Filmplakat von Heilstätten
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Heilstätten bei Sky: Warum der deutsche Horror komisch riecht

Der deutsche Horror ist nicht tot. Laut Heilstätten-Regisseur Michael David Pate riecht er einfach nur komisch. Im Interview mit QUADRATAUGE boten er und die Darsteller Tim Oliver Schultz und Nilam Farooq aber noch weitere interessante Einsichten über den packenden Social Media-Horrorfilm, der ab dem 17. Mai bei Sky zu sehen ist.

Das Horror-Subgenre Found Footage ist nun endlich auch in Deutschland angekommen. Zu verdanken haben wir das dem Regisseur Michael David Pate (Kartoffelsalat – Nicht fragen!) und seinem Horrorfilm Heilstätten. Darin verbringen sechs junge Leute eine Nacht auf dem verlassenen Gelände einer ehemaligen Lungenheilstätte. Was als klickfördernde YouTube-Challenge beginnt, entwickelt sich bald zum albtraumhaften Überlebenskampf.

Die Zielgruppe von Heilstätten ist bereits im Vorfeld klar definiert. Junge Menschen der Generation Z sollen hier ihren Spaß haben.

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Die Darsteller Tim Oliver Schultz und Nilam Farooq | © 2018 Twentieth Century Fox

Inhaltlich bietet der Film für eingefleischte Horrorfans zwar wenig Neues, die Verschmelzung von Social Media-Kultur mit klassischen Gruselelementen sorgt im hierzulande eingestaubten Genre aber durchaus für frischen Wind. Das ist vor allem den Darstellern (u. a. Sonja Gerhardt, Timmi Trinks) zu verdanken, die als unbedarfte Digital Natives zu überzeugen wissen.

Dass die Heilstätten in Brandenburg ohnehin schon große Faszination auf viele Menschen ausüben, wurde sich ebenfalls clever zu Nutze gemacht. Der Schauplatz ist äußerst stimmig in Szene gesetzt, obwohl hier sogar ein bisschen gemogelt wurde. Für die Beelitzer Heilstätten, in denen der Film augenscheinlich spielt, bekamen die Macher nämlich keine Drehgenehmigung, weshalb sie in die rund 90 Kilometer weiter nördlich gelegenen Heilstätten in Grabowsee auswichen.

Heilstätte Grabowsee: Keine Drehgenehmigung für Beelitz

QUADRATAUGE: War euch die Grabowsee-Heilstätte vor den Dreharbeiten ein Begriff?

Farooq: Mir tatsächlich nicht. Ich wusste, dass es mehrere Heilstätten gibt, aber ich kannte nur die in Beelitz. In der Probewoche vor dem Dreh war ich dann das erste Mal in Grabowsee.

Schultz: Ich war zuvor auch noch nie da, hatte aber davon gehört. Das Wort Heilstätten hatte für mich immer einen gruseligen Unterton. Als wir dann schließlich vor Ort waren, hat sich das bestätigt.

Pate: Ja, mir war der Ort zuvor tatsächlich schon als Filmlocation ein Begriff, weil dort auch viel gedreht wird, zum Beispiel Monuments Men von George Clooney. In den Medien liest man zwar mehr über die Beelitzer Heilstätten, aber Grabowsee war mir trotzdem geläufig.

QUADRATAUGE: Nachdem ihr keine Drehgenehmigung für die Beelitzer Heilstätten erhalten habt, seid ihr nach Grabowsee ausgewichen. Wieso suggeriert der Film dennoch weiter, dass die Handlung in Beelitz stattfindet?

Pate: Wir haben es zwar suggeriert, aber letzten Endes ging es um die Unterhaltung und die Fiktion. Ich kann das eigentlich nur kreativ begründen. Man nimmt sich einfach die Sachen, die wirklich einmal passiert sind, denn man hört ja immer wieder von paranormalen Erscheinungen. Ich habe aber versucht, den Handlungsort offen zu lassen, aber anzudeuten, dass schon einmal schlimme Dinge in deutschen Heilstätten geschehen sind.

QUADRATAUGE: Hatte die neue Location denn nochmal entscheidenden Einfluss auf das Drehbuch oder bot sie Inspiration für bestimmte Szenen und Einstellungen?

Pate: Auf jeden Fall, denn einiges kann man erst schreiben, wenn man die Location kennt. Wir haben den Drehort mehrfach besichtigt und ein paar Ecken gefunden, in denen man coole Sachen drehen konnte. Man kann alles Mögliche in ein Drehbuch schreiben, aber schöner ist es, wenn man die Story der Location anpassen kann und nicht umgekehrt.

