eSports

Wie esports-Teams immer professioneller werden

Esports ist kein Sport für Einzelgänger. Viele talentierte Gamer schließen sich zu Teams zusammen. In ihrer Struktur und Professionalität können sie mit anderen Mannschaften im Profisport mithalten. Wir haben uns mit dem Team G2 getroffen und erfahren, wie es in einem esports-Verein zugeht.

Die Ruhe vor dem Sturm und der Adrenalinrausch während des Matchs das sind die ultimativen Momente, für die ein esports-Team wie G2 Esports lebt. Die 2014 in Madrid gegründete Profimannschaft, damals noch unter dem Namen Gamers2 bekannt, machte vor allem durch ihre Erfolge in dem Spiel Counter-Strike: Global Offensive auf sich aufmerksam.

Das internationale Ensemble von G2, das der ehemalige esports-Profi Carlos “ocelote” Rodríguez leitet, gehört heute zu den erfolgreichsten Teams weltweit. Es erwirtschaftet dank mehrerer Sponsoren fast 1,4 Millionen Dollar jährlich und versucht momentan traditionelle Sportler für eine Partnerschaft zu gewinnen.

ANZEIGE
Team G2 Esports beim Training | © Webedia

Bei esports-Teams handelt es sich längst nicht mehr nur um einen Zusammenschluss von Hobby-Gamern. Sie sind professionell geführte Vereine, die wie andere Profiteams auf dem schmalen Grad zwischen leidenschaftlichen Sportlern und gewinnbringenden Unternehmern wandeln. Der Erfolg steht über allem und ist mit  harter Vorbereitung erkämpft.

QUADRATAUGE möchte mit dir noch tiefer in diese faszinierende Welt eintauchen. Deshalb haben wir unsere Moderatorin Stefanie Langer auf eines der größten esports-Events Deutschlands geschickt, um mehr zum Thema für dich herauszufinden.

Sieh zu, wie Steffie den Profis von G2 Esports die Geheimnisse ihres Erfolges entlockt. Erfahre, welchen Stellenwert der Teamgeist hat und was es braucht, um selbst Teil einer esports-Mannschaft zu werden. All das und mehr, in unserem neuesten Video zum esports Summer 2018, exklusiv auf QUADRATAUGE.   

Was ist überhaupt ein esports-Team?

Dass Gamer ihre Talente und Kompetenzen bündeln und sich zu Teams zusammenschließen, fing Mitte der 90er Jahre an. Um im Online-Mehrspielermodus des Ego-Shooters Quake gegen andere zu spielen, ließen sich erstmals mehrere Spieler als “Clans” registrieren. Der große Erfolg von Quake trug das Konzept des mannschaftlichen Spielens weiter.

Je nach Genre werden esports-Teams auch als Allianz oder Gilde bezeichnet. Diese Benennungen tauchen am häufigsten in Online-Rollenspielen wie etwa World of Warcraft auf.    

© ESWC
Ein esports-Team in Action | © ESWC

Jedes Team gibt sich selbst einen Vereinsnamen und einen “Tag” (engl. für Kennzeichnung). Dieses Tag sorgt dafür, dass die Spieler in ihrem Gamer-Namen als Mitglied eines Teams erkennbar sind. Der Teamname dient nicht nur der Erkennung, sondern ist auch wie eine eigene Marke zu sehen. Einige professionelle esports-Mannschaften lassen sich ihren Tag-Namen gar im Patent- und Markenamt registrieren.

Wie in anderen Sportarten herrscht auch im esports ein harter Konkurrenzkampf zwischen den Teams. Das erfolgreichste ist momentan Team Liquid aus den Niederlanden. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 nahm Team Liquid an 1265 Turnieren teil und konnte mehr als 20 Millionen Dollar einnehmen. G2 Esports rangiert mit einem Gesamtgewinn von knapp 3 Millionen Dollar, bei 299 Turnieren, auf Platz 26.

