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Grace Jones: Blood and Bami © 2017 Ascot
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Kino

Grace Jones im Kino: Die Mutter des modernen Pop

Das neue Jahr hält ein besonderes Geschenk für Grace Jones-Fans bereit. Nur eine Woche lang läuft die Dokumentation Grace Jones: Bloodlight and Bami in ausgewählten Kinos. Der Film ist vom 24 bis 30. Januar 2018 zu sehen.

Wenn man an Grace Jones denkt, verbindet man wahrscheinlich drei Themen mit ihr: Disco, James Bond und Sexualität. Ihre Musik wurde im Nachhinein zum Sound der Achtziger, obwohl es keines ihrer zehn Studioalben in die Top 20 der Charts schaffte. Trotzdem gilt sie als Vorreiterin des modernen Pop. Stars wie Rihanna, Lady Gaga und Lorde verehren sie.

Die Dokumentation Grace Jones: Bloodlight and Bami will einen Blick hinter das Ikonen-Image werfen. Vier Jahre begleitete Regisseurin Sophie Fiennes die Sängerin. Der Fokus liegt auf einer Frau, die auch abseits der Bühne mutig, sinnlich und stets präsent ist.

Ein Kinobesuch lohnt sich nicht nur für Fans der Discodiva. Denn Grace Jones ist nicht nur eine der Mütter des modernen Pops, sondern auch eine der ersten schwarzen Frauen im Showbusiness, die gegen den Rassismus in der Unterhaltungsindustrie, vor allem in der Modewelt, anging. Sie öffnete die Tür für viele nach ihr und prägte unabhängig von ihrer Hautfarbe die Ästhetik der Popkultur bis heute.

Wer ist Grace Jones eigentlich?

Grace Jones wurde 1948 auf Jamaika in einen streng-christlichen Haushalt geboren. Mit 13 Jahren zog sie mit ihrer Familie in den Bundesstaat New York. In den USA hatte sie die Freiheit zu experimentieren und die Kunstperson Grace Jones bahnte sich ihren Weg ans Licht. Schon als Teenager tanzte sie Go Go und versuchte verschiedene Drogen, unter anderem LSD.

Grace Jones - die Ikone kommt zurück ins Kino © 2017 Ascot
Grace Jones – die Ikone kommt zurück ins Kino © 2017 Ascot

Mit 18 Jahren zog sie nach New York City, um Model zu werden. Sie sah nicht aus wie die Models ihrer Zeit: Sie war androyn, kantig und vor allem schwarz. Der Chef der renommierten Agentur Elite Model Management, John Casablancas, sagte damals zu ihr: 

„Ein schwarzes Model in Paris zu verkaufen ist so wie ein altes Auto zu verkaufen, das niemand haben will.“

Die stolze und vor allem sture Schönheit verließ nach dieser Aussage sofort die Agentur und gründete mit anderen Models, unter anderem Jerry Hall und Jessica Lange (zu sehen in American Horror Story) ihre eigene Agentur namens Euro Planning. Entgegen der Erwartungen liebten die Designer in Paris die extrovertierte Grace. Sie wurde zu einem der wichtigsten Models ihrer Zeit und eine Königin des Nachtlebens in Paris und New York.

Flashback to 1990!

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Vom Supermodel zur Disco Queen

Es gab zwei Orte, an denen man Grace antreffen konnte: Auf dem Laufsteg oder auf der Tanzfläche. Sie gehörte zu den Stammbesuchern des legendären Nachtklubs Studio 54. Die junge Frau tanzte dort in auffälligen Outfits die Nächte durch, bis sie eines Tages von Island Records ins Tonstudio eingeladen wurde. Der legendäre Musikproduzent Tom Moulton, der heute als einer der Begründer der Discomusik gilt, war dabei.

„Sie sagte zu mir: ‚Ich tue alles, was nötig ist.‘ Aber ihr Gesang war schrecklich. Grace konnte aber nicht singen. Sie klang wie Bela Lugosi.“

Für die Jüngeren unter uns, Bela Lugosi spielte 1931 Graf Dracula.

Das mangelnde Gesangstalent machte Grace jedoch mit Konzeptkunst und mutigen Bühnenshows wett. Ihre Auftritte waren aufregend, selbstbewusst und fern klassischen Rollenbildern. Sie trat in einem Gorillakostüm mit Lippenstift auf, halb nackt oder im maskulinen Herrenanzug.

Der New Yorker Clubbesitzer Rodger McFarlane beschrieb sie in der BBC-Dokumentation Queens of Disco:

„Sie war die Definition von Glamour, androgynem Style und aggressiver Sexualität. Sie war kompromisslos sie selbst.“

Ihre erste Single  „I Need a Man“ erschien 1975 und schaffte es bis auf Platz 1 der US-Dancecharts. Bis heute veröffentlichte Grace Jones 53 Singles, 10 Studioalben und 8 Greatest Hits LPs.

Natürlich wandelte sich ihr musikalischer Stil über die Jahrzehnte, trotzdem blieb sie ihrer Kompromisslosigkeit immer treu. Auch mit fast 70 Jahren steht sie noch in knappen Looks auf der Bühne und legte Auftritte hin, die sehr viel Selbstbewusstsein erfordern.

