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Kino

Papillon: Ist das Remake besser als der Klassiker?

Hollywood liebt Remakes! Das neu verfilmte Gefängnisdrama Papillon ist dafür der beste Beweis. Aber kann es der Adaption des gleichnamigen Klassikers von 1973 das Wasser reichen?

Stell dir vor, deine Oma kocht den besten Hackbraten der Welt. Eines Tages besorgt sich deine Mutter das Rezept und kocht ihn auf exakte Weise nach. Der gleiche Vorgang mit den gleichen Zutaten. Du probierst ihn, er ist lecker, aber er schmeckt einfach nicht wie der Hackbraten deiner Großmutter. So ähnlich verhält es sich auch mit Michael Noers Drama Papillon, das am 26. Juli in den deutschen Kinos startet.

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Charlie Hunnam und Rami Malek spielen die Hauptrollen im Papillon-Remake | © 2018 Constantin Film Verleih GmbH / Jose Haro

Wo ein Wille ist, ist auch ein Remake

Der dänische Regisseur tat sich von vornherein keinen Gefallen, als er zusagte, den Klassiker Papillon aus dem Jahr 1973 neu aufzulegen. Schließlich gilt das Original von Franklin J. Schaffner als nahezu makelloses Meisterwerk. In Hollywood ist dies jedoch noch nie ein Grund gewesen, die Finger von solchen Filmen zu lassen. Der Remake-Wahn, der auch Disneys Mulan eingeholt hat, ist längst untrennbar mit der US-Filmindustrie verbunden. Nun erwischte es also das Gefängnisdrama, das die wahre Geschichte des Häftlings Henri Charrière erzählt. Der Gelegenheitsgauner verbrachte insgesamt 13 Jahre in Gefangenschaft und schrieb seine Erlebnisse in dem Roman Papillon nieder.

Obwohl zwischen Schaffners und Noers Version der Buchvorlage 45 Jahre liegen, lässt sich an der Handlung kaum ein Unterschied festmachen. Noer übernimmt die Story des Originals fast eins zu eins und fügt seinem Film erstaunlich wenig neue Ideen hinzu. Wer den Siebzigerjahre-Streifen kennt, bekommt demzufolge keine Überraschungen geboten.

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Regisseur Michael Noer gibt Instruktionen an seine Stars | © 2018 Constantin Film Verleih GmbH / Jose Haro

Umso mehr stellt sich die Frage, warum die Produzenten den Stoff noch einmal anfassen mussten. Gelungene Remakes wie Scarface (1983) oder Departed – Unter Feinden (2006) funktionierten vor allem deshalb, weil sie eine bekannte Geschichte nahmen und in ein neues Gewand steckten. Bei Papillon sucht man diesen Dreh vergeblich.

Die Filme Scarface und Departed – Unter Feinden sind beide bei Maxdome und Netflix verfügbar (Links zu Anzeigen).

Im Schatten von Legenden

Ironischerweise rückt gerade die Diskussion über Sinn und Unsinn einer Neuauflage den Film selbst in den Hintergrund. Das wiederum ist ziemlich bedauernswert, denn von sämtlichen Vergleichen losgelöst, ist Papillon absolut kein schlechter Film. Zwar fehlt es hier und da an der benötigten beklemmenden Atmosphäre, aber: Schauspiel, Inszenierung und Ausstattung zeugen von Kompetenz aller Beteiligten.

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Papillon denkt nur an seine Flucht | © 2018 Constantin Film Verleih GmbH / Jose Haro

Besonders die Auswahl der Darsteller muss an dieser Stelle lobend erwähnt werden. Charlie Hunnam, der mit der Biker-Serie Sons of Anarchy bekannt wurde, übernimmt hier nach King Arthur: Legend of the Sword abermals eine prestigeträchtige Hauptrolle und versteht es, diese mit Leben und Charisma zu füllen.

Dennoch sind es natürlich große Fußstapfen, in die Hunnam tritt. Steve McQueen zeigte als Original-Papillon wohl eine der besten Leistungen seiner Karriere. Der als „König der Coolness“ betitelte Schauspieler versprühte eine unvergleichliche Aura in all seinen Filmen und gilt deshalb heute als Ikone der Popkultur. Hunnam gibt als Titelheld zwar alles, neue Facetten bekommt die Figur durch ihn allerdings auch nicht. Dass er seinem Vorgänger in manchen Momenten verblüffend ähnlich sieht – nicht zuletzt durch die markanten blauen Augen – ist für ihn in dieser Hinsicht nicht gerade von Vorteil.

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Steve McQueen (rechts) leidet Höllenqualen als Papillon | © Sony Pictures Home Entertainment

Als Louis Dega, den so verschrobenen wie intelligenten Freund Papillons, besetzte Regisseur Noer ein ebenfalls angenehm unverbrauchtes Gesicht. Der aus der Hacker-Serie Mr. Robot bekannte Rami Malek meistert seine Rolle zwar mit Bravour, hat aber mit dem gleichen Problem wie Hunnam zu kämpfen: Die grandiose Darstellung von Oscarpreisträger Dustin Hoffman im Original ist schlicht und einfach kaum zu übertreffen.

Sons of Anarchy ist bei MaxdomeNetflix und Sky verfügbar. King Arthur: Legend of the Sword gibt es bei Maxdome und Sky zu sehen (Links zu Anzeigen). Mr. Robot ist bei Maxdome verfügbar (Link zur Anzeige).

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Dustin Hoffman brillierte als Louis Dega | © Sony Pictures Home Entertainment

Papillon hätte Papillon bleiben sollen

Die Intention der Produzenten dürfte also für jeden ein Rätsel bleiben, der kein Interesse an deren finanzieller Bereicherung hat. Man mag sich gar nicht ausmalen, dass irgendjemand irgendwo in seinem Büro sitzt und schon einen Neuaufguss von Francis Ford Coppolas Der Pate oder Quentin Tarantinos Pulp Fiction plant. Schade um Charlie Hunnam, Rami Malek und Regisseur Michael Noer, aber Papillon ist letztendlich ein Remake, das wirklich keiner braucht.

Es ist eben wie mit dem oben erwähnten Hackbraten. Der Nachahmer wird automatisch mit dem Urheber verglichen. In dem Moment, als die Macher des neuen Papillon sich für das Projekt entschieden, akzeptierten sie, dass ein Vergleich mit dem Film von 1973 unvermeidlich sei. So nützt es also auch nichts, dass Noers Version ein recht schmackhaftes Gericht geworden ist. Wer den Steve McQueen-Klassiker einmal probiert hat, der will nichts Nachgekochtes mehr kosten.

Der Pate ist bei Maxdome und Sky verfügbar. Pulp Fiction ist bei Maxdome, Netflix und Sky zu sehen (Links zu Anzeigen).

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Sebastian Daniels
Sebastian Daniels lebt als Online-Redakteur in Berlin, weil das gut klingt und man mit Selbstgesprächen kein Geld verdient. Er liebt Filme. Er liebt das Schreiben. Also schreibt er über Filme.

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