Einige Vereine der ersten Fußballbundesliga haben die Zeichen der Zeit erkannt und führen inzwischen ebenfalls ihre eigenen esports-Teams. Hertha BSC, Schalke 04 und der VfL Bochum gehören zu den Vereinen, die in der FIFA esports-Liga vertreten sind. Auch internationale Topmannschaften besitzen esports-Teams wie Paris St. Germain. Einige Top-Klubs, dazu gehört der FC Bayern München, verweigern sich aber noch dem Trend.

Wie ist ein esports-Team organisiert?

Hinter den Kulissen eines esports-Teams herrschen feste Strukturen. Ein Team wird stets durch ein Management, früher “Clanleader”, geführt. Das Management verwaltet den Verein und ist für die strategische Zielsetzung zuständig. Durch die Professionalisierung des esports wurde das Management auch immer stärker in die wirtschaftlichen Aspekte eingebunden: Das esports-Team als Unternehmen.

© ESWC
Auch Frauen-Teams mischen mittlerweile die esports-Szene auf | © ESWC

Das Management wird von der Organisation unterstützt. Sie sorgt dafür, dass die vorgegebenen Ziele und Strategien auch umgesetzt werden. Hierauf folgt der Teammanager, der das Bindeglied zwischen den Spielern und den Köpfen des Teams ist. Die Spieler sind letztendlich die Athleten der Mannschaft, deren Skills an den Computern und Konsolen gefragt sind.

Esports-Teams finanzieren sich hauptsächlich durch Sponsoren. Fast 95% des gesamten Einkommens stammt von Werbeverträgen mit Partnern. Preisgelder und der Applaus der Fans reichen nicht aus, um das Team am Laufen zu halten. Je nach Größe der Organisation werden zwischen eine bis zu mehr als drei Millionen Dollar pro Jahr eingenommen.   

Wie trete ich einem esports-Team bei?

Wenn du einem professionellen esports-Teams beitreten willst, solltest du beachten, dass es je nach Spiel andere Aufnahmeregeln gibt.

So gelten für die Profi-Liga von League of Legends strenge Transferregeln, die die Organisationen einhalten müssen. In unabhängigen Gaming-Ligen läuft es etwas lockerer ab. Hier werden Spieler wie im Fußball von einem Verein abgeworben oder transferiert.

© ESWC
Wenn du zum Team gehören willst musst du üben, üben, üben | © ESWC

Dein Talent fürs Zocken solltest du auf LAN-Parties zur Schau stellen. Auf solchen kleineren Wettbewerben werden meistens Spieler rekrutiert. Aber einfach wird es nicht.

Um ein richtiger Pro-Gamer zu werden, musst du viele Stunden in dein Training stecken. Echte esports-Profis lernen ihre Disziplinen in- und auswendig und kennen alle Tricks. Investiere also viel Zeit in dein Game, bevor du dich fit für ein echtes Team fühlst.   

Wie gründe ich mein eigenes esports-Team?     

Du willst nicht darauf warten, irgendwann mal entdeckt zu werden? Dann gründe doch dein eigenes esports-Team! Aber einfach nur deine Kumpels ins Boot holen und drauf los zocken wird für ein Profiteam nicht reichen.

Zunächst einmal solltest du entscheiden in welchen esports-Spielen dein Team antreten könnte. Danach geht es ans Branding. Überlege dir eine Zukunftsstrategie für dein Team und welche Ziele du im hart umkämpften esports-Business hast.

Wenn das erledigt ist, ist es an der Zeit einen Teamnamen und ein Logo zu erstellen. Klingt erstmal simpel. Bedenke aber, dass dein Teamname und dein Logo deine Marke sind! Ohne eine gute Markenidee wird es schwer andere von deinem Team zu überzeugen. Denke also wie ein Geschäftsmann.

