© The Walt Disney Company Germany GmbH
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Kino

Fortsetzungswahn: Gehen Pixar die Ideen aus?

Mit Die Unglaublichen 2 startet am 27. September der neueste Streich der Animationsschmiede Pixar in den deutschen Kinos. Wieder einmal ist es die Fortsetzung eines frühen Kassenerfolgs des Studios. Ist die Tochter des Disney-Konzerns nun endgültig dem Sequel-Wahn in Hollywood verfallen? Wir erklären es euch in unserem Animations-Themen-Special!

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Der Erfolg gibt Pixar zunächst recht. Die Unglaublichen 2 ist schon jetzt mit Abstand der erfolgreichste Film in der Geschichte des Studios – und das, obwohl der vermutlich ertragreiche Kinostart in Deutschland noch bevorsteht. Doch selbst die weltweit über 1 Milliarde eingespielten US-Dollar an den Kassen können nicht kaschieren, was sich nun schon seit knapp 8 Jahren abzeichnet: Pixar produziert mittlerweile mehr Fortsetzungen als Originale. Das Image der kreativen Ideenfabrik gerät zunehmend ins Wanken.

Die Unglaublichen 2, der eine wahrhaft unglaubliche Hintergrundgeschichte besitzt, ist bereits das sechste Sequel unter den letzten zehn Filmen Pixars. Zum Vergleich: Die meisten der ersten zehn Filme des Studios zählen lediglich eine einzige Fortsetzung. Ein unverkennbarer Trend, der die Frage aufwirft, wieso Pixar immer weniger neue Ideen auf die Leinwand bringt.

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Die komplette Toy Story-Trilogie ist bei Maxdome und Sky verfügbar (Links zu Anzeigen).

Pixar und der Verlust der Unschuld

Dass das kalifornische Unternehmen dennoch weiterhin Qualität abliefert und zu den bedeutendsten Eckpfeilern in der Geschichte des Animationsfilms gehört, ist unbestritten. Auch Die Unglaublichen 2 zeugt von perfektioniertem Handwerk und übertrifft seinen Vorgänger Die Unglaublichen – The Incredibles in puncto Witz, Optik und Story um Längen. Wirklich verlernt hat Pixar also offensichtlich nichts. Immerhin präsentierten sich die Verantwortlichen ebenso mit dem kunterbunten und lebensbejahenden Coco im letzten Jahr erneut als sichere Bank, was emotionales Unterhaltungskino betrifft.

Originale wie Coco sind jedoch zu einer Seltenheit in der jüngeren pixar’schen Filmografie geworden. Der Pioniergeist der Anfangsjahre hat sich längst zum Schreckgespenst des Kapitalismus gewandelt, das in ganz Hollywood schon seit Jahrzehnten seine Kreise zieht. In der profitorientierten Filmlandschaft hagelt es eine Fortsetzung nach der anderen, da diese natürlich das finanzielle Risiko minimieren. Eine innovative Bereicherung sind sie allerdings selten. Auch Pixar-Sequels wie Cars 2 & 3, Die Monster Uni oder Findet Dorie stellen da keine Ausnahme dar.

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Coco wurde 2018 mit 2 Oscars ausgezeichnet | © Walt Disney Studios Home Entertainment

Dabei hielt das Animationsstudio dem verführerischen Lockruf der Gewinnmaximierung lange Zeit stand. Als Pixar noch in den Kinderschuhen steckte, formulierte Mitbegründer und Ex-Chef John Lasseter das Credo der Firma nämlich wie folgt:

Wir wollen keine sicheren Filme machen. Wir wollen Barrieren im Bereich Story und Animation aufbrechen. Es gibt Ideen für unglaubliche, originelle Geschichten, was wirklich selten ist. Das ist es, was wir tun können. Es ist das, was wir tun müssen.

Es kann durchaus als sinnbildlich betrachtet werden, dass der aufgrund von Vorwürfen der sexuellen Belästigung entmachtete Lasseter bald ebenso Geschichte ist wie die Glaubwürdigkeit dieses Mantras. Pixar hat nicht nur seinen Sonderstatus, sondern vor allem auch seine Unschuld endgültig verloren.

Cars ist in der Unitymedia Videothek sowie bei Maxdome und Sky verfügbar. Cars 2 gibt es bei Maxdome zu sehen. Cars 3 und Coco sind bei Maxdome und Sky verfügbar (Links zu Anzeigen).

