© 2017 Twentieth Century Fox
Taron Egerton in Kingman: The Golden Circle
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Kingsman – The Golden Circle: Der bessere James Bond

Vor vier Jahren startete mit Eggsy ein neuer Geheimagent seine Leinwandkarriere. Nun ist auch der Nachfolger als Stream verfügbar. Aber kann Kingsman 2: The Golden Circle mit seinem Vorgänger mithalten?

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Perfekt sitzender Anzug, Martini und ein fieser Bösewicht, den es zu besiegen gilt: Die Rede ist nicht von James Bond, sondern von Kingsman. 2014 sorgte der ersten Teil Kingsman: The Secret Service für einen Überraschungshit mit smarten Agenten, großartig inszenierter Action und einer ordentlichen Portion Selbstironie. 2017 legte Regisseur Matthew Vaughn mit Kingsman: The Golden Circle nach.

Worum geht es in Kingsman 2?

Nachdem Eggsy (Taron Egerton) gemeinsam mit Harry (Colin Firth) die Welt gerettet hat, wartet nun die nächste Herausforderung auf ihn: Ein Dinner mit den Eltern seiner Freundin, der schwedischen Prinzessin Tilde. Doch währenddessen werden alle Gebäude der Kingsmen von dem Drogenkartell The Golden Circle zerstört. Eggsy und das Tech-Genie Merlin (Mark Strong) sind die einzigen Überlebenden und müssen folglich das Doomsday-Protokoll in Gang setzen.

Julianne Moore als Poppy in Kingsman: The Golden Circle © Twentieth Century Fox France

Das führt sie nach Kentucky in die Whiskey-Brennerei Statesman, wo sie neue Verbündete finden. Mit diesen kämpfen sie fortan erneut um das Überleben der Menschheit.

Drogenboss Poppy (Julianne Moore) hat ihren Produkten ein Gift beigemischt, welches zunächst zu einem blauen Ausschlag und schließlich nach ein paar Tagen zum Tod führt. Sie will den Präsidenten der USA unter Druck setzen, den Krieg gegen die Drogen zu beenden und diese zu legalisieren. Sobald er ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, will sie das Gegenmittel sofort für alle zugänglich machen.

Der Präsident sieht jedoch die Möglichkeit, sich endlich von dem “Abschaum” zu befreien, der seiner Meinung nach das Land schwächt. Die Kingsmen und Statesmen versuchen nun, das Gegenmittel selber unter die Leute zu bringen.

Die Inszenierung

Vieles, was den ersten Teil so großartig gemacht hat, bleibt uns in Kingsman: The Golden Circle erhalten. Wir bekommen haufenweise Action geliefert, die den Raum nutzt und mit der Kamera spielt. Während die Agenten sich auf der Leinwand in präzise, blitzschnelle Kämpfe werfen, können wir der Action aber weiterhin folgen. Nie wird es unübersichtlich oder chaotisch. Modern und schnell werden die Szenen inszeniert, während Kamera und Schnitt ein fester Bestandteil des Geschehens sind.

Was selbstverständlich klingt, ist im Action-Genre derzeit leider eine Seltenheit. Entsprechend erfreut sind wir über jede positive Ausnahme. Zudem steht The Golden Circle dem ersten Teil auch in musikalischer Hinsicht kaum hinterher und liefert immer wieder szenische Gesamtwerke à la Baby Driver ab.

Kingsman: The Golden Circle © Twentieth Century Fox France

Auch die Schauspieler schaffen es erneut, zu überzeugen. Taron Egerton, der mit The Secret Service seinen Durchbruch schaffte, glänzt auch hier wieder mit seiner ironisch geprägten Darstellung. Colin Firth, dessen Charakter zunächst mit einer Amnesie und anschließend mit Rückfällen zu kämpfen hat, wechselt fließend zwischen Verletzlichkeit und selbstbewusstem Auftreten, und Julianne Moore ist die perfekte Psychopathin.

