© 2018 Twentieth Century Fox
© 2018 Twentieth Century Fox
Filme

Isle of Dogs: Wes Anderson erntet Kritik

Der Kritikerliebling Wes Anderson hat mit seinem einzigartigen Regiestil schon einige Filmpreise abgeräumt. Aber kann er mit seinem neuen Animationsfilm Isle of Dogs an seine früheren Erfolge anknüpfen?

ANZEIGE

Isle of Dogs: Hundehass und Verschwörungen

Japan, 20 Jahre in der Zukunft: Unter den Hunden von Megasaki City hat sich das Schnauzenfieber verbreitet und droht angeblich, bald auch die Menschen der Stadt zu infizieren. Der hundehassende Bürgermeister Kobayashi lässt die Hunde kurzerhand auf die Insel Trash Island bringen und geht dabei mit gutem Beispiel voran: Der erste Hund auf Trash Island ist Spots, der Hund seines Mündels Atari.

Lediglich ein Vertreter der Partei der Wissenschaft argumentiert gegen Kobayashi. Das gute Verhältnis zwischen Hunden und Menschen hätte Tradition und die Wissenschaftler seien kurz vor einem medizinischen Durchbruch. Doch er wird ignoriert und wenig später befinden sich tausende Hunde auf Trash Island. Sie sind von der Krankheit geschwächt und stark abgemagert, während sie sich um jedes Gramm madenzerfressenden Müll streiten.

ANZEIGE
© 2018 Twentieth Century Fox
Die armen Vierbeiner aus Isle of Dogs | © 2018 Twentieth Century Fox

Doch dann kommt Atari mit einer Bruchlandung auf der Insel an. Er sucht seinen Vierbeiner und findet schnell die Unterstützung einer demokratisch organisierten Gruppe von Alpha-Hunden. Gemeinsam überqueren sie die gesamte Insel auf der Suche nach Spots und wachsen dabei trotz aller Eigenheiten zusammen.

Parallel dazu wittert in Megasaki City eine amerikanische Austauschschülerin eine Verschwörung. Sie glaubt nicht an das Wohlwollen von Bürgermeister Kobayashi und versucht, hinter dessen Machenschaften zu kommen.

Trash Island: Karge Landschaften und Symmetrie

Was zunächst klingt, wie eine kleine, herzerwärmende Geschichte, hat es ganz schön in sich. Wes Anderson lässt die Zuckertorten-Optik hinter sich, zeigt Berge voller Müll, harte Lebensverhältnisse und eine anatomisch korrekte Nieren-Transplantation.

Seinem Stil bleibt er dabei aber grundsätzlich treu. Der Fokus liegt weiter in der Mitte des Bildes, präzise Schwenks sind selbstverständlich und Symmetrie, klare Farbkompositionen und eine hoch stilisierte Kamera dominieren die Bildsprache.

© 2018 Twentieth Century Fox
Nicht alle hassen Hunde in Isle of Dogs | © 2018 Twentieth Century Fox

Allerdings kommt auch der visuelle Humor nicht zu kurz. Wes Anderson versteht es nach wie vor, Witze nur durch Bilder zu erzählen. Er kontrastiert die raue Umgebung mit Cartoon-Kampfszenen und statt realistischer Action sehen wir Wollknäule, aus denen hin und wieder einige Gliedmaßen herausfliegen. Das macht Spaß und nimmt dem Film häufig seine Schärfe, ohne ihn jedoch zu sehr zu verniedlichen.

Auch die Charaktere werden in Isle of Dogs deutlich ernster genommen. Natürlich zeigt Anderson wieder jede Menge Außenseiter und Verstoßene, ironischerweise besonders bei den menschlichen Figuren.

Mit dem Streuner Chief wird eine sehr selbstreflektive Figur eingeführt, die in dieser Funktion auch auf die anderen abstrahlt. Die Hunde sind alle ihre eigenen Persönlichkeiten und ihre Facetten werden, trotz teilweise nur kurzer Auftritte, vielschichtig präsentiert.

