Maximilian Mundt in How to sell Drugs online (fast)
© Netflix
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How to sell Drugs online: Die wahre Geschichte hinter dem Netflix-Drogen-Hit

In der ersten deutschen Netflix-Comedy-Serie How to sell Drugs online (fast) baut ein Schüler aus seinem Kinderzimmer heraus den größten Online-Drogenversand Europas auf. Klingt irre? Noch viel verrückter ist, dass die Grundidee für die Serie auf einer wahren Geschichte beruht, die so in Deutschland wirklich passiert ist. Erfahrt hier alles über den unglaublichen Fall von Shiny Flakes, der mit knapp 20 Jahren kiloweise Drogen in die ganze Welt verschipperte.

Wenn es in Serien um Drogenhandel geht, sprechen wir meist von kolumbianischen oder mexikanischen Kartellen. Reale Inspirationsquellen wie Félix Gallardo oder der oft als moderner Robin Hood betitelte Pablo Escobar prägen in Narcos und Co. das Bild. Doch  nicht jeder Drogenhändler läuft mit der Knarre in der Hand durch Tijuana und legt einen Konkurrenten nach dem anderen um. Manche sitzen einfach vor ihrem Computer und verticken riesige Drogenmengen bequem von Zuhause über das Darknet.

Maximilian Mundt in How to sell Drugs online (fast)
Serienheld Moritz (Maximilian Mundt) basiert auf dem realen Shiny Flakes-Gründer | © Netflix/ Bernd Spauke

So wie Max S., der mit Shiny Flakes einen der größten Online-Drogenshops Europas betrieb und nun in groben Zügen als Vorbild für die Netflix-Serie How to sell Drugs online (fast) dient.

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Doch wer ist Max S.? Was machte das Geschäftsprinzip von Shiny Flakes so besonders? Und wie wurde der junge Drogenbaron eigentlich geschnappt? 

Shiny Flakes: Die wahre Geschichte eines Online-Drogendealers

Maximilian S. schloss im Jahr 2011 die Realschule in Leipzig ab und begann eine Lehre als Kellner in einem italienischen Restaurant. Alles schien gut zu laufen, doch dann brach Max 2013 seine Ausbildung ohne Vorankündigung plötzlich ab.

Wie später klar wurde, begann er in dieser Zeit, sein Online-Drogenimperium aufzubauen. Sowohl im Darknet als auch im normalen, offenen Web eröffnete er einen Online-Shop, in dem von Koks, Speed, Haschisch, bunten Ecstasypillen oder Crystal Meth so ziemlich alles erhältlich war, was sich die entsprechenden Abnehmer wünschen konnten. Nur bei Heroin setzte er eine Grenze.

Maximilian Mundt in How to sell Drugs online (fast)
Ganz alleine baute Max S. ein gewaltiges Drogenversandhaus auf | © Netflix

Im Gegensatz zu Moritz (Maximilian Mundt) aus How to sell Drugs online (fast) war der reale Max also schon mit seiner Schule fertig, als er sich in Drogengeschäfte stürzte. Außerdem hatte er anders als die Serien-Version auch keine Unterstützung durch einen Freund, sondern zog sich sozial weitgehend zurück. Selbst seine Mutter soll ihn laut Spiegel-Recherchen kaum noch zu Gesicht bekommen habenund das obwohl er noch bei ihr wohnte.

Im Alleingang verwandelte er sein Jugendzimmer in die Schaltzentrale eines lukrativen Online-Drogengeschäfts, mit dem er in den folgenden zwei Jahren Millionen verdiente. Der Name des ambitionierten Start-ups: Shiny Flakes.

Shiny Flakes: Was war das Besondere am Geschäftsmodell?

Die Gründe für den Erfolg von Shiny Flakes sind vielfältig. Doch gerade die Tatsache, dass der Online-Shop nicht nur in der anrüchigen Welt des Darknet, sondern auch im normalen, leicht zugänglichen Internet zur Verfügung stand, setzte die Seite von der Konkurrenz ab und eröffnete völlig neue Kundschaftskreise. Nie war es so einfach, Drogen online zu bestellen.

