Kiernan Shipka in Chilling Adventures of Sabrina.
© Netflix
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Sabrina: Gibt es das Hexen-Sexfest Luperkalien wirklich?

In Chilling Adventures of Sabrina Teil 2 geht es in Folge 3 um das geheimnisvolle Sexfest Luperkalien. Das hat seine Ursprünge tatsächlich in der römischen Geschichte. Wir erklären, was Sabrina von dem antiken Fruchtbarkeitsfest übernommen hat und was frei erfunden ist.

Die Chilling Adventures of Sabrina sind bei Netflix mit dem zweiten Teil der ersten Staffel zurück und die neuen Folgen sind verhext sexy! Wieder einmal steht ein weiteres geheimnisvolles Hexenfest auf dem Programm: der Hexen-Valentinstag Luperkalien.

Kiernan Shipka in Chilling Adventure of Sabrina
Sexy Sabrina: Bei den Luperkalien geht es rund in Greendale | © Netflix

Wer allerdings dachte, dass die Luperkalien eine reine Erfindung der Sabrina-Autoren sind, der hat sich geirrt! Wir erklären, was wirklich hinter dem orgiastischen Hexen-Sexfest steckt.

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Luperkalien: Sabrinas heißer Hexen-Valentinstag

An Sabrinas Hexen-Akademie sind die Vorbereitungen für die jährlichen Luperkalien in vollem Gange. Doch Sabrina, gerade erst neu angekommen im Hexenuniversum, muss sich von ihren Tanten Zelda und Hilda erst einmal aufklären lassen: Was geschieht an den Luperkalien und wie laufen sie ab? Zelda gerät prompt ins Schwärmen:

Die Luperkalien sind ein lustvolles bukolisches Fest, gegründet unter den Hexen der Herrschaft Caligulas. Benannt nach dem Luperca, der Höhle in der die Begründer Roms die Zwillingsbrüder Romulus und Remus von der Wölfin gesäugt wurden.

Laut Tante Zelda wurde das römische Fest eingeführt, um die Stadt zu reinigen und die Fruchtbarkeit und Gesundheit zu fördern. In Chilling Adventures of Sabrina besteht das Fest der Luperkalien aus drei Komponenten: Im ersten Akt des Festes steht die sogenannte Paarung im Mittelpunkt der Zeremonie.

Romulus und Remus
Teil der Hexensage: Die Zwillingsbrüder Romulus und Remus, die von einer Wölfin gestillt werden | © Wikipedia/Jean-Pol GRANDMONT

Bei einem Tanzspiel, das an das Gesellschaftspiel Reise nach Jerusalem erinnert, werden Hexer und Hexen zufällig miteinander verpaart. Sobald die Musik verstummt, unterbrechen die Hexen ihren rituellen Tanz, um auf dem Schoß des ihnen am nächsten sitzenden Hexers Platz zu nehmen.

Den zweiten Teil der Zeremonie bildet das sogenannte Werben, bei dem das Paar die Nacht gemeinsam in „unheiliger Abstinenz“ verbringt. Im Wald entkleidet sich das Paar und nimmt eine sinnliche Salbung vor. In einem Salbungskorb befinden sich Milch und Blut für die Reinigung, Austern und Feigen für Fruchtbarkeit und Potenz. 

Kiernan Shipka in Chilling Adventure of Sabrina
Sabrina (Kiernan Shipka) und Nicholas „Nick“ Scratch (David Turba) überlassen an Luperkalien garantiert nichts dem Zufall | © Netflix

Dann beginnt der dritte Teil mit „der Jagd“: In der letzten Nacht der Luperkalien „jagen Hexen Hexer wie das Rotkäppchen den Wolf“. Dabei sind die jungen Hexen mit roten Umhängen bekleidet, die Hexer tragen Wolfskostüme. Der Ausgang der Jagd bestimmt das Jahr, das vor der Hexengemeinde liegt.

Es soll voraussagen, ob es sich um ein üppiges oder ein braches Jahr handeln wird. Der Höhepunkt des Festes entlädt sich dann nach alter Hexentradition in einem „Überschwang an orgiastischer Fleischeslust“… 

So weit, so gut. Doch wie viel Wahrheit steckt in dem wollüstigen Hexenfest?

David Turba in Chillind Adventures of Sabrina
Hexer Nicholas (David Turba) weiß genau, wen er gerne auf seinem Schoß sitzen hätte … | © Netflix

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Valentinstags-Vorläufer Luperkalien?

Tatsächlich steht das römische Volksfest Luperkalien in engem Zusammenhang mit unserem modernen Valentinstag. Es wurde im alten Rom am 15. Februar, einen Tag nach dem Valentinstag, begangen. Wie Autor Thomas Baier berichtet, ging es bei den Luperkalien ursprünglich um ein Reinigungsritual für Viehherden, das später auf die Menschen übertragen und abgewandelt wurde.

Tatsächlich übernimmt Chilling Adventures of Sabrina die Grundlage des Festes wie von Zelda erklärt bis ins Detail: Die Feierlichkeit wurde tatsächlich nach der Luperca, der Höhle in der die Begründer Roms die Zwillingsbrüder Romolus und Remus von einer Wölfin gesäugt wurden, benannt. Bis hierher orientiert sich die Serie also an historischen Fakten, obwohl auch viele nicht eindeutig belegbare Quellen von einem Fest für den Hirtengott Faunus sprechen. Der Sinn und Zweck des Festes ist allerdings auch hier der gleiche und eindeutig belegt.

