eSports

Das ultimative esports-FAQ: Alles was du wissen musst

Der esports Summer 2018 auf QUADRATAUGE liefert dir alle Hintergründe und Insiderinfos rund ums professionelle Gaming. Aber was ist esports nun genau? Und wie funktioniert dieser neuartige Sport überhaupt? Wir geben dir Nachhilfe in Sachen esports.

1. Was ist esports?   

Der Begriff esports steht für electronic sports, also elektronischer Sport. Es werden noch weitere Schreibweisen benutzt wie eSports im englischsprachigen Raum oder auch E-Sports.

Dahinter verbirgt sich der sportliche Wettbewerb zwischen mindestens zwei Gamern in einem Computerspiel. Die Wettkämpfe werden im Mehrspielermodus ausgetragen, in den meisten Fällen per Internet- oder LAN-Verbindung (Computer zu Computer).

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Die Spielregeln werden durch die Programmierung des Games, aber auch durch externe Bestimmungen festgelegt. Das Duell wird entweder auf dem PC oder der Spielekonsole ausgetragen. Die Disziplinen sind abhängig von den jeweiligen Games, wobei es innerhalb dieser noch weitere Sonderbedingungen geben kann.

Je nach Disziplin werden die Wettkämpfe Eins-gegen-Eins oder Team-gegen-Team ausgetragen.

Auch wenn die Bezeichnung “esports” erstmals in den 90er Jahren auftrat, existierte wettbewerbsbezogenes Gaming schon lange vorher. 1972 wurde erstmals auf dem Campus der Stanford University eine Meisterschaft in Pong ausgetragen.  

© Atari
Mit Pong aus dem Jahr 1972 fing alles an | © Atari

Esports wird in der Kategorie des Denksports verortet. In vielen Ländern Asiens oder auch in Brasilien ist esports von der Regierung offiziell als Sportart anerkannt worden und wird stellenweise sogar staatlich gefördert. So war Bulgarien das erste Land Europas, das Pro-Gaming diesen Status zusprach.

In Deutschland hingegen wird esports bisher weder vom Deutschen Olympischen Sportbund noch vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft als Sportart anerkannt. Bemühungen dies zu ändern wurden 2018 im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und der SPD vereinbart.  

Esports ist mit der Zeit zu einer großen Industrie angewachsen. Im letzten Jahr konnten sämtliche Events auf der Welt insgesamt einen Gewinn von 655 Millionen Dollar verbuchen. Bis zum Jahr 2020 rechnen Experten sogar mit Einnahmen von bis zu 1,5 Milliarden Dollar

2. Welche Spiele sind besonders populär?           

Über die Jahre spezialisierte sich die esports-Szene auf bestimmte Gaming-Genres, die besonders für den Wettbewerb geeignet sind. Dabei handelt es sich um Fighting Games, Ego-Shooter, Echtzeit-Strategiespiele, Sportspiele und MOBAs (Multiplayer Online Battle Arena).

Jedes Genre hat seine populärsten Vertreter, in denen die meisten und wichtigsten Turniere ausgetragen werden.

2. 1. Fighting Games

Bei den Fighting Games bilden die Street Fighter-Spiele die populärste Reihe, die seit 1987 auf diversen Konsolen veröffentlicht wird. Als absolute Königsdisziplin gelten aber die Tekken-Spiele, die sich besonders in Asien großer Beliebtheit erfreuen. Mit dem “The King of Iron Fist Tournement” wurde sogar ein eigenes esports-Turnier für Tekken ins Leben gerufen.

Weitere beliebte Fighting Games im esports sind Marvel Vs Capcom und Super Smash Bros.

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Schon seit den 80ern eine beliebte esports-Disziplin, die Street Fighter-Reihe (Street Fighter V) | © Capcom

2. 2. Ego-Shooter

Wenn es um Ego-Shooter geht, ist Counter-Strike immer noch der Branchenprimus. Das wegen seiner realistischen Gewaltdarstellung kontrovers diskutierte Spiel, ist vor allem in Europa und den USA sehr beliebt und wird in vielen Turnieren gezockt.

Dicht dahinter folgt das Call of Duty-Franchise, das in den USA, Frankreich und Großbritannien sogar zu den meistgeschauten esports-Disziplinen gehört.

Die Klassiker Doom und Quake dürfen auch nicht unerwähnt bleiben sowie der Newcomer Overwatch, der allein in der ersten Woche seiner Pro-Liga 10 Millionen Zuschauer hatte.

© Blizzard Entertainment
Erst 2016 veröffentlicht und schon ein Fan-Liebling, Overwatch | © Blizzard Entertainment

2. 3. Echtzeit-Strategiespiele

Im Genre der Echtzeit-Strategiespiele gehört der StarCraft-Reihe der Thron. Das 1998 veröffentlichte StarCraft: Brood War war sogar maßgeblich daran beteiligt, dass sich der esports etablieren konnte. Erst mit der Veröffentlichung von StarCraft II im Jahr 2010 wurde der Vorgänger Brood War nach und nach als hauptsächliche Disziplin der Strategiespiele abgelöst.