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© 2018 Twentieth Century Fox / Andrea Hansen
Düster und abgewrackt: Die Heilstätte Grabowsee sorgte für unheimliche Stimmung am Set | © 2018 Twentieth Century Fox / Andrea Hansen

Horror am Set: Warum niemand allein sein wollte

QUADRATAUGE: Wie war die Atmosphäre am Set? War es genauso unheimlich wie im Film?

Schultz: Die Location hatte wirklich eine extreme Wirkung auf uns. Ich war einmal alleine am Set unterwegs, als der Akku meines Handys plötzlich ausging. Ich musste dann tatsächlich 10 Minuten durch die Dunkelheit laufen. Das war einer der gruseligsten Momente, die ich erlebt habe.

Farooq: Wir hatten eine großartige Ausstattung bei diesem Film. Aber einige Dinge wurden auch einfach so belassen, was für Angsthasen wie mich umso unheimlicher war. Ich habe mich immer anderen Menschen angeschlossen, um dort nicht alleine herumlaufen zu müssen.

Schultz: Viele Bereiche durften wir auch nicht betreten, weil dort zum Beispiel Einsturzgefahr herrschte oder Nägel aus dem Boden ragten. Die ganze Zeit schwang eine große Unbekannte mit, was wir auch gespürt haben.

QUADRATAUGE: Habt ihr euch gegenseitig Streiche am Set gespielt?

Schultz: Wir haben am letzten Drehtag das Spiel „Mörder“ gespielt, was einen gruseligen Eindruck hinterlassen hat. Aber auch sonst haben wir uns ziemlich oft gegenseitig Angst gemacht. Deswegen wollte eigentlich nie jemand alleine sein.

Farooq: Jetzt kann ich darüber lachen. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich echt Angst.

Michael David Pate: „Found Footage muss glaubwürdig wirken“

QUADRATAUGE: Heilstätten war eine Auftragsregie für 20th Century Fox. Wie bist du dazu gekommen, Michael David?

Pate: Produzent Till Schmerbeck ist bei den „Tagen der Regie“ in München auf mich zugekommen. Er war sehr angetan von dem Independentgeist meines Vorgängerfilms Kartoffelsalat und dass ich etwas für eine junge Zielgruppe gedreht habe, ohne mich dabei verrückt zu machen, wie Kritiker das finden könnten.

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Michael David Pate brachte sich das Regiehandwerk autodidaktisch bei | © 2018 Twentieth Century Fox

QUADRATAUGE: Wie viel Mitspracherecht hattest du bei der Entwicklung der Geschichte?

Pate: Ich habe das Drehbuch tatsächlich komplett umgeschrieben, auch wenn die Basis geblieben ist. Wir haben viel darüber gesprochen, was das junge Publikum ansprechen könnte. Ursprünglich war das Skript viel dokumentarischer und klassisches Found Footage-Material, wie beispielsweise bei Blair Witch Project. Ich hatte wirklich das Gefühl, ein großes Mitspracherecht zu haben und dass alle bei 20th Century Fox gemeinsam mit mir an einem Strang ziehen. Das war eine schöne Erfahrung.

QUADRATAUGE: Heilstätten ist der erste geförderte Horrorfilm in Deutschland und auch der erste große deutsche Found Footage-Horrorfilm. Was macht ihn für dich darüber hinaus besonders?

Pate: Zum einen die Kombination von YouTube und Found Footage. Zum anderen, dass wir bewusst vom deutschen Schauspiel abweichen. Es musste glaubwürdig wirken, dass es sich um echte YouTuber im Film handelt. Dafür haben wir die Darsteller viel improvisieren lassen. Mein Ziel war es, dass man das Gefühl hat, echtes YouTube-Material anzusehen.

QUADRATAUGE: Die Darsteller führten teilweise auch selbst die Kamera. Erschwert das die Regie bei bestimmten Szenen?

Pate: Es war schon eine Herausforderung. Man muss sich bereits im Vorfeld beim Drehbuchschreiben Gedanken machen, wie der Handlungsablauf zu sehen sein könnte. Der Aufwand ist da größer als bei „normalen“ Filmen, denn man muss jede Einstellung glaubhaft darstellen und trotzdem das Geschehen gut einfangen. Es darf schließlich nicht so wirken, als achteten die Protagonisten unter Todesangst auf ihre Schokoladenseite.

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Kameras an: Die Freunde ahnen hier noch nichts vom drohenden Unheil | © 2017 Twentieth Century Fox

Tim Oliver Schultz: „Das Horrorgenre die Königsdisziplin des Kinos“

QUADRATAUGE: Worauf hast du beim Casting der Darsteller besonders geachtet?