Außerdem machte schon das Design und die Aufmachung des Shops einen seriöseren Eindruck, als man es von einem Drogenversandhaus erwarten würde. Zahlreiche, hochwertige Bilder, abwechslungsreiche Formen und Farben und professionell wirkende Produktbeschreibungen waren zumindest bis dahin nicht gerade üblich in der Branche.

Maximilian Mundt in How to Sell Drugs Online (fast)
Aus seinem Kinderzimmer wird einer der größten Online-Drogenshops in Europa: Shiny Flakes | © Netflix/ Bernd Spauke

Und dazu kam das Versprechen von Sicherheit. Zahlungen wurden ausschließlich über die kaum nachverfolgbare Kryptowährung Bit Coin geregelt, während die Sendungen über den herkömmlichen Postweg innerhalb von Deutschland weitgehend unauffällig direkt an die Kunden oder an verschiedene Packstationen und Paketboxen gingen. Die Adressen der Shopseiten waren in Tonga und den Kokosinseln registriert und die Server standen im Ausland, waren also nicht nachverfolgbar.

Auch im Interview mit Vice bezeugte Shiny Flakes die Anonymität seiner Kundschaft: „Personenbezogene Daten löschen wir ein- oder zweimal am Tag von unseren Servern.“ Im Klartext sollte das heißen: Wir speichern nichts. Selbst wenn wir auffliegen, kommt die Polizei nicht an eure Namen.

Wie kam die Polizei Shiny Flakes auf die Spur?

So intelligent er sich beim Aufbau seines Imperiums und dem Vertrieb der Drogen anstellte, zum Schluss wurden dem jungen Drogenbaron kleine Fehler und seine Faulheit zum Verhängnis. Denn mit dem steigenden Lieferdruck versäumte es Max zunehmend, seine Sendungen ausreichend zu frankieren.

Bei den 16 Stunden Arbeitszeit, die der Jungunternehmer dem Tagesspiegel zufolge täglich in sein Geschäft steckte, kaum ein Wunder.

Maximilian Mundt in How to sell Drugs online (fast)
Die Arbeitsbelastung durch Shiny Flakes war enorm | © Netflix

Doch nachdem im Laufe der Zeit immer wieder Briefe und Pakete mit Drogen und falschen Absendern bei der Leipziger Polizei auftauchten, wurde den Beamten klar, dass sich das Zentrum von Shiny Flakes ausgerechnet in ihrer Stadt befinden musste. Regelmäßige Observationen von Paketstationen ließen das Augenmerk dann auf eine Person fallen, die in regelmäßigen Abständen verdächtige Pakete verschickte: Max S.

Danilo Kamperidis und Maximilian Mundt in How to sell Drugs online (fast)
Zu oft benutzte Max S. dieselbe Paketstation | © Netflix

Dieser nutzte nämlich für das Versenden seiner Ware häufig einfach eine Packstation, die sich nicht nur in der Nähe seines Elternhauses befand, sondern auch noch videoüberwacht wurde. Ein fataler Fehler, der sich nun rächen sollte.

Einer der größten Drogenfunde in der deutschen Geschichte

Die Polizei begann, Max zu beobachten und schnell erhärtete sich der Verdacht. Bald wussten die Ermittler auch, an welchem Tag sich der Online-Dealerkönig mit seinem Kurier aus Holland traf. Am 26. Februar 2015 war es dann soweit: Ein Spezialkommando der Polizei stürmte Max‘ Wohnung und nahm den erst 20-Jährigen fest.

Maximilian Mundt in How to sell Drugs online (fast)
Die Drogen wurden fein säuberlich im Zimmer gelagert | © Netflix

Die Ausbeute der Behörden konnte sich sehen lassen und belastete den lange unantastbaren Shiny Flakes-Administrator schwer. Denn die Polizei fand nicht nur Festplatten und einen Laptop, sondern wie die Vice berichtete auch 48.000 Euro Bargeld und, fein säuberlich in Regalen sortiert, rund 320 Kilogramm Drogen.

