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Die Zukunft des esports: Von VR bis Olympia

Die Zukunft des esports sieht vielversprechend aus: Der Markt wächst und wächst, die Preisgelder und das Prestige steigen. Wie wird diese Entwicklung weitergehen?

Kaum zu glauben, aber wir sind am Ende des QUADRATAUGE esports Summer 2018 angelangt. Nach der langen Reise haben wir einige Erkenntnisse sammeln können, die dich hoffentlich zum esports-Experten gemacht haben.

Mit Evil Jared fanden wir heraus, wie sich Rocket League im Real Life spielt. Der Pro-Gamer CRoneX33 verriet uns, welche Games bald zum Vollzeitjob werden könnten. Und wie komplex ein esports-Team hinter den Kulissen aufgebaut ist, haben wir ebenfalls erfahren.

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Wir waren für dich auf der Gamescom 2018 unterwegs | © Webedia

So sieht also der esports 2018 aus. Aber was wird uns in Zukunft erwarten? Wie geht die rasante Erfolgsgeschichte des esports weiter? Werden Mobile-Games bald zum esports gehören? Welche sind die esports-Spiele von morgen?

QUADRATAUGE geht mit unserer Moderatorin Stefanie Langer der Sache auf den Grund. Auf der größten Gaming-Messe Europas, der Gamescom in Köln, befragt Steffi die Fans und Profis über die Zukunft des esports zu befragen.

Der esports von Morgen: Das kommt auf uns zu

Es ist schon eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die der esports in den letzten Jahren geschrieben hat. Ob es die faszinierenden Events waren, die tausende leidenschaftliche Fans anziehen, oder die immer professioneller werdenden Teams, eins machte der esports Summer 2018 deutlich: Professionelles Gaming ist längst kein Nischenphänomen mehr.

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Die nächste Generation der eSportler steht schon in den Startlöchern | © ESWC

Esports hat sich in der Gesellschaft etabliert, wie die ständig wachsenden Zahlen bei Umsätzen, Preisgeldern und Zuschauern beweisen. Der Triumphzug des esports scheint unaufhaltbar.

Wir werfen einen Blick in unsere Glaskugel und verraten dir, was die Experten von der Zukunft des esports erwarten.

Mobile esports Games

Anders als konventionelle Sportarten, bei denen technische Neuerungen für heftige Diskussionen sorgen, ist der esports gerade für Innovationen prädestiniert.

Jedes Jahr kommen neue Spiele heraus, die feste Disziplinen werden wollen und den esports dominieren. Natürlich muss sich das Gaming-Equipment entsprechend der technischen Anforderungen der Spiele anpassen.

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Mobile Gaming wird im esports immer beliebter | © ESWC

Dank der verbesserten Leistungsfähigkeit von Smartphones ist es inzwischen möglich, selbst komplexere Spiele auf mobilen Geräten zu zocken. Das Mobile Gaming erfreut sich deshalb auch im esports immer größerer Beliebtheit.           

Mittlerweile besitzen 81% der Deutschen ein Smartphone. Laut einer Umfrage der Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) gaben 85% der insgesamt 30 Millionen Zocker in Deutschland an, hauptsächlich auf ihrem Telefon zu spielen.  

Die einfache Bedienung der dennoch komplexen Mobile-Games eröffnet dem esports eine völlig neue Zielgruppe. So können auch Gelegenheits-Gamer von einer esports-Karriere träumen und vom Fan zum Profi werden. Zudem bricht die Mobilität des Minicomputers mit dem Stigmata des daheim im Dunklen sitzenden Gamers. Selbst der Datenverbrauch fällt dank der Verbesserung des mobilen Internets sehr gering aus.

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Beim Mobile Game Clash Royale kannst du mittlerweile auch abräumen | © ESWC

Schon seit 2015 werden esports-Turniere auf Smartphones ausgetragen. Allen voran die MOBAs Vainglory und Clash Royale haben sich hier zu den beliebtesten Disziplinen entwickelt. Der esports hat sich jetzt schon eine kleine Fanbasis im Mobile-Gaming aufgebaut, die ihn womöglich bald zum Massensport machen könnte.