Miranda Otto in Chillind Adventure of Sabrina
Tante Zelda ist großer Fan der Hexen-Luperkalien und erzählt eine interessante Geschichte. Doch ist sie überhaupt wahr? | © Netflix

Wurden die heidnischen Luperkalien tatsächlich von einer Hexengemeinschaft unter Caligula ins Leben gerufen? Hier beginnt der fiktive Netflix-Plot: Baier zitiert den alten Römer Valerius Maximus. Der berichtete, die Luperkalien seien ein von Romulus (einem möglichen Gründer Roms) angesetztes Freudenfest gewesen, bei dem man bei heiterer Atmosphäre Böcke geschlachtet und Opfer dargebracht habe. Verehrt wurde demnach vor allem die Wolfsgöttin Luperca, die Ernährerin der Zwillinge Romolus und Remus.

Im Lexikon von Carl Philipp Funke wird erwähnt, dass Jünglinge tatsächlich mit Opferblut bemalt wurden, ähnlich wie es auch die Protagonisten in Sabrina während der Luperkalien tun. Dabei sollten sie, wie auch die Hexenschüler in der Serie, bewusst lachen. Auch die Wolfskostüme lassen sich nicht nur durch die Wolfsgöttin Luperca erklären, sondern auch mit der Tatsache, dass die Römer den Wolf als Sinnbild ihrer Republik wahrnahmen und ihm eine gewisse Verehrung entgegenbrachten.

Kiernan Shipka in Chilling Adventure of Sabrina
Die alten Römer verehrten den Wolf. Die Hexengemeinde aus Sabrina dient dem Dunklen Lord, einem Humanoiden aus Mensch und Ziege | © Netflix

Aus den Fellen der Opferböcke wurden Lendenschurze gefertigt, die sich Priester um die Hüften banden, um danach durch die Straßen zu wandern. Mit Fellriemen schlugen sie auf die Hände von verheirateten Frauen, um ihren Ehen Glück und Fruchtbarkeit zu bescheren.

Diesen Teil des ursprünglichen Festes läßt die Netflix-Serie allerdings komplett außen vor. Auch über wilde und großangelegte Sexorgien speziell an Luperkalien berichten keine belegbaren Quellen, die diese bestätigen.

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Sabrinas Luperkalien: Ein Mischfest aus Valentinstag und Roms Luperkalien

In Chilling Adventures of Sabrina hat sich Netflix letztlich einen spannenden Mix aus den römischen Luperkalien und dem Valentinstag zusammengesponnen.

Prof. Dr. Gerhard Dohrn-van Rossum, der an der TU Chemnitz die Geschichte des Mittelalters lehrt, erklärt in einem Interview mit innovations-report.de: „Der Valentin des Valentintages ist ziemlich sicher der am Ende des dritten nachchristlichen Jahrhunderts unter dem Kaiser Claudius Goticus (268-270 n. Chr.) in Rom hingerichtete Bischof von Terni. In der Leidensgeschichte dieses Märtyrers wird berichtet, dass er nach Rom zu einer Krankenheilung gerufen worden sei und dort viele Bürger zum Christentum bekehrt habe.“

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Kiernan Shipka in Chilling Adventure of Sabrina
Am sexy Hexenfest Luperkalien ist in Sabrina viel nackte Haut zu sehen | © Netflix

Kurz darauf wurde er enthauptet, später als Märtyrer verehrt. Die sogenannte Paarung in Chilling Adventures of Sabrina ähnelt einem Ritual, was am 14. Februar am heidnischen Fest des Valentins, tatsächlich vorgenommen wurde. Der Historiker erklärt, dass der Valentinstag im heidnisch geprägten Volksglauben einer der sogenannten Lostage war, denen „zukunftsbestimmende Bedeutung im Guten wie im Schlechten zugeschrieben wurden“. Dohrn-van Rossum erläutert:

In vielerlei Form wurden Zufälle gerade dieses Tages – etwa der erste Bursche, den ein Mädchen am Morgen erblickt – zu Vorzeichen für spätere, glückliche Verbindungen. Daher heißt der Valentinstag auch „Vielliebchentag“. Paare wurden auch durch beschriebene Zettelchen ausgelost. Weil man glaubte, dass sich an diesem Tage die wilden Vögel zu paaren beginnen, wurde Valentin in England und Frankreich zum Schutzpatron der Verliebten und Verlobten.“

Die zufällige Auslosung von Paaren, die Chilling Adventures of Sabrina beschreibt, gibt also durchaus ein gängiges Ritual aus dem alten Rom wieder. Von einer Nacht in Keuschheit oder einer anschließenden expliziten Jagd ist allerdings in keiner belegbaren Quelle die Rede. Da ließen sich die Netflix-Autoren wohl vor allem an Symbolen wie dem Wolf oder von Fruchtbarkeitsmetaphern inspirieren und versahen sie mit einer guten Portion Fantasie.

Immerhin: Auf kitschige Kärtchen und Herzchen in den uns bekannten üblichen Varianten verzichtet Sabrina gänzlich und bleibt damit immerhin noch ein Stück näher am ursprünglichen Fest, zumindest wenn es nach dem Historiker geht: „Die Blümchen und Herzchen in allen möglichen Formen entsprechen eher jüngeren englischen und amerikanischen Bräuchen, die sich nach dem Weltkrieg in Deutschland verbreiteten.“

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Janna Fund
Autor(in): Janna Fund
Ob ihr's glaubt oder nicht: Ich bin ein echtes audiovisuelles Supergirl. Eine Wonderwoman der Worte und Videos sozusagen. Ich checke Fakten gewissenhafter als Rory, bin kreativer als Carrie und investigativer als Lois und Clark zusammen. Lasst uns die digitale Welt zusammen retten!
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