© 2018 Twentieth Century Fox
Bürgermeister Kobayashi in Isle of Dogs | © 2018 Twentieth Century Fox

Etwas anders sieht es hingegen leider bei den Bösewichten aus. Megasaki City ist ein in rot-schwarz getauchter, orwellscher Alptraum und der Bürgermeister steht dem in nichts nach. Das ist sicherlich auch ein Seitenhieb gegen aktuelle, übergroße Populisten zu verstehen. In Filmen ist es aber für so manchen Kinogänger inzwischen eine überholte Trope, die in diesem Ausmaße nicht notwendig gewesen wäre.

Kulturkritik und fehlende Untertitel

Hier kommt auch noch eine Sprachbarriere hinzu. Die Hunde sprechen Englisch, während die Menschen fast ausschließlich in nicht untertiteltem Japanisch reden. Wes Anderson kommentierte bei der Premiere auf der Berlinale, dass die Emotionen für sich sprechen würden, doch die Motivationen und Argumente der Menschen bleiben häufig blass und vage.

An diesem Punkt wird Wes Anderson besonders kritisiert mit dem Argument, dass die japanische Kultur im Film somit als andersartig, fremd und bedrohlich charakterisiert sei. Das wird auch dadurch unterstützt, dass die Austauschschülerin, die die Verschwörung aufdeckt, Amerikanerin ist.

© 2018 Twentieth Century Fox
Eine Schülerin versucht, hinter die Machenschaften des Bürgermeisters zu kommen | © 2018 Twentieth Century Fox

Diese Lösung ist tatsächlich nicht optimal. Zu Wes Andersons Gunsten muss gesagt werden, dass die Geschichte der Schülerin wahrscheinlich zu viele Details enthielt, um sie im Japanischen zu belassen und das die einfachste Möglichkeit darstellte. Das wäre aber definitiv nicht die einzige gewesen und es ist schade, dass der Film nun diesen negativen Beigeschmack enthält.

Gleichzeitig macht Wes Anderson viel richtig. Sein Stil ist in vielerlei Hinsicht von japanischen Künstlern inspiriert. Optische Anlehnungen an Yasujirō Ozu wechseln sich in Isle of Dogs mit klaren Referenzen an Akira Kurosawa und seinen Film Dodes’ka-den ab. Zudem scheint Wes Anderson auch kulturell seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Der japanische Kritiker Moeko Fujii verteidigte den Regisseur und seine Darstellung japanischer Kultur ausführlich im New Yorker.

Wes Anderson nimmt demnach die Kultur in seinen Film auf und präsentiert diese dort recht sorgfältig. Dennoch gibt er dem auch Eigenes hinzu. Besonders bemerkenswert ist hier der herausragende Soundtrack von Alexandre Desplat, der Taiko Trommeln zu fantastischen Höhen führt und an anderen Stellen Prokofievs Troika passend einsetzt. Beide zusammen formen ein stimmiges Bild, was die gespannte Atmosphäre des Films unterstützt.

Insgesamt ist Isle of Dogs ein unterhaltsamer, sehr interessanter Film, der aber durchaus seine Schwächen hat. Gerne hätte man mehr über die einzelnen Charaktere erfahren, ohne direkt eine neue Sprache zu lernen und viele Debatten, die derzeit über Isle of Dogs geführt werden, hätten problemlos vermieden werden können.

Isle of Dogs im Lebenskontext des Wes Anderson

Werdegang

Isle of Dogs ist der 10. Spielfilm und der 2. Stop-Motion-Film von Wes Anderson und in der Zwischenzeit ist der Regisseur mit seiner ganz eigenen Filmsprache zunehmend populärer geworden.