Der Markenname von G2 | © Webedia

Überprüfe, dass du auch einen einzigartigen und markanten Namen wählst. Genau so solltest du es beim Logo handhaben. Diverse Online-Tools können dir dabei helfen, eine erste Idee zu bekommen. Letztlich zählt aber auf deine eigene Kreativität.  

Nun musst du dein Team finanzieren. Dafür brauchst du Sponsorengelder und Sponsoren. Die musst du erst einmal davon überzeugen, in dein Team zu investieren. Lass dir also eine gute Strategie einfallen, wie du Investoren für dich gewinnst.

Nicht vergessen: Denke wie ein Geschäftsmann, nicht wie ein Gamer. Es geht um eine Investition und nicht um dein Hobby. Nur die wenigsten Firmen außerhalb der Computerbranche sind bisher gewillt, viel Geld in den esports zu stecken.

Wie verdiene ich mit esports Geld?

Sobald deine Sponsoren einverstanden sind und das Geld fließt, musst du es wieder reinvestieren. Denn nun solltest du die Organisation deines esports-Teams aufbauen. Das heißt, dass du viele Leute anstellen musst, die sich um den operativen Betrieb kümmern. Du brauchst Grafiker, die die Social-Media-Präsenz deines Team pflegen, oder einen Buchhalter, der eure Finanzen im Auge behält.

Aber das ist noch längst nicht alles: Das Team benötigt zudem ein Gemeinschaftskonto für sämtliche Ausgaben und ein Büro, das dir und deiner Organisation als Ausgangsbasis dient. Du merkst wahrscheinlich schon, was für einen Unternehmenscharakter ein esports-Team besitzt.

Wenn du alle diese Schritte durchgegangen bist, wird es Zeit dein Gamer-Team zusammen zu stellen. Spähe also in den örtlichen LAN-Parties nach den besten Talenten in den Spielen, die du auserkoren hast. Überzeuge sie von deiner Team-Marke und das bei dir Erfolg und Ruhm zu holen sind. Wiederhole das so lange, bis du die vorgesehene Spieleranzahl für dein Spiel hast.

Jetzt beginnt erst die richtige Arbeit. Dein Team muss nämlich erfolgreich sein, um Sponsorengelder und Siegprämien abzugreifen. Und das Geld wirst du brauchen.

Ein Newcomer-Team mit fünf Spielern kostet inklusive Webseite und Social-Media-Auftritt rund 20.000 Euro pro Jahr. Eine etablierte Mannschaft verschlingt auch schon mal mehr als 100.000 Euro jährlich.

© ESWC
Mit der richtigen Motivation ist dein Team mit Herz und Seele beim Gamen | © ESWC

Motiviere dein Team. Sorge dafür, dass sie Erfolg haben und in der esports-Szene präsent bleiben. Handele neue Werbe- und Sponsorenverträge aus. Sei ein Manager!

Wie du sehen kannst, ist ein esports-Team ein sehr komplexes Geflecht aus Gaming und GmbH.

Denke daran, wenn du das nächste Mal die Profi-Gamer um ihren “einfachen Job” beneidest.

Mehr Leidenschaft, mehr Emotionen und mehr esports findest du hier:

Bildquelle: ESWC

 

TEILEN
Manuel Schellhardt
Junior Online Marketing Manager – Festangestellt bei der Webedia-Group, zu der auch moviepilot.de und filmstarts.de gehören. | Berufserfahrung: Schrieb vor QUADRATAUGE bereits für moviepilot über Filme und Serien. | Ausbildung: Kulturgeschichte - Friedrich Schiller Universität Jena, Technische Universität Berlin | Spezialgebiete: Horror, Sci-Fi & Art-House | Lieblingsfilme und -serien: Children of Men, 2001: Odyssee im Weltraum, Goodfellas, Breaking Bad, The Americans, Malcolm mittendrin | Wie wir ihn sehen: Würde gerne selber Sci-Fi- und Horrorfilme drehen. Da ihm aber noch das Geld und know-how fehlen, macht er erstmal Marketing für Filme und Serien.