Esports in Virtual Reality

Einen Paradigmenwechsel im esports könnten auch Virtual Reality und VR-Brillen herbeiführen. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, esports könne kein Sport sein, da er keine physische Betätigung beinhaltet. Durch VR könnte sich dies jedoch ändern.

Die Firma Oculus, die mit der Oculus Rift eine der marktführenden VR-Brillen herstellt, arbeitet daran, ihre Produkte für den esports zu optimieren. Ziel des Unternehmens ist es, die Bewegungssteuerung zu präzisieren sowie die visuelle Verzögerung zu verringern, um damit VR-Spiele Wettkampf geeigneter zu machen.     

Ist VR die Zukunft des esports? | © ESWC

Der esports will damit Controller bzw. Maus und Keyboard hinter sich lassen und den Sport zu einem körperlichen Wettstreit machen. Games wie Echo Arena und The Unspoken bringen die Profis bereits mächtig ins Schwitzen. Darüber hinaus gab es mit der VR Challenger League bei den Intel Extreme Masters 2017 in Katowice, Polen, die erste VR Liga im esports. Weitere Turniere in der virtuellen Realität folgten.    

Noch hat aber die Technik mit kleineren Kinderkrankheiten zu kämpfen. Wie bereits erwähnt, sind die Bewegungen noch nicht präzise genug, worunter die so wichtige Reaktionszeit leidet. Des Weiteren funktioniert die Live-Übertragung via Brille noch nicht optimal. Das Geschehen ist nur schwer für die Zuschauer nachzuvollziehen. Oculus will aber das Seherlebnis für das Publikum so immersiv wie möglich machen, damit die Fans mittendrin, statt nur dabei sind.

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Echo Arena, der VR-Hit im esports | © Oculus

Bevor jedoch virtuelle Wettkämpfe á la Ready Player One greifbar nah werden, muss sich noch einiges in der VR-Welt tun. Gute VR-Brillen befinden sich nachwievor in einer Preisspanne von 340 bis 750 Euro. Zudem fehlt es an exklusiven Spielen für die Geräte sowie große Sponsoren, die VR-Erlebnisse im esports vermarkten können.

Esports und die Spieleindustrie  

Verschiedene Faktoren werden bestimmen, wie es mit dem esports weitergehen wird. Der größte ist wohl hierbei die Spieleindustrie selbst.

Die kommenden Produkte der Entwickler und ihre Zugänglichkeit für ein weites Publikum werden darüber bestimmen, ob esports sich im Mainstream halten wird. Wie es unsere Gaming-Experten und Interviewgäste von PietSmiet sagten “muss man die Spiele kennen”, um den Sport zu verstehen. Games mit komplexen Regeln und Taktiken, wie die äußerst beliebte MOBAs sind für den Laien kaum nachzuvollziehen.

Entwickler sollten sich daher darauf konzentrieren, den Spielern sowie dem Publikum eine hohe Anzahl unterschiedlicher Spiele-Genres anzubieten. Neben den strategisch anspruchsvollen Spielen müssen die Disziplinen für “Noobs”, die Neulinge im Gaming, verständlich sein.

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Die Spiele werden entscheiden, wie es mit esports weiter geht | © ESWC

Ebenso gilt es für die Publisher gemeinsam mit den Veranstaltern zu klären, wem die Übertragungsrechte gehören. Die Rechte an den ausgespielten Disziplinen liegen entweder bei den Publishern der Spiele oder den Eventausrichtern. Die internationalen Übertragungsrechte sind bisher jedoch nicht geklärt. Somit bleibt es schwer für den esports, sich in den traditionellen Medien zu etablieren.  