Pixar und Disney: Eine komplizierte Beziehung

Selbstverständlich behielten die Animationsspezialisten schon früher den finanziellen Aspekt ihrer Filme im Auge. Ein anfänglicher Kassenflop hätte vermutlich das vorzeitige Aus des damaligen Newcomers bedeutet. Doch der Mut, sich auf die eigenen Stärken zu verlassen, zahlte sich aus. Ähnlich wie die japanische Anime-Produktionsstätte Ghibli, stand Pixar für neues, erfrischendes und revolutionäres Kino. Von Toy Story 2 abgesehen, brachte das Studio in den ersten 14 Jahren nur Originale heraus und fuhr damit bestens – wirtschaftlich wie kreativ.

Warum einige vielversprechende Animationsfilme wie z. B. Warners Der Polarexpress an den Kinokassen scheitern, erfährst du übrigens in unserem Animations-Special.

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Toy Story 2 war die erste Fortsetzung von Pixar | © Walt Disney Studios Home Entertainment

Ironischerweise war es die Unternehmensmutter Disney, die Pixar schließlich zu einem Kurswechsel nötigte. Der Micky Maus-Konzern pochte auf Fortsetzungen von Toy Story 2, Findet Nemo und Die Monster AG, womit Pixar und Miteigentümer Steve Jobs alles andere als einverstanden waren. Doch Disney ließ nicht locker und gründete sogar eine eigene Animationsabteilung namens Circle 7, um auf eigene Faust die gewünschten Sequels zu produzieren. Die glorreiche Partnerschaft der beiden Firmen schien beendet.

Letztendlich kam es zu einem Kompromiss: Pixar drehte nun doch die geforderten Filme, behielt so aber weiterhin die volle kreative Kontrolle über seine Figuren. Wie sehr die Disney-Tochter damals um ihr Gesamtwerk fürchtete, machten die drastischen Worte John Lasseters ziemlich deutlich:

Ich machte mir Sorgen darüber […], was sie mit den Figuren anstellen würden, die wir erschaffen hatten. Es war wie ein Dolch in meinem Herzen. Als ob du deine geliebten Kinder von verurteilten Kinderschändern adoptieren lassen musst.

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Findet Dorie ist der dritterfolgreichste Film in der Geschichte Pixars | © Walt Disney Studios Home Entertainment

Die Monster AG ist bei Maxdome verfügbar. Die Monster Uni ist bei Maxdome und Netflix verfügbar. Findet Nemo gibt es bei Maxdome und Sky zu sehen. Findet Dorie ist bei Maxdome, Netflix und Sky verfügbar (Links zu Anzeigen).

Pixar 3.0: Neubeginn aus alten Wurzeln?

Es handelte sich also nicht bloß um einen plötzlichen Sinneswandel, sondern um eine pragmatische Geschäftsentscheidung Pixars, ihr von verrückten Theorien gespicktes Universum um gleich mehrere Fortsetzungen zu erweitern. Mittlerweile scheinen die Macher jedoch Gefallen an den finanziellen Vorteilen dieser Konzeptänderung gefunden zu haben. Kein Wunder, denn ihre drei erfolgreichsten Filme (Die Unglaublichen 2, Toy Story 3, Findet Dorie) – allesamt Sequels – spielten weltweit jeweils über 1 Milliarde US-Dollar ein.

Bei aller Lukrativität sollte Pixar dennoch gewarnt sein. Filmreihen wie Shrek oder Ice Age bewiesen bereits, wie man ein populäres Franchise kreativ zu Grunde richten kann. Eine Entwicklung, die das Studio sicher vermeiden will.

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Beispiel für eine unnötige Fortsetzung: Shrek der Dritte | © Paramount Home Entertainment

Bisher sieht es immerhin danach aus, dass Pixar bald eine weitere neue Ära einleiten wird. Nach Die Unglaublichen 2 und dem für 2019 geplanten Toy Story 4, Nachfolger der meisterhaften Toy Story-Trilogiestehen zunächst keine weiteren Fortsetzungen auf der Agenda. Es besteht demnach Grund zur Hoffnung, dass das oft unterschätzte Animationsfilmgenre sich künftig wieder auf seinen stärksten Vertreter verlassen kann.

Die komplette Ice Age-Reihe sowie Shrek 1-3 sind in der Unitymedia Videothek verfügbar.

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Sebastian Daniels
Sebastian Daniels lebt als Online-Redakteur in Berlin, weil das gut klingt und man mit Selbstgesprächen kein Geld verdient. Er liebt Filme. Er liebt das Schreiben. Also schreibt er über Filme.

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