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Kino

Diese Nazi-Zombies schrubben mit Sharknado den Boden

Der Zweite Weltkrieg, Nazi-Experimente und 1000-jährige Soldaten: Mit dem Horror-Actioner Operation: Overlord liefert Regisseur Julius Avery feinsten Nazi-Zombie-Trash – und dabei tatsächlich auch noch einen guten Film. Insbesondere eine Entscheidung der Macher hebt den Streifen von bewusst grottigen Klamaukproduktionen wie Sharknado ab. Erfahrt hier, was Operation: Overlord zum überlegenen Trashfilm macht.

Streng genommen erfüllt Operation Overlord nicht alle Merkmale eines Trashfilms. Ein Millionenbudget und Star Wars 7-Regisseur J.J. Abrams als Produzent lassen sich nicht ganz mit dem Low-Budget-Nischenruf des Trashsektors verbinden. Doch hinter dem markigen Titel verbirgt sich nicht nur die legendäre Luftlandeoperation der alliierten Truppen während des Zweiten Weltkriegs, sondern eben auch garstige Nazi-Zombies. Trashiger geht es kaum.

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Die Soldaten in Operation: Overlord müssen sich mit Nazi-Zombies rumschlagen | © Paramount

Markige Kerle, groteske Nazi-Experimente, überzeichnet-eindimensionale Finsterlinge und massig Gewalt: Die übrigen Zutaten für Operation: Overlord klingen dann schon deutlicher nach dem üblichen Trash-ABC. Doch im Gegensatz zu kalkuliert schlechten Filmformaten wie der Sharknado-Reihe, die derzeit das Bild des Trashfilms im Mainstream repräsentieren, hält Julius Averys Zombie-Reißer an den wahren Wurzeln des Genres fest: Dem Willen, jeder absurden Prämisse zum Trotz, einen guten Film zu machen!

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Bombastischer Kriegsfilm – mit Nazi-Zombies

Eine amerikanische Fallschirmjägertruppe um den frisch eingezogenen Private Boyce (Jovan Adepo) und den beinharten Sprengstoffexperten Ford (Wyatt Russell) landet nach dem Abschuss ihres Flugzeugs mitten im besetzten Frankreich. In einem kleinen Dorf erwarten sie aber nicht nur jede Menge Soldaten der Wehrmacht. Unter der örtlichen Kirche führen die Nazis nämlich schreckliche Experimente an den Dorfbewohnern durch…

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Der Horror-Reißer beginnt als atmosphärischer Kriegsfilm | © Paramount

In der ersten halben Stunde des Films offenbart sich Operation: Overlord als brutal effektiver Kriegsfilm. Gerade die Anfangsszenen im unter Beschuss stehenden Flugzeug gehören zum Beeindruckendsten, was man in diesem Bereich seit Jahren gesehen hat. Der Wechsel kommt dann schleichend. Eine stöhnende Tante, ein nächtlicher Erkundungsgang und plötzlich befindet man sich mittendrin im nackten Nazi-Zombie-Wahnsinn.

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Zombies grillen mit Flammenwerfer | © Paramount

Schön erfrischend ist dabei die Tatsache, dass sich Operation: Overlord selbst in seinen exzessivsten Momenten komplett ernst nimmt. Kein billiger Meta-Humor, kein Augenzwinkern. Der Film nimmt seine überdrehte Prämisse und zieht diese knallhart durch. Obwohl der Zombie-Horror durch sein hohes Budget und seine erstklassigen Produktionswerte nicht wirklich als echter Trashfilm bezeichnet werden kann, hat er dadurch mehr mit diesen gemein, als lieblose Zuschauerfänger wie Sharknado.

Echter Trash vs. Mainstream-Meta-Humor

Viele legendär-chaotische Trashklassiker wie Troll 2 oder Tommy Wiseaus katastrophales Meisterwerk The Room werden nicht von Anfang an als schlechter Film geplant. Die Grundintention ist es, einen guten Film zu drehen – nur, dass das eben gründlich misslingt. Genau das ist es ja, was uns an Trashfilmen so sehr fasziniert. Wir fragen uns: Was haben sie sich dabei gedacht? Wie konnte das passieren? Und wir erfreuen uns an dem absurden, unbeabsichtigt komischen Treiben.