In der Verbindung von esports und der Übertragung in den traditionellen Medien liegt gleichzeitig eine spannende Möglichkeit für die Entwickler, die Zukunft des Medienkonsums zu verändern. Der digitale Sport, der seine Wurzeln im Internet hat und dort hauptsächlich gezeigt wird, könnte die Brücke vom Internet zum Fernsehen schlagen. Eine Verbindung beider Medien würde in Anbetracht der esports-Übertragungen durchaus Sinn ergeben.

Esports als olympische Disziplin?

Auf technischer Seite steht außer Frage, dass dem esports eine große Zukunft bevorsteht. Wie verhält sich dies aber mit der Popularität des Sports? Wird er je so anerkannt werden wie Fußball, Formel 1 oder Denksportarten wie Schach?

Dass der esports dazu in der Lage ist Millionen Menschen zu begeistern zeigen die Zuschauerzahlen von Events, wie etwa dem FIFA eWorld Cup. Der gemeinschaftliche Aspekt des Gamings darf in dieser Hinsicht nicht unterschätzt werden.

Eine Umfrage der Entertainment Software Association ergab, dass 53% der befragten Zocker sich durchs Gaming ihren Freunden näher fühlen. 42% von ihnen sagten sogar, dass ihnen Videospiele dabei helfen, mehr Zeit mit Familienmitgliedern zu verbringen. Zudem geht Prof. Dr. Juho Hamari, Forscher für Gamifizierung an der Universität in Tampere, Finland davon aus, dass das gemeinsame Schauen von esports-Streams im Internet eine engere Verbindungen zwischen Zuschauern sowie zwischen Zuschauern und Spieler, bzw. Teams, fördert.

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Auch im esports herrscht ein fairer Sportsgeist | © ESWC

Dass esports eine olympische Disziplin werden könnte, erscheint gar nicht so unwahrscheinlich. Jedoch herrschen nach wie vor Zweifel darüber, ob dies je geschehen wird.

Dem esports fehlen nach wie vor klare Regularien. Die Spielregeln werden zwar durch die Games vorgegeben, aber es fehlen noch klare Bestimmungen, wie beispielsweise bei Dopingverstößen vorgegangen wird. Genau so verhält es sich im Umgang mit “Cheatern”, also Betrügern, die Fehler im Spiel ausnutzen, um sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen.

Nachdem die Rede davon war, esports in die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking und den Sommerspielen 2024 in Paris aufzunehmen, machen sich nun aber Zweifel im Olympischen Komitee breit. Der Präsident des internationalen Komitees, Thomas Bach, möchte Pro-Gaming nicht als olympische Disziplin anerkennen, da ihm die Spiele zu gewalttätig sind.  

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Der esports bringt wahrlich die Menschen zusammen | © ESWC

Bachs Sichtweise erscheint äußerst einseitig, da er eine Vielzahl gewaltfreier Games aus dem esports auslässt und den Sport auf die sogenannten “Killerspiele” reduziert. Gleichzeitig ignoriert Bach, wie stark der gemeinschaftsstiftende Charakter von esports sein kann.

Laut des Geschäftsführers von Team Revolution, Rezwan Mostofa, liegt genau dort das Potenzial des neuen Sports: “[…] der Fakt, dass wir einen Wettbewerb haben, der extrem beliebt unter jungen Leuten ist, die nicht mehr so stark am traditionellen Sport interessiert sind wie früher, zeigt, dass es richtig war, esports in die Olympischen Winterspiele aufzunehmen. Ob ein Sport physische Aktivität verlangt, ist dabei irrelevant. Was zählt ist, was es den Leuten und der Menschheit insgesamt geben kann.”

Ob elektronischer Sport olympisch wird oder nicht, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Zukunft des esports spannend bleibt.

Alles rund um den esports bekommst du hier:

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Manuel Schellhardt
Junior Online Marketing Manager – Festangestellt bei der Webedia-Group, zu der auch moviepilot.de und filmstarts.de gehören. | Berufserfahrung: Schrieb vor QUADRATAUGE bereits für moviepilot über Filