wilson immer wieder in diese „seht her, ich bin dick und aufgedreht“-Rolle gesteckt, obwohl sie wirklich talentiert ist und eine Wahnsinnsstimme hat. Aber das ist ja zum Glück nicht der einzige Humor. Viele Momente, vor allem, wenn es nur um visuellen Humor geht, haben mich wirklich zum Lachen gebracht. Gerade mit Amy! Als sie einfach einen Deko-Hai umboxt oder beim Showdown plötzlich einen Glanzmoment bekommt, hatte ich Lachtränen in den Augen. Und alles, wirklich alles, was die stumme Lilly tut, ist zum Schreien komisch. Der Charakter ist so genial, und funktioniert allein über Bilder, ohne verbalen Blödsinn.

  • Ja, da war ich auch ein bisschen sauer. Genau wie Melissa McCarthy wird auch Rebel Wilson immer wieder in diese „seht her, ich bin dick und aufgedreht“-Rolle gesteckt, obwohl sie wirklich talentiert ist und eine Wahnsinnsstimme hat. Aber das ist ja gottseidank nicht der einzige Humor da drin. Viele Momente, vor allem, wenn es nur um visuellen Humor geht, haben mich wirklich zum Lachen gebracht. Gerade mit Amy! Als sie einfach einen Deko-Hai umboxt oder beim Showdown plötzlich einen Glanzmoment bekommt, hatte ich Lachtränen in den Augen. Und alles, wirklich alles, was die stumme Lilly tut, ist zum Schreien komisch. Der Charakter ist so genial, und funktioniert nur über Bilder, ohne verbalen Blödsinn.

  • Wie kann man es so lustig machen, ein Bonbon mit der Zunge auszuwickeln?! Andererseits hat mich das dann fast schon wieder geärgert. Weil die Macher bewiesen haben, dass sie visuellen Humor KÖNNEN. Warum also nicht öfter so? Warum dann so viele Momente einbauen, in denen Charaktere sich einfach nur Merkwürdigkeiten entgegenlabern und sich dann peinlich berührt anschweigen? Das geht so oft daneben und endet in unbequemem Schweigen im Kino…

  • Was mich richtig überrascht hat: Der Film hat eine Menge Meta-Humor. Nimmt sich selbst hoch. Zwei Nebenfiguren, die eigentlich nur da sind, um die Bellas gesanglich komplett zu machen (deren Namen ich auch dauernd vergesse) werden durch den Kakao gezogen mit einem „Was die beiden hier machen, weiß ich nicht mal genau“.

    Oder die Tatsache, dass John „Ich werde nie wieder aus der Rolle des psychopathischen Bösewichts herauskommen“ Lithgow einen super übertriebenen Gangster spielt… Das war herrlich selbstironisch. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Die Musik – Bühnensensation oder One-Hit-Wonder?

Egal, was für eine Rahmenhandlung gegeben ist und wie gut die Witze zünden: Pitch Perfect ist ein Musikfilm, und die Gesangsauftritte der Bellas und ihrer Wettbewerbsgegner sind das zentrale Thema. Davon lebt der Film, die Musik treibt ihn an. Die Besetzung glänzt mit ihrer Stimmgewalt.

Der Soundtrack kann sich absolut sehen lassen, mit Covern von Britney Spears, Avicii und Flo Rida. Hinzu kommen diesmal aufgrund der Handlungsumstände die Filmbands Evermoist, Saddle up und DJ Dragon Nutz. Frontsängerin für Evermoist ist Ruby Rose, Countryband Saddle Up wird gespielt von der echten Bluegrass-Band Whiskey Shivers. Außerdem gibt sich DJ Khaled persönlich die Ehre.

DJ Khaled in Pitch Perfect 3 © Universal Pictures Germany

Jeder aufgearbeitete Song, jede Tanzchoroegraphie und jedes extra komponierte Original sind einzigartig. Hier muss alles stimmen, um den Reiz der Vorgänger einzufangen. Fans des so häufig nachgeahmten Cup-Songs müssen leider zurückstecken: Das Lied schafft es nicht in den Film und wird sogar Opfer eines Witzes. Doch wurde das neue Potential genutzt? Unsere Autorinnen sind geteilter Meinung…