Gebrochene Versprechen und Haft für Shiny Flakes

Innerhalb seiner kurzen, knapp zweijährigen Dealer-Karriere hatte Max ein ganz schönes Vermögen angehäuft. Allein die bei der Verhaftung sichergestellten Drogen sollen einen Marktwert von 4,1 Millionen Euro gehabt haben. Dazu kommen noch die ungefähr 600 Kilogramm, die Shiny Flakes laut dem BKA zwischen Dezember 2013 bis Februar 2015 an seine Kunden verschickte.

Die Beweislast war erdrückend, auch weil Max ein entscheidendes Versprechen nicht eingehalten hat. Denn auf seinem Computer fand die Polizei nicht nur eine detaillierte Lieferliste, die bis zur Anfangszeit des Online-Shops zurückreichte, sondern auch ein Dokument mit allen wichtigen Passwörtern. So genau nahm es der Jungunternehmer also nicht mit der Sicherheit seiner Kunden – und diese mussten nach seiner Festnahme nun zittern.

Maximilian Mundt in How to sell Drugs online (fast)
Der Unternehmertraum Shiny Flakes endete für Max S. im Knast | © Netflix

Bei Anklageerhebung etwa vier Monate später stand eine Haftstrafe von 15 Jahren im Raum, die Staatsanwaltschaft forderte aber nur acht Jahre und acht Monate. Am Ende hat Max S. Glück: Er wird nach Jugendstrafrecht verurteilt und muss für „nur“ 7 Jahre ins Gefängnis. Das hätte bei der Menge an Drogen, die involviert waren, deutlich drastischer ausgehen können.

Wie der Tagesspiegel berichtete, war das Drogenversandhaus Shiny Flakes seinem Verteidiger zufolge für Max S. lediglich ein Projekt. Ihm sei es schlichtweg egal gewesen, ob er Drogen verkauft habe oder Schuhe. „Im Grunde war es eine Schnapsidee“, kommentierte der junge Mann selbst. Aber eben eine mit Folgen…

How to sell Drugs online (fast): Das Erscheinungsdatum bei Netflix

How to sell Drugs online (fast) ist seit dem 31. Mai 2019 bei Netflix verfügbar. Ihr könnt euch also alle 6 Folgen der 1. Staffel sofort anschauen.

Lust auf mehr Drogen-Geschichten? Dann lies in unserer großen Übersicht alle Infos zum kommenden Breaking Bad-Film.

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Tim Seiffert
Autor(in): Tim Seiffert
Redakteur bei QUADRATAUGE – Festangestellt bei der Webedia-Group, zu der auch weitere Filmexperten wie moviepilot.de und filmstarts.de gehören. | Berufserfahrung: Vor QUADRATAUGE absolvierte Tim ein Volontariat bei den Filmportalen moviepilot und filmstarts. | Ausbildung: Er studierte Germanistik und Politikwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. | Spezialgebiete: Ist unser Spezialist für Netflix-Serien aller Genre. Experte für Fantasy, Comics, Marvel- und DC-Filme. Kennt sich bestens mit Actionfilmen, Thrillern und jeglichen Formen von Sci-Fi und Dystopien aus. Musikwurzeln in der Punk-, Hardcore- und Metal-Schiene. | Lieblingsfilme und –serien: Oldboy, Lady Snowblood, Reservoir Dogs, Peaky Blinders, Game of Thrones, Daredevil | Wie das Team ihn sieht: Schreiberling mit Faible für Düster- oder Abgedrehtes, Comics und das südkoreanische Kino. Hat für die meisten französischen Komödien nicht viel übrig und ist weiterhin zutiefst verunsichert, ob Dwayne Johnson bald in jedem Franchise mitspielt.

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