Ihr Einfluss auf die Popkultur von heute

Musikalisch prägte Grace Jones das gesamte Discogenre, aber auch in Sachen Mode und Performance sieht man ihren Einfluss bis heute. Grace Jones ist der Ansicht, dass Künstlerinnen wie Beyonce, Madonna, Rihanna und Miley Cyrus sie kopieren. Sie nimmt das aber nicht als Kompliment, sondern sieht darin viel mehr halbherzige Kopien ihrer Selbst. Sie kritisiert, dass viele Künstlerinnen heute nur so tun als würden sie den Status Quo brechen. In Wirklichkeit halten sie sich aber an die Regeln. Ein konkretes Beispiel hierfür ist Rihanna.

1986 ließ sich Grace Jones von dem berühmten Künstler Keith Haring des Öfteren den nackten Körper bemalen. Noch mehr, seine Farbe war alles was sie auf Bühne trug. Rihanna hingegen traute sich bei Weitem nicht so viel. In ihrem Musikvideo zu Rude Boy aus dem Jahr 2009 trägt Rihanna eine Bemalung auf ihrem Körper, die sehr stark an die aus dem 1986 erinnert. Im Unterschied zu Grace, war die junge Sängerin aber eben nicht nackt, sondern sie trug einen Ganzkörperanzug, auf den dann gezeichnet wurde.

Grace Jones sagte dazu in ihrer vierten Biografie I’ll Never Write My Memoirs: „Ich weiß nicht mal, ob sie weiß, dass sie mich kopiert. Aber ich wette, dass ihre Stylisten es wissen. Die kennen die Geschichte.“

Radiant Baby… memories with Keith Haring

Posted by Grace Jones on Mittwoch, 15. August 2012

Um was geht es in Grace Jones: Bloodlight and Bami?

Die Regisseurin Sophie Fiennes und die Sängerin lernten sich vor über zehn Jahren kennen und beschlossen spontan, zusammen einen Film zu machen. Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb und legten kein festes Konzept für die Dokumentation fest. Für vier Jahre begleitete die Filmemacherin die Sängerin auf ihren Reisen, kam mit ins Tonstudio und war sogar dabei, als Graces erstes Enkelkind zum ersten Mal ihre kleinen Augen öffnete.

Die Dokumentation wirft ein sehr intimes Bild auf die Frau Grace Jones mit all ihren Facetten. Sophie Fiennes verzichtete dafür bewusst auf die klassischen Elemente der Dokumentation: In Bloodlight and Bami gibt es keine Interviews oder Archivaufnahmen, stattdessen besteht der gesamte Film aus unorchestrierten Aufnahmen. Die Regisseurin filmte lediglich mit einer tragbaren Kamera.

Sophie Fiennes wollte weder das Bild einer Ikone noch die Legende des umso verletzlicheren Mensch dahinter auf die Leinwand transportieren. In der Dokumentation geht es vielmehr um eine wichtige Phase in Grace Jones Leben. Denn in diesen vier Jahren fanden die Aufnahmen für ihre zehntes Studioalbum Hurricane statt, ihr Vater starb und ihr erstes und bisher einziges Enkelkind wurde geboren. Sophie Fiennes sagte in einem Interview über diese Zeit:

 „Sie war auf einer generationsübergreifenden Reise, in der sie ihre Heimat Jamaika wieder entdecken wollte. Es war eine sehr spezifische Periode in ihrem Leben.“

Wer sollte sich die Dokumentation im Kino anschauen?

Wer Grace Jones: Bloodlight and Bami auf der großen Leinwand sehen möchte, steht unter Zeitdruck, denn die Dokumentation läuft nur für eine Woche in den Kinos. Anfang März ist bereits der offizielle VoD-Start. Wir denken, dass sich ein Kinobesuch für diese drei Gruppen von Musikfans besonders lohnt.

1. Natürlich für Grace Jones Fans

Für jahrelange Fans der Ikone ist der Kinobesuch selbstverständlich Pflicht. Sie haben die Möglichkeit die Künstlerin abseits ihrer Musik näher kennenzulernen und mehr über ihre Wurzeln auf Jamaika zu erfahren.

2. Freunde von Ausnahmekünstlern

Marilyn Manson, Falco, Kanye West und David Bowie, das alles sind Ausnahmekünstler, die wie Grace Jones den Status quo der Kunst herausforderten. Wer also Konzeptkunst spannend findet, für den ist eine Doku über Grace Jones und ihre kreative als auch menschliche Kompromisslosigkeit mehr als interessant.

3. Fans von Rihanna

Wir können die Dokumentation insbesondere jungen Musikfans sehr ans Herz legen. Denn wer noch am Anfang steht, die Welt der Popkultur mit ihren zahlreichen Verknüpfungen zu entdecken, ahnt gar nicht, wie stark die Bühnenshows und Outfits heutiger Superstars von Ikonen wie Grace Jones inspiriert sind. Insbesondere in der Kunst von Rihanna finden sich viele Looks, die sie schon vor Jahrzehnten auf der Bühne trug.

Seht hier den kompletten Trailer zu Grace Jones: Bloodlight and Bami.

 

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Autor(in): Laura Krimmer
Ich arbeite als Journalistin Bereich Film und Musik. Popkultur ist meine Leidenschaft, seit ich ein kleines Kind bin. Besonders spannend finde ich die Verknüpfungen von Musik, Film, Politik und Medien mit unserem Alltag.

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