© Blizzard Entertainment
Ebnete den Weg für den esports: StarCraft: Brood War | © Blizzard Entertainment

2. 4. Sportspiele      

König Fußball hat auch bei den Sportspielen die Nase vorn. Die bereits seit 25 Jahren laufende FIFA-Reihe von EA Sports wird weltweit gespielt und zum Finale der FIFA Global Series 2018 meldeten sich über 20 Millionen Teilnehmer an. Dennoch hat Deutschland weiterhin die größte Spieler- und Fangemeinde auf der ganzen Welt. Andere Sportspiele wie Madden NFL oder NBA 2K sind hauptsächlich Disziplinen in der US-amerikanischen esports-Szene.

© EA Sports
FIFA 18 ist vor allem in Deutschland beliebt | © EA Sports

2. 5. MOBAs

Multiplayer Online Battle Arena-Spiele, kurz MOBA, sind im Grunde artverwandt mit den Echtzeit-Strategiespielen, wobei der Fokus stärker auf teambasierte Kämpfe liegt. Diese PC-Spiele wurden in den letzten Jahren im esports immer beliebter.

© Valve
Dota 2, das zweitbeliebteste MOBA der Welt | © Valve

Das beliebteste MOBA ist zweifelsohne League of Legends, auch LoL genannt. Das 2009 erschienene Spiel gehört zu den meistgeschauten esports-Disziplinen und hatte allein im letzten Jahr weltweit 157 Millionen Zuschauer. Auf Platz 2, aber weit abgeschlagen, ist Dota 2 (Defenders of the Ancient). Das von Gamern selbst programmierte Spiel liegt mit insgesamt 65 Millionen Zuschauern auf Platz vier der beliebtesten esports-Games.

3. Welche Turniere sind besonders wichtig?

Da es noch keinen Dachverband für esports gibt, werden Turniere von unterschiedlichen Veranstaltern organisiert. Aus diesem Grund kann es zu Überschneidungen von mehreren Turnieren kommen.

Zumeist richten die Spiele-Publisher selbst Turniere aus. Eines der bekanntesten ist wohl der FIFA eWorld Cup, der jedes Jahr in anderen Städten von EA Sports veranstaltet wird. Dieses Jahr findet das “Grand Finale” in London statt.

Zu den größten unabhängigen Turnieren der Welt gehören unter anderem die World Cyber Games, die nach fünf Jahren Pause in diesem Jahr wieder stattfinden. Weitere wichtige Events sind die US-amerikanische Major League Gaming, der französische Electronic Sports World Cup (kurz ESWC) sowie die World e-Sports Games in China. Die wichtigsten Turniere in Deutschland werden vom größten esports-Verband des Landes organisiert und finden in Köln und Frankfurt statt.

4. Welche Teams gibt es? Wie groß sind sie?

Esports-Teams sind mittlerweile zu äußerst komplexen Organisationen herangewachsen, wie wir in unserem Team-Special beleuchtet haben. Früher wurden Teams auch “Clans” genannt. Aber mit der voranschreitenden Professionalisierung des esports entfernte man sich von diesem Begriff. Teams kommen aus fast allen Ländern der Welt und ihre Mitglieder sind ebenfalls international gemischt.

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Auch Frauen-Teams mischen mittlerweile die esports-Szene auf | © ESWC

Teams im esports spezialisieren sich auf ein oder mehrere Game, in dem sie antreten möchten. Aus diesem Grund werden Vereine innerhalb der verschiedenen Disziplinen bewertet.

Im Spiel Counter-Strike: Global Offense rangieren aktuell die Dänen von Astralis auf Platz eins. In LoL darf sich aktuell Royal Never Give Up aus China als das beste Team bezeichnen.

Das erfolgreichste esport-Team stellen momentan die Niederländer mit Team Liquid. In 1265 Turnieren konnten sie mehr als 20 Millionen Dollar gewinnen.

Die Anzahl der Spieler eines Teams variiert je nach Spiel, in dem es antritt. Jedoch ist ein esports-Verein noch weitaus mehr als nur die Spieler. Jedes Team verfügt mittlerweile über ein Management, eine Organisation für operative Aufgaben und einen Teammanager, bzw. Teamleiter. Darüber hinaus beschäftigen esports-Mannschaften Grafikdesigner, Buchhalter, Fitnesstrainer oder Ernährungsberater. Die Größe eines Teams, samt Organisation, kommt fast einem Unternehmen gleich.

5. Sponsoren, Verbände, Organisationen      

Professionelle esports-Spieler und Teams finanzieren sich hauptsächlich mit Sponsorengeldern. Fast 95% des Einkommens einer Mannschaft stammt von Investoren.

Ein Großteil der Sponsoren kommen aus der Wirtschaft. Viele Unternehmen aus der Computer- und Technologiebranche beteiligen sich an einem Team. Aber auch Erfrischungsgetränkehersteller und Autobauer unterstützen die Pro-Gamer. Ebenfalls investieren einige Prominente in esports-Mannschaften, wie zum Beispiel der ehemalige Basketball-Star Shaquille O’Neal oder der Schauspieler Ashton Kutcher.