Pate: Wir haben lange Castingprozesse durchgeführt. Dabei ging es darum, dass die Darsteller auch wirklich passen. Für mich war am wichtigsten, dass ich den Schauspielern ihre Todesangst abkaufe.

QUADRATAUGE: Wie schafft man es als Schauspieler, Angst überzeugend zu spielen?

Schultz: Da gibt es die verschiedensten Herangehensweisen. Ich habe einfach den Ort und den Moment auf mich wirken lassen.

Farooq: Die Herausforderung war hier, Angst zu spielen, die nicht gespielt ist. Bei Found Footage ist es wichtiger, dass es eine Reaktion ist, die man als solche annehmen kann.

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QUADRATAUGE: Schaut ihr denn selbst gerne Horrorfilme?

Farooq: Ich bin echt ein Angsthase und muss nach Horrorfilmen meistens eine Stunde QVC oder Ähnliches schauen. Das lenkt mich dann ab. Wenn, dann schau ich mir die Filme mit Freunden im Kino an.

Schultz: Für mich ist das Horrorgenre die Königsdisziplin des Kinos. Sich im Kinosaal von dieser Angst übermannen zu lassen und Grenzen auszuloten, reizt mich sehr. Ansonsten sehe ich mir derzeit gerne die Serie The Walking Dead an, die ich sehr gruselig finde.

Nilam Farooq: „Ängste reizen mich“

QUADRATAUGE: Wovor fürchtet ihr euch persönlich am meisten?

Farooq: Ich habe Angst, Menschen zu verlieren, die ich liebe. Grundsätzlich reizen mich Ängste aber sehr. Meine Angst blockiert mich nicht, sondern macht mich eher neugierig.

Schultz: Bei mir sind es ebenfalls Verlustängste. Aber auch die Angst vorm Versagen. Dass ich etwas falsch mache oder jemandem nicht genüge.

QUADRATAUGE: Michael David, du hattest ein größeres Budget zur Verfügung als bei deinen vorherigen Filmen. Erleichtert das vieles oder erhöht das den Druck bei der Arbeit?

Pate: Beides. Der Druck ist grundsätzlich groß, wenn man einen Film dreht, weil man eine Verantwortung hat. Am Ende ist man derjenige mit dem Kopf in der Guillotine. Bei Heilstätten war es jedoch leichter für mich, da ich nicht in der Produzentenhaftung gesteckt habe, wie bei meinen vorherigen Independent-Filmen. So ein wirtschaftliches Risiko blockiert dann doch ein bisschen. Diesmal konnte ich mich aber voll auf die Kunst konzentrieren, was ein sehr angenehmes Arbeiten war.

QUADRATAUGE: Woran liegt es, dass das Horrorfilmgenre in Deutschland so unterrepräsentiert ist?

Pate: Da gibt es mehrere Gründe. Ich glaube, nach dem 2. Weltkrieg war Horror im Film erst einmal kein schönes Thema. Dann kam der Neue Deutsche Film und das Horrorgenre hat nie so richtig seinen Weg zum deutschen Mainstream gefunden. Ich persönlich denke, dass der deutsche Horror deshalb nicht funktioniert, weil die Fans annehmen wollen, dass das Gezeigte wirklich passiert sein könnte. Wahre Geschichten ziehen einfach immer besser. Aber in Deutschland geschehen solche Dinge nicht, sondern eher in den USA. Außerdem stehen sich das deutsche Schauspiel und der Horror ein bisschen im Weg. Das ist zumindest mein Gefühl.

QUADRATAUGE: Wie beurteilst du denn das Subgenre Found Footage insgesamt?

Pate: Found Footage ist ein sehr spannendes Genre. Man ist sofort drin im Geschehen, sofern es glaubwürdig ist. Ich frage mich immer zwei Sachen, wenn ich so einen Film sehe: Warum läuft in dieser Situation noch die Kamera? Und wer hat das alles zusammengeschnitten, was ich hier gerade sehe? Das hat natürlich mit der Meta-Ebene zu tun, die bei Found Footage immer ein Thema ist.

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Tim Oliver Schultz erlebt in Heilstätten den blanken Horror | © 2018 Twentieth Century Fox / Andrea Hansen

Generation Social Media: Zivilcourage statt Voyeurismus

QUADRATAUGE: Glaubt ihr, dass in der Realität selbst in ernsthaft gefährlichen Situationen eher die Kamera draufgehalten wird, anstatt Hilfe zu leisten?