Wes Anderson wurde unter dem Namen Wesley Wales Anderson am 1. Mai 1969 in Houston, Texas geboren und legte 1994 mit der Filmarbeit los. Der damalige Philosophie-Student lernte an der University of Texas Owen Wilson kennen und gemeinsam schrieben und drehten sie den Kurzfilm Bottle Rocket. Zwei Jahre später wurde dieser dann in ihren ersten, gleichnamigen Spielfilm umgewandelt.

Es folgten mehrere Zusammenarbeiten und für The Royal Tennenbaums wurden sie schließlich für einen Oscar in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert. Anschließend zog sich Owen Wilson von der Tätigkeit als Drehbuchautor vermehrt zurück, blieb als Stammdarsteller aber erhalten.

Wes Anderson begann stattdessen für seine Drehbücher Zusammenarbeiten mit Roman Coppola und Jason Schwartzman. Hier konnte er gleich mehrfach glänzen und erhielt fünf weitere Nominierungen bei den Oscars in Regie, Drehbuch und Animation.

Filmische Handschrift

Neben Owen Wilson hat Wes Anderson inzwischen ein Netz aus Darstellern aufgebaut, die immer wieder in seinen Filmen auftauchen. Darunter sind Bill Murray, Jason Schwartzman, Edward Norton und Tilda Swinton, die gemeinsam mit Owen Wilson auch als Synchronsprecher an Isle of Dogs beteiligt waren.

Zudem ist Wes Anderson besonders durch seine distinktive Filmsprache bekannt geworden. Feste Farbpaletten, die in den Bildern eigene Abgrenzungen formen, übertriebene Symmetrie und eine strukturierte Einteilung in Kapitel sind für ihn unverzichtbar.

Gerade in der Animation gibt es nun die Möglichkeit, den visuellen Perfektionismus bis ins kleinste Detail auszuarbeiten und so ist Isle of Dogs trotz meist blasser Farbpalette ein optisch beeindruckender Film geworden. Nichts passiert im Bild, ohne dass es die Aufmerksamkeit gezielt auf relevante Details lenkt.

Auch die Charaktere fallen letztendlich nicht aus dem typischen Bild einer Wes Anderson-Figur heraus. Die ein oder andere Merkwürdigkeit bleibt erhalten und bei näherem Hinsehen, ist eine tiefere Botschaft erkennbar.

Diese Eigenschaften werden hier nicht ausgehebelt, aber zumindest etwas abgeschwächt. Die Botschaft und der gesamte Film bleiben stets eher eine Weiterentwicklung des Stils, als ein wirklicher Bruch damit. Anderson bleibt sich nach wie vor treu.

Isle of Dogs ist aktuell in deutschen Kinos zu sehen.

TEILEN
Clara Grunwald
Autor(in): Clara Grunwald
Ich lebe als freie Autorin und Cutterin in Würzburg, wo ich meinen Freunden nun seltener mit ewigen Filmdiskussionen auf die Nerven gehen muss - dafür hab ich ja jetzt euch. Neben Schreiben und Filmen jongliere ich noch mein Jura-Studium und sowas wie ein Sozialleben.
Deine Meinung ist uns wichtig!

Deine Meinung ist uns wichtig!

 

Sag uns, was dir an Quadratauge gefällt und was wir noch verbessern können. Danke!

 

 

Zur Umfrage

 

 

You have Successfully Subscribed!

Inhalte mit Freunden teilen

Wenn Du diese Funktion akzeptierst, werden Deine Daten (z. B. die IP-Adresse, die URL der besuchten Webseite, das Datum und die Uhrzeit Deines Seitenbesuches) an Facebook, Google oder Twitter in ein Land außerhalb Deutschlands (z. B. USA) übermittelt und auch dort gespeichert. Diese Sozialen Netzwerke können somit diesen Webseitenbesuch Deinem bestehenden Account zuordnen, Dein Surfverhalten beobachten und dazu Profile erstellen und nutzen.