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Maniac: Das Ende der Serie erklärt

Psychische Krankheiten, Parallelwelten, gefährliche Experimente: Die Netflix-Miniserie Maniac mit den Superstars Emma Stone und Jonah Hill strotzt nur so vor Ideen. Doch schon vor dem genial verwirrenden Ende bleiben viele Fragen offen. Was geht hier eigentlich vor? Und passiert das alles wirklich? Ein Erklärungsversuch.

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Mit der Mini-Serie Maniac erzählen Patrick Somerville und Multitalent Cary Fukunaga innerhalb von zehn Folgen eine spannende und durchgedrehte Geschichte, voll mit Querverweisen, einem verwirrenden Staffelfinale und vor allem der Frage: Was ist echt und was nicht? Geschehen die merkwürdigen Ereignisse um Emma Stone (La La Land) und Jonah Hill (War Dogs) wirklich in der Realität?

In unserem Erklärtext zu dem Sci-Fi-Hit Arrival und unserer Interpretationshilfe für den albtraumhaften Bibelhorror Mother! haben wir uns bereits mit den unterschiedlichen Ebenen, versteckten Details und der Bedeutung komplizierter Filmmeisterwerke auseinandergesetzt. Diesmal nehmen wir für euch Maniac genauer unter die Lupe!

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Wir werfen einen Blick hinter das verworrene Geschehen von Maniac | © Netflix

Emma Stone und Jonah Hill im Labyrinth der Querverweise

Unser Universum und unsere Welt basieren auf Verbindungen. Diese Verbindungen, egal ob zufällig oder zwangsläufig, prägen unser Leben. Das ist die Botschaft zu Beginn von Maniac. Ohne diese Verbindungen – man könnte auch sagen: Beziehungen – sind wir verloren. So wie Owen Milgram, der sich seiner Familie entfremdet hat. Und auch so wie Annie Landsberg, deren Vater keine Beziehungen zulässt.

Diese Verbindungen durchziehen die komplette Staffel. Ein Fest für alle, die auch schon in der 2. Staffel der Marvel-Netflix-Serie Iron Fist auf die kleinsten Details geachtet haben. Denn selbst wenn die Geschichten in den Episoden zeitlich und inhaltlich getrennt erscheinen, sind sie doch miteinander verbunden. Charaktere aus der echten Welt erscheinen immer wieder in den Reflektionen, also den Träumen während der Pharmazie-Studie. Das Gleiche gilt auch für Objekte wie dem Baum, der erst in Folge 1, später aber auch in Episode 8 auftaucht.

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In Maniac solltet ihr auf jedes Detail achten | © Netflix

Diese Verbindungen sollen zeigen: Auch wenn sich die Episoden größtenteils nur in der Vorstellung der Hauptfiguren Owen und Annie abspielen, sind sie doch wichtig. Wer aufpasst, wird belohnt. Nichts passiert zufällig.

Staffelfinale: Die große Prüfung und die Bedeutung des Rubiks-Würfels

All diese Verbindungen sammeln sich an und führen zum Staffelfinale in Folge 9, der Prüfung für die Hauptfiguren. Die Ausgangslage, das Verhör im NATO-Hauptquartier, spielt auf ein Missgeschick von Owen an, das in der ersten Folge erzählt wird. Auch nach Jahren gibt sich Owen dafür die Schuld.

Doch dann betritt Annie die Bühne und die Bedeutung verschiebt sich. Ernie steht jetzt nicht mehr für das Haustier von Owens Bruder Jed, sondern für Gertie, den Supercomputer. Beide geben vor, alles Leiden der Menschheit zu eliminieren. Doch Annie zufolge lügen sie und müssen aufgehalten werden.

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Das Finale stellt Owen (Jonah Hill) und Annie (Emma Stone) vor eine schwere Prüfung | © Netflix

Der Fahrstuhl verbindet die Reflektionen und so gelangt Owen schließlich zu seiner Prüfung: Dem Rubiks-Würfel. Annies Weg führt sie zu ihrer Schwester. Was bedeutet der Rubiks-Würfel?