Schultz: Ich glaube, wenn es darauf ankommt, lässt man die Kamera fallen und hilft.

Farooq: Ich finde es ziemlich erschreckend, dass heutzutage immer mehr Leute in solchen
Situationen zuerst ans Filmen denken. Grundsätzlich ist es aber eine Charakterfrage und das fällt bei jedem Menschen anders aus.

Schultz: Tatsächlich kenne ich das aber auch von mir. Manchmal filme ich einfach gedankenlos weiter, bis ich im letzten Moment merke, dass ich einschreiten muss. Unfälle auf Kamera sensationsgierig festzuhalten, finde ich aber total daneben. Ich werde wohl auch nie verstehen, wieso Menschen so etwas tun.

Pate: Ich hoffe, dass das Gute im Menschen noch so weit waltet, dass in Extremsituationen der Instinkt zu helfen größer ist, als mit dem Handy zu filmen. Leider weiß ich, dass oft das Gegenteil der Fall ist. Allein bei YouTube gibt es diesbezüglich erschreckende Videos zu sehen. Diese Entwicklung ist sehr gruselig und leider ein Teil unserer Gesellschaft geworden. Für mich persönlich kommt Voyeurismus in solchen Situationen nicht in Frage, denn Zivilcourage zählt mehr als Todesangst.

QUADRATAUGE: Deine Filme haben oft einen Bezug zu Social Media. Woher kommt diese Faszination?

Pate: Es fasziniert mich, weil es die Welt verändert hat. Sie ist zwar dadurch auch kleiner und schnelllebiger geworden, aber offenbart auch viele Vorteile. Besonders für mich, weil ich Verwandtschaft in Amerika und Italien habe, mit der ich, im Gegensatz zu früher, problemlos über soziale Medien in Kontakt treten kann.

QUADRATAUGE: In Heilstätten beschwert sich eine Figur in einer Szene darüber, dass YouTube die Leute verdummen lässt. Was sind für dich die positiven und negativen Aspekte von Sozialen Medien wie zum Beispiel YouTube?

Pate: Es gibt sicher viele positive Aspekte. Es gibt YouTuber, die ihre Reichweite zu nutzen wissen und Inhalte haben, die mich echt vom Hocker hauen. Der Nachteil – auch generell von Social Media – ist, dass sich Kinder selbst erziehen. Ich erlebe das auch bei meinen Kindern, dass teilweise mehr mit dem Daumen als mit dem Mund kommuniziert wird. Sie suchen sich ihre Einflüsse, Vorbilder und Bildung selbst aus. Händigt man Kindern Smartphones im Laden aus, kann man genauso gut Gewehre aushändigen. Beim Thema Social Media sind wir Erwachsenen da außen vor. Das primäre Ziel meines Films ist jedoch, zu unterhalten und nicht zu belehren. Ich freue mich natürlich, wenn kleine Denkanstöße gegeben werden, aber der Spaß steht im Vordergrund.

Du stehst auf Spannung, Action und Mystery im sozialen Netz? Wir empfehlen dir die besten Social Media-Thriller, die dich packen werden.

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Emilio Sakraya und Timmi Trinks als YouTube-Duo Prankstaz © 2018 Twentieth Century Fox / Andrea Hansen

Tim Oliver Schultz: „Bei mir herrscht auch mal Handyverbot“

QUADRATAUGE: Wie beurteilt ihr die aktuelle Social Media-Kultur, Nilam und Tim Oliver?

Farooq: Man muss da echt Grenzen ziehen und erkennen, wie weit man gehen darf. Gerade bei dieser stetig wachsenden YouTube-Branche. Unser Film zeigt das ziemlich gut und kritisiert das auch unterschwellig.

Schultz: Ich bin da sehr radikal, ehrlich gesagt. Wenn ich mich mit Freunden treffe, herrscht absolutes Handyverbot. Ich habe große Angst davor, welche Entwicklung diese Abhängigkeit von sozialen Medien noch nimmt. Zur Vorbereitung auf meine Rolle habe ich mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und mir viele YouTube-Videos und -Kommentare angeschaut. Eine große Reichweite bedeutet viel Verantwortung und damit sollte man umgehen können. Wenn unser Film ein Bewusstsein dafür schafft, wäre ich sehr glücklich.

QUADRATAUGE: Michael David, du fühlst dich im Horrorgenre augenscheinlich sehr zu Hause. Was begeistert dich daran so sehr? Und welche Filme haben dich besonders beeindruckt?