  • Hier kannst du mir jetzt aber nicht erzählen, dass dir die Auftritte der Bellas nicht gefallen haben. Komm schon, die waren richtig klasse inszeniert. Abgesehen mal ganz vom musikalischen Aspekt an sich. Ich musste mitwippen. Und du sicher auch. Allein das Riff-Off mit den neuen Bands hat extrem gerockt, und wie gesagt, mal Instrumente dabei zu haben, war eine echte Bereicherung. Außerdem hat man sich wieder wirklich Mühe gegeben, musikalisch sehr begabte Darsteller und/oder echte Musiker dazuzuholen. Whiskey Shivers haben einen neuen Fan.
  • Mal abgesehen davon, dass ich manchmal gerne einfach die komplette Choreographie gesehen hätte, statt von Schnitten und hyperaktiven Kamerafahrten abgelenkt zu werden, hat mich noch etwas gestört: Die anderen, ach so ambitionierten Wettbewerbsgegner hatten jeweils EINEN eigenen Auftritt. Und das nicht mal in voller Länge. Wie viel cooler und abwechslungsreicher wäre es gewesen, wirklich jede Runde der Tournee auskosten zu können? Denn die Bands (auch wenn Evermoist echt ein blöder Name ist und der Countryband-Frontmann unbedingt einen Haarschnitt braucht) hatten einfach so viel Potential. Ich hätte gerne mehr von denen gehört. Wie im Riff-Off.
  • Dann hätte der Film auch irgendwann Überlänge gehabt. Der Fokus liegt ja immer noch auf den Bellas selbst. Ich hätte zugegeben gerne etwas mehr von allen zusammen gehört. Als riesige Jam-Session, das hat Spaß gemacht und wurde leider nicht wiederholt. Dafür gibt es eine Menge Songs außerhalb des Wettbewerbsrahmens. Grade ein gewisses Britney-Spears-Cover war nicht nur toll gesungen und getanzt, sondern im Kontext auch verflixt witzig. Und wer die Songs ganz hören will, hat noch den Soundtrack. Das Gesamtwerk ist nämlich mindestens genauso stark wie die Vorgänger, und ich fand ihn stärker als den zweiten.
  • Ich habe jeden einzelnen Musik-Moment genossen. Das ist die große Stärke dieser Filme, immer schon gewesen. Es ist nur eben schade, liegengelassene Möglichkeiten zu sehen. Wo wir in den ersten zwei Filmen zwei ausgewachsene Auftritte der Trebles und anderer Gruppen sehen durften, mussten wir uns hier mit weniger zufrieden geben. Das hätte nicht sein müssen.

 

Sophias Fazit

Pitch Perfect 3 ist ein würdiger und entspannend lockerer Abschluss für die A-Capella-Reihe. So ausgeleiert sich das anhören mag: Der Film ist eben ein Feel-Good-Film, egal, wie stigmatisiert der Ausdruck inzwischen ist. Ab und an darf ein bisschen heile Welt durchaus sein. Besonders, wenn sie mit großartiger Musik verbunden ist. Und davon bekommen wir mehr als genug.

Die Arrangements der Bands sind wie immer gelungen und der Soundtrack besticht im Gegensatz zu Teil 2 mit Vielfalt und starken Songs, die auch ohne eine klischeehafte deutsche A-Capella-Band auskommen (mal ganz abgesehen davon dass die von Dänen gespielt wurde).

Der Humor mag nicht Jedermanns Sache sein, aber die Charaktere sind immer noch liebenswert. Es ist schön, von einigen sogar endlich eine andere Seite zu sehen und von manchen richtig überrascht zu werden. Und wer hätte gedacht, dass sich dieser Film auch an einer Agenten-Parodie versuchen und dabei auch noch richtig unterhaltsam sein würde?

Wer seinen Spaß an den ersten beiden Teilne hat, wird vom dritten nicht enttäuscht werden. Er ist kein Oscaranwärter, aber für eine Ausflucht aus dem grässlichen Dezemberwetter absolut perfekt. Übrigens viel Spaß mit den Ohrwürmern von Saddle Up und den Bellas.

Julianes Fazit

Trotz der musikalischen Highlights krankt Pitch Perfect 3 an denselben Problemen wie seine Vorgänger.

Der Humor bewegt sich sehr viel zwischen peinlich und halbwegs lustig hin und her. Die Versuche an Meta-Humor sind hart an der Grenze zur Selbstparodie. Die Charaktere haben sich über drei Filme hinweg immer noch kaum entwickelt und die Konfliktlösung verläuft bis auf einige (zugegeben kreativ gelöste) Ausnahmen sehr nach Schema F.

Noch dazu schmälern einige Fehler der Macher den Spaß an der Musik. Zum Beispiel bekommen wir praktisch nichts mehr von den großartigen Mash-Ups, die Beca uns in den letzten Filmen geschenkt hat und die die Auftritte der Bellas so spannend gemacht haben. Die Bands Evermoist, Saddle Up und Co. wären theoretisch eine Bereicherung, werden aber auch schnell zur Randnotiz.

Am Ende des Tages ist Pitch Perfect 3 kurzweilig, aber sehr seichter letzter Teil, der mehr gekonnt hätte.

Pitch Perfect 3 ist seit 21.12. in den deutschen Kinos zu sehen.

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Juliane Görsch
Autor(in): Juliane Görsch
Mit Animes im Nachmittagsprogramm von RTL II fing damals alles an. Seitdem lassen mich Filme, Serien und Popkultur nicht mehr los. Als Journalistin habe ich über Wissenschaft, Digitales und Nerdkram geschrieben. Bei Quadratauge kehre zu meinen Film-Wurzeln zurück.
Sophia sammelt seit sie denken kann Geschichten, in Buch, Serien- und Filmform. Inzwischen ist sie ein Vollblut-Nerd und teilt ihre Begeisterung, so gut es geht. Sie hat zwar Biologie studiert, liebt das Schreiben aber fast noch mehr. Deshalb arbeitet sie inzwischen als freie Autorin für Filmportale wie moviepilot, wo sie der Community seit Jahren als pleasant28 bekannt ist.