Wie Regisseur Cary Fukunaga in einem Interview erklärt hat, will Owen der Held seines eigenen Lebens sein. Die gesamte Staffel über dreht Owen an dem Rubiks-Würfel, oft ohne hinzusehen. Er will so herausfinden, ob er geheime Kräfte hat, etwas besonderes ist. Das ist zumindest die Interpretation von Fukunaga. Der Würfel an sich ist eigentlich unwichtig in dieser Szene und auch seine Lösung bewirkt nichts direkt. Owen hält damit eben nicht wirklich den angeblich bösen Supercomputer auf.

Denn wie das genau funktionieren soll, wird in der Folge nicht verraten. Die wahrscheinlichste Antwort: Gertie lässt ihn absichtlich als Helden dastehen. Durch dieses Erlebnis findet Owen den Mut, um in der nächsten Folge vor Gericht das Richtige zu tun und nicht das, was seine Familie von ihm erwartet.

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Mit wem kämpft Owen (Jonah Hill) wirklich? Einem Computer oder sich selbst? | © Netflix

Parallel spitzt sich scheinbar auch die Situation im Labor zu. Doch das ist alles nur Show, Gertie ist nicht HAL 9000. Die Situation ist vielmehr eine Prüfung für James Mantelray. Er muss das tun, wozu er bislang nicht bereit war: Seine Mutter überwinden. Selbst wenn er dafür seine gesamte Forschungsarbeit opfern muss.

Alle drei – Owen, Annie und James – bestehen ihre Prüfung.

Grenzwelt Maniac: Real oder nicht?

Aber ist das auch alles wirklich passiert? In Maniac verwischt ständig die Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit. Das beginnt schon mit der Welt, in der die Serie spielt: Eine Parallelwelt, ähnlich, aber doch anders als unsere.

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Maniac kann einen ganz schön aus der Fassung bringen: Was passiert hier wirklich? | © Netflix

Darüber hinaus sind in der gesamten Staffel Details eingebaut, durch welche die Zuschauer an der Wahrhaftigkeit der Geschichte und der letzten Folge zweifeln sollen: Genauso wie Annie aus Owens Reflektion entfernt wird, verschwindet auch sein imaginärer Bruder. Die Art und Weise, wie Annie und Owen in der letzten Folge entkommen, beschreibt letzterer zuvor in einem Traum. Und dann sind da noch Owens Greifvogel und Annies Hund. Dass beide am Ende ihren ehemaligen Besitzern folgen, ist völlig unmöglich.

Also alles nur eine Illusion? So eindeutig ist es auch wieder nicht. Die letzte Folge unterscheidet sich nämlich von den Reflektionen, die ja wie Träume nicht echt sind. Owens imaginärer Bruder taucht nicht auf, Owen hat keine Halluzinationen mehr und vor allem schlüpfen beide – Owen und Annie – nicht mehr in eine andere Rolle. Ist es also doch real?

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Ist mit dem letzten Rollentausch auch Schluss mit den Traumwelten? | © Netflix

Maniac: Die Lösung ein moderner Don Quijote?

Ein möglicher Hinweis ist der Roman Don Quijote von Cervantes, der immer wieder erwähnt wird. Das zentrale Thema des Romans ist die Frage, was ist Wirklichkeit und was ist Traum? Ist die Hauptfigur Don Quijote nur ein Narr oder tatsächlich ein Held? Seit Jahrhunderten wird darüber in der Literaturwissenschaft gestritten, denn Cervantes löste die Doppeldeutigkeiten nicht auf.

Genauso gibt es auch in Maniac keine richtige oder falsche Antwort. Die Wahrheit auf die Frage, ob die Geschichte nun real ist oder nicht, bleibt letztendlich immer nur die Antwort, für die wir uns entscheiden.

Wird Maniac eine 2. Staffel bekommen?

Eine zweite Staffel ist momentan nicht geplant. Wir werden also wohl keine offiziellen Antworten auf unsere Fragen bekommen. Wir müssen sie selber finden.

Wie Annie schon so schön sagt: „Was ist schon normal?“