Viele Sportvereine sind nun auch im esports angekommen:

Aus der Bundesliga sind Hertha BSC, Schalke 04, der 1. FC Nürnberg, RB Leipzig, der VfL Wolfsburg, der VfL Bochum, Bayern 04 Leverkusen, der VfB Stuttgart und der 1. FC Köln in der esports-Liga mit ihren eigenen Teams vertreten. Zu den größten internationalen Vertreter gehören Manchester City, Paris St. Germain oder auch Ajax Amsterdam.   

Zwar existiert kein übergeordneter Dachverband für esports, der Turniere und Veranstaltungen einheitlich organisiert. Allerdings gibt es Verbände und Organisationen, die sich für die Anerkennung des esports einsetzen. Auf internationaler Ebene wäre hier die International eSport Federation (kurz IeSF) zu nennen, die sich 2008 in Seoul, Südkorea gründete. Die IeSF ist ein Zusammenschluss verschiedener nationaler Verbände und gehört seit 2013 sogar der Welt Antidoping Agentur an. In Deutschland werden die Interessen der eSportler und Mannschaften vom eSport-Bund Deutschland (ESBD) vertreten. Dem ESBD gehören 26 Organisationen aus dem deutschen esports an.

6. Training und Equipment  

Wie andere Athleten müssen auch esports-Profis täglich trainieren. Dabei richtet sich das Training nach dem ausgewählten Game. Im Training werden hauptsächlich Taktiken und Strategien entwickelt, die im nächsten Wettkampf zum Einsatz kommen. Das Training kann sowohl online gegen “echte” Gegner als auch offline gegen den Computer durchgeführt werden.

Die Rolle des Trainers übernimmt in einem Team zumeist der Mannschaftskapitän. Nur vereinzelt stellen professionelle esports-Teams einen Coach ein, der die Mannschaft trainiert. Für Eins-gegen-Eins-Duelle suchen sich eAthleten einen festen Sparringspartner. Pro-Gamer trainieren regelmäßig zwischen acht bis zu 12 Stunden pro Tag.

Obwohl anfangs noch esports-Pro für ihre nicht ausreichende Athletik kritisiert wurden, hat sich mit der Zeit ein Wandel vollzogen. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und vor allem das Treiben eines Ausgleichssports gehören jetzt zur Lebensweise der Profi-Gamer. Die ist auch nötig, da eSportler psychisch und physisch Fit sein müssen. Ständige Wiederholungen schneller kurzer Bewegungen können auf Dauer zu ernsten Verletzungen an den Sehnen führen. Konzentrationsschwächen können in esports-Matches den Sieg kosten. 

Zum Equipment im esports gehören, je nach den Disziplinen, Spielekonsolen wie Playstation, Xbox und Nintendo, oder ein leistungsstarker Computer. Wichtig ist, dass jedes Gerät internetfähig ist und über eine schnelle Datenübertragungsrate, bzw. Paketumlaufzeit verfügt.

Damit ein Pro-Gamer optimal an seinem PC spielen kann, werden die Maschinen häufig aufgemotzt. Neben einem schnellen Prozessor und einer hochwertigen Grafikkarte, gehören auch hochqualitative Zusatzgeräte zur esports-Ausrüstung. Controller, Tastatur, Maus und Headset müssen einer langen Beanspruchung standhalten.

Zusätzlich werden Hilfsmittel benutzt, wie spezielle Mousepads, um schnellere Bewegungen auszuführen. Einige Hersteller von PC-Zubehör haben sich deswegen extra auf esports-Equipment spezialisiert.      

7. Community und Fan-Szene

Obwohl esports im Gegensatz zu anderen Sportarten noch äußerst jung ist, erfreut er sich großer Popularität. Alleine im letzten Jahr verfolgten circa 143 Millionen Zuschauer esports-Events live oder per Stream. Bis zum Jahr 2021 wird mit einem Zuwachs von bis zu 100 Millionen weiteren Fans gerechnet.

Noch mehr über die esports-Fanszene erfährst du in unserem Fan-Special.

Alle rund um den esports Summer 2018 erfährst du hier:

 

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Manuel Schellhardt
Junior Online Marketing Manager – Festangestellt bei der Webedia-Group, zu der auch moviepilot.de und filmstarts.de gehören. | Berufserfahrung: Schrieb vor QUADRATAUGE bereits für moviepilot über Filme und Serien. | Ausbildung: Kulturgeschichte - Friedrich Schiller Universität Jena, Technische Universität Berlin | Spezialgebiete: Horror, Sci-Fi & Art-House | Lieblingsfilme und -serien: Children of Men, 2001: Odyssee im Weltraum, Goodfellas, Breaking Bad, The Americans, Malcolm mittendrin | Wie wir ihn sehen: Würde gerne selber Sci-Fi- und Horrorfilme drehen. Da ihm aber noch das Geld und know-how fehlen, macht er erstmal Marketing für Filme und Serien.