Zwischen Übertreibung und Ernsthaftigkeit

Doch mit Moores Charakter Poppy fangen die Probleme des Films an. Eine Überspitzung des Bösewicht-Klischees fand bereits im ersten Teil statt und funktionierte damals genauso gut wie hier. Allerdings setzt The Golden Circle nun regelmäßig auf derart übertriebene Gewalt, dass das kaum noch als ironische Überzeichnung, sondern vielmehr als Splatter-Trash durchgehen kann. Dieser wird dann aber einigen durchaus ernsten Szenen gegenübergestellt, die ihre Wirkung so kaum entfalten können.

Colin Firth in Kingsman: The Golden Circle ©  2017 Twentieth Century Fox

Kingsman: The Golden Circle will zu viel und schafft es leider nicht, alles gut zu verbinden. Zwischendurch ein mehr oder weniger unnötiger Abstecher nach Italien, um dort das Gegenmittel zu stehlen, zu scheitern, ein paar Leute zu töten und wieder in die USA zurückzukehren. Das einzige was bleibt, ist ein leichtes Misstrauen gegenüber dem Statesman Agent Whiskey (Pedro Pascal).

Dafür eine Szenerie aufzubauen, die einem actiongeladenen Finale würdig ist, irritiert hier nur. Ohne wirkliche Entwicklung geht es für uns Zuschauer dann wieder zurück in die USA. Bei einer Länge von über zwei Stunden, hätte es sich der Film durchaus leisten können, hier etwas weniger Aufwand zu betreiben.

Channing Tatum und Halle Berry in Kingsman: The Golden Circle © Twentieth Century Fox France

Auch sonst übertreibt der Film gnadenlos, was manchmal gut funktioniert und manchmal leider gar nicht. Elton John spielt sich selbst und während ich anfangs noch ein Cameo annahm, wurde aus ihm ein gut genutztes Comic Relief. Damit nahmen seine Auftritte vielen Szenen die brutale Schärfe, die Poppys 50er-Jahre Nostalgiepark sonst prägte.

Mut zu Entscheidungen

Die Brutalität wurde dadurch aber auch so unterschiedlich dargestellt, dass es schwierig war, sich auf die Stimmung des Films einzulassen. Einmal wird der Fleischwolf als Beweis für Loyalitätsbeweis genutzt, dann aber auch komödiantisch und schließlich um Spannung aufzubauen. Ähnlich ist es mit den anderen Gewaltszenen. Zwischen Ernsthaftigkeit und Humor wird so schnell gewechselt, dass keine einstimmige Atmosphäre entsteht und über eine gefühlskalte Hinrichtung durch Eggsy einfach so hinweg gespielt werden kann.

Poppy’s in Kingsman: The Golden Circle © Twentieth Century Fox France

Diese Unentschiedenheit zeigt sich auch in der Thematik der Legalisierung von Drogen. Einerseits werden viele Charaktere präsentiert, die zu Entspannungszwecken auf Drogen zurückgreifen und trotzdem funktionierende Menschen sind. Dann ist die größte Advokatin aber eine astreine Psychopathin und am Ende wird halb damit abgeschlossen, dass der Verzicht doch besser ist. Eine klare Positionierung für die eine oder andere Seite hätte dem Film auch hier wieder gut getan.

Insgesamt muss ich aber sagen, dass Kingsman: The Golden Circle grundsätzlich gut unterhalten hat. Vor und hinter der Kamera wurden wirklich gute Leistungen abgeliefert. Umso ärgerlicher, dass der Film schließlich an solchen Punkten scheitert. Ein bisschen mehr Mut zur eigenen Meinung und etwas mehr Ausgeglichenheit und der Film würde seinem Vorgänger in nichts nachstehen.

Nachdem inzwischen ein dritter Teil für die Reihe bestätigt wurde und voraussichtlich im Herbst 2019 erscheinen wird, hoffen wir, dass Matthew Vaughn und sein Team damit wieder zur alten Form zurückfinden werden.

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Clara Grunwald
Autor(in): Clara Grunwald
Ich lebe als freie Autorin und Cutterin in Würzburg, wo ich meinen Freunden nun seltener mit ewigen Filmdiskussionen auf die Nerven gehen muss - dafür hab ich ja jetzt euch. Neben Schreiben und Filmen jongliere ich noch mein Jura-Studium und sowas wie ein Sozialleben.

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