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Schön bescheuert, aber ernst gemeint: Troll 2 | © Koch Media GmbH

Andere Genrevertreter wie Tanz der Teufel 2 und dessen Nachfolger Armee der Finsternis sind wiederum bewusst aberwitzig und überzogen. So kann dann sogar trotz mieser Effekte und Overacting ein guter Film herauskommen. Was man im Fall von Filmreihen wie Sharknado jedoch nicht sagen kann.

Im Gegensatz zu echten Trashfilmen scheitern Sharknado und Co. weder an zu wenig Geld oder fehlendem Können, noch versuchen sie aus ihren obskuren Zutaten einen guten Film zu köcheln. Sie sind schlicht absichtlich miserabel – und das merkt man ihnen an.

Bewusst produzierter Schund ist kein Trash: Sharknado | © Koch Media GmbH

Das mag grundsätzlich gar nicht schlimm und durchaus unterhaltsam sein, Trashfilme sind sie dadurch aber nicht. Dazu fehlt ihnen das Bemühen um Qualität und Herz. Dank ihrem Meta-Humor und ihren Anleihen an das Genre lassen sie sich am ehesten noch als simple Trashfilm-Parodien bezeichnen. Was wiederum auf Operation: Overlord überhaupt nicht zutrifft…

Tanz der Teufel 2 ist bei Sky verfügbar (Link zur Anzeige). Sharknado 1-5 sind bei Netflix und Maxdome verfügbar (Links zu Anzeigen).

Die Chancen von „seriösem“ Trash mit Budget

Dank guter Schauspieler, einem talentierten Regisseur und wahnsinnig stark in Szene gesetzter Bilder ist Operation: Overlord das vielleicht beste Beispiel dafür, was passiert, wenn man in die Grundidee eines Trashfilms viel Geld steckt. Grundsätzlich liefert der Zombie-Horror nämlich genau das, was viele Trashregisseure mit geringeren Mitteln schaffen wollen: Eine ungewöhnliche, nicht immer massentaugliche Geschichte erzählen und dabei zu unterhalten.

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Gute Schauspieler verleihen dem Trashszenario Glaubwürdigkeit | © Paramount

Das gelingt in Operation: Overlord nicht nur, sondern gibt sogar die Möglichkeit für interessante Gedankenspiele: Wenn sogar mit Nazi-Zombies ein so ungewöhnlicher wie packender Horrorfilm gelingt, was könnte man dann mit ernsthaften Ambitionen aus Haifischen machen, die in einem Wirbelsturm herumfliegen?

Vielleicht ein paar spannende neue Kandidaten für die Liste der besten Horror-Schocker der nächsten Jahre…

FSK-Einstufung: Ab welchem Alter kann ich Operation: Overlord sehen?

Operation: Overlord hat eine überraschend milde Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten.

 

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Tim Seiffert
Autor(in): Tim Seiffert
Redakteur bei QUADRATAUGE – Festangestellt bei der Webedia-Group, zu der auch weitere Filmexperten wie moviepilot.de und filmstarts.de gehören. | Berufserfahrung: Vor QUADRATAUGE absolvierte Tim ein Volontariat bei den Filmportalen moviepilot und filmstarts. | Ausbildung: Er studierte Germanistik und Politikwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. | Spezialgebiete: Ist unser Spezialist für Netflix-Serien aller Genre. Experte für Fantasy, Comics, Marvel- und DC-Filme. Kennt sich bestens mit Actionfilmen, Thrillern und jeglichen Formen von Sci-Fi und Dystopien aus. Musikwurzeln in der Punk-, Hardcore- und Metal-Schiene. | Lieblingsfilme und –serien: Oldboy, Lady Snowblood, Reservoir Dogs, Peaky Blinders, Game of Thrones, Daredevil | Wie das Team ihn sieht: Schreiberling mit Faible für Düster- oder Abgedrehtes, Comics und das südkoreanische Kino. Hat für die meisten französischen Komödien nicht viel übrig und ist weiterhin zutiefst verunsichert, ob Dwayne Johnson bald in jedem Franchise mitspielt.

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