Pate: Generell fasziniert mich, dass es relativ wenig deutsche Horrorfilme gibt. Obwohl ich immer sage: Der deutsche Horror ist nicht tot. Er riecht einfach nur komisch. Das Genre hält dem Menschen gewissermaßen den Spiegel vor, unter gewissen Extremsituationen handeln zu müssen. Die Prämisse von Saw hat mir da zum Beispiel sehr gut gefallen. Da zeigte sich auch, dass man mit wenig Budget einen tollen Horrorfilm machen kann. Mit Horror kann man einfach jede Menge Fragen aufwerfen, zum Beispiel wie weit du gehen würdest, um zu überleben. Auch Hostel und Green Inferno von Eli Roth bieten interessante Denkanstöße. Im Menschen steckt viel Gutes, aber auch viel Böses. Und das kann
man mit Horror gut thematisieren.

QUADRATAUGE: Was hältst du dann von drastischen Gewaltszenen, die zum Beispiel in Hostel stark vertreten sind?

Pate: Mich reizt mehr der psychologische Horror, denn ich hasse Gewalt. Aber manchmal muss man Dinge zeigen, wie sie sind, um einen Effekt herbeizuführen.

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Für Betty (Nilam Farooq) enden manche Wege in einer Sackgasse © 2017 Twentieth Century Fox

Heilstätten: Kritikererfolg oder Kassenschlager?

QUADRATAUGE: Welche Regisseure haben dich beeinflusst?

Pate: Ich bin ein ganz großer Fan von Autodidakten wie David Fincher und Quentin Tarantino. Auch Robert Rodriguez und Steven Spielberg beeindrucken mich immer wieder.

QUADRATAUGE: Dein letzter Film Kartoffelsalat kam bei Kritikern nicht gut an, war dafür finanziell aber recht erfolgreich. Was wäre dir für Heilstätten lieber, wenn du dich zwischen Kritikererfolg und Kassenschlager entscheiden müsstest?

Pate: Eine sehr schwierige Frage. Grundsätzlich mache ich das Ganze nicht, um steinreich zu werden und auch nicht, um Lorbeeren zu ernten. Ich tue das, weil es mir Spaß macht. Mich erfüllt es mit Freude, wenn ich es schaffe, ein Publikum zu unterhalten. Da ist es mir egal, ob es sich um 100 oder 100.000 Leute handelt. Darum geht es mir an erster Stelle. Für alles andere muss ich einfach offen bleiben. Ich freue mich über gute Kritiken und auch über hohe Besucherzahlen. Wenn man sich aber nur darauf versteift, macht man sich verrückt. Auch bei Kartoffelsalat waren mir die Kritiken ziemlich egal, denn die Zielgruppe hatte ihren Spaß.

QUADRATAUGE: Könntest du dir denn für Heilstätten eine Fortsetzung oder sogar ein ganzes Horror-Franchise vorstellen?

Pate: Ich denke eigentlich nicht darüber nach. Ich versuche da, die Kirche im Dorf zu lassen. Wenn das Thema Fortsetzung aufkommen würde, dann vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen. Der künstlerische Anspruch ist für mich aber wichtiger. Eine eventuelle Fortsetzung müsste vor allem eine sinnvolle Geschichte erzählen. Grundsätzlich wäre ich einem Sequel aber auch nicht abgeneigt.

QUADRATAUGE: Welche Filmprojekte stehen bei dir in Zukunft an?

Pate: Ich plane derzeit ein Biopic über die Gründer des Wacken Open Air, das eine Art Dramödie mit leichten Western-Einflüssen werden soll. Es gibt aber auch noch ein paar Horrorfilme, die derzeit im Entwicklungsprozess sind. Ich möchte mich allerdings noch nicht zu sehr festlegen, denn natürlich ist entscheidend, wie Heilstätten bei den Zuschauern ankommt.

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Sebastian Daniels
Redakteur bei QUADRATAUGE – Festangestellt bei der Webedia-Group, zu der auch weitere Filmexperten wie moviepilot.de und filmstarts.de gehören. | Berufserfahrung: Sebastian schrieb vorher für das Filmportal moviepilot und den Tobis-Filmblog. | Ausbildung: Studierte Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz | Spezialgebiete: Fühlt sich in der Welt des Films einfach zu Hause. | Lieblingsfilme und –serien: Django Unchained, Fight Club, Pulp Fiction, Buffy, Breaking Bad | Wie das Team ihn sieht: Lebt als Online-Redakteur in Berlin, weil das gut klingt und man mit Selbstgesprächen kein Geld verdient. Er liebt Filme. Er liebt das Schreiben. Also schreibt er über Filme.

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