© Universal Pictures International France
Get Out © Universal Pictures International France
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Filme

Oscar für Get Out: Verdienter Sieg oder politisches Kalkül?

Das Drehbuch besticht mit Originalität, aber die Academy hat sich in Sachen Image mit der Wahl auch selbst ein kleines Geschenk gemacht.

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Jordan Peele ist der erste Schwarze in der Geschichte der Oscars, der in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch gewann. Es war damit unumstritten ein historischer Sieg, aber auch ein verdienter Gewinn? Sowohl als auch.

Grundsätzlich wird das beste Drehbuch beim Oscar in zwei Kategorien geehrt:

Erstens, das Beste adaptierte Drehuch. Das wäre ganz klassisch ein Film der beispielsweise auf einer Buchvorlage basiert. Eine bereits bestehende Gesichte wird also filmisch umgesetzt. Und zweitens, das Beste Originaldrehbuch. Hier hat sich ein Autor hingesetzt und selbst ein Filmdrehbuch zu Papier gebracht.

Starke Konkurrenz

Dieses Jahr waren es fünf sehr starke Anwärter in der letzeren Kategorie. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri wurde als Favorit gehandelt. Darin geht es um eine Mutter, die man umgangssprachlich als harten Knochen bezeichnen würde. Sie lässt Reklameschilder ausstellen, auf denen sie die Handlungsunfähigkeit der örtlichen Polizei im Mordfall ihrer Tochter anklagt. Der beliebte Regisseur Martin McDonagh vermenschlicht mit schwarzem Humor tiefe emotionale Abgründe.

Ebenfalls nominiert waren, neben dem Coming of Age-Film Lady Bird von Greta Gerwig, folgende zwei Filme:

Mit der tragischen Liebeskomödie The Big Sick brachte der Comedian Kumail Nanjiana seine eigenes Liebesleben auf die große Leinwand. Der Amerikaner mit pakistanischen Wurzeln thematisiert mit seinem Drehbuch seinen innerlichen Konflikt in Sachen Dating, von dem viele junge Erwachsene mit Migrationshintergrund ein Lied singen können.

Heirate ich jemanden aus meiner Herkunftskultur, den meine Eltern perfekt finden, oder date ich jemanden aus dem Land, in dem ich lebe, und provoziere damit gegebenenfalls einen Konflikt mit meinen Eltern? Ohne viel Kitsch erzählt Kumail eine Geschichte, die aktueller nicht sein könnte.

Zudem war auch The Shape of Water nominiert. Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro schrieb auch das Drehbuch und blieb mit der Handlung seinem bisherigen Stil treu. Der Filmemacher schreibt Filme, die wie Märchen für Erwachsene sind. Er vermischt Themen aus unserer realen Welt mit bezaubernden, märchenhaften Figuren, verstörender Gewalt und Unmenschlichkeit.

Der Horror des Rassismus

Get Out war der einzige nominierte Horrorfilm in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch. Der Comedian Jordan Peele wollte den „ersten, schwarzen Horrorfilm“ schreiben, drehen und produzieren. Sein Bösewicht ist kein Hexer oder Serienkiller, sondern Rassismus. Das ist ein komplett neuer Ansatz mit dem relevanten Thema spielerisch umzugehen. Die Handlung ist allerdings nur schwer zu erklären, ohne dabei wichtige Details zu spoilern.

In der Kurzfassung kann man sagen, in Get Out geht es um Rassismus in einer post-rassistischen Gesellschaft. Offener Rassismus ist heute allgemein verpönt, weswegen er im Alltag heimliche versteckte Formen annehmen „muss“.

Nach dem Oscar-Gewinn am vergangenen Sonntag merkten viele Filmfans, zum Beispiel auf Twitter, kritisch an, dass der Preis für Get Out keine verdiente, sondern eine politische Entscheidung war.

Waren die anderen Filme besser?

Laut der Kritiker hinkte Get Out gerade im Vergleich zu Three Billboards Outside Ebbing, Missouri in Sachen handwerkliche Umsetzung hinterher. Sie bemängeln, dass die Handlung und der Twist zu vorhersehbar sind und die Figuren zu stark an Stereotypen orientiert wären. Die anderen Anwärter hätten die objektiven Kriterien Tiefe, Figurenentwicklung und Nuancierung besser umgesetzt.

Fans von Get Out und Jordan Peele sehen das natürlich ganz anders. Sie loben an dem Regiedebüt, wie das Drehbuch ein gekonnter Genremix aus klassischen Horrorfilm-Elementen, schwarzem Humor, feinen Anspielungen und Gesellschaftskritik ohne Fingerzeig ist.

Von Beginn an spürst du als Zuschauer, dass etwas nicht stimmt, du kannst aber nicht exakt benennen, was es ist. Jordan Peele bediente sich damit des klassischens Stilmittels, das Publikum im Unklaren zu lassen, ob der Protagonist in Gefahr ist oder nur paranoid.

Diese Paranoia ist symbolisch für Situationen im echten Leben, wie Peele im Interview verriet:

Der Film handelt davon, wie wir mit dem Thema Hautfarbe umgehen. Als schwarzer Mann fällt es mir manchmal schwer zu sagen, ob jemand gerade verkappte, rassistische Kommentare macht, wir eine ganz normale Unterhaltung führen oder, ob ich einfach nur paranoid werde. Diese Dynamik an sich sorgt schon für eine innere Unruhe.

Bei seinem Besuch bei Late Night Host Stephen Colbert beschrieb Regisseur Jordan Peele, wie der Film für weiße und schwarze Zuschauer auf sehr unterschiedliche Weise erschreckend ist.

Ist der Oscar denn jetzt verdient?

Ja, der Oscar ist verdient. Denn alle Filme bewegen sich qualitativ in einem ähnlichen Rahmen. Und der Rest ist Geschmackssache. Am Ende des Tages ist der Oscar kein objektiver Preis, sondern die zusammengefasste Wahl der 6.687 subjektiven Stimmen der Academy-Mitglieder.

Es ist jedoch sehr gut möglich, dass viele Mitglieder der Academy bei ihrer Wahl im Kopf hatten, dass Jordan Peele der erste schwarze Gewinner in dieser Kategorie wäre, und dass sein Sieg damit ein auch historischer und symbolischer Gewinn wäre.

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Laura Krimmer
Autor(in): Laura Krimmer
Ich arbeite als Journalistin Bereich Film und Musik. Popkultur ist meine Leidenschaft, seit ich ein kleines Kind bin. Besonders spannend finde ich die Verknüpfungen von Musik, Film, Politik und Medien mit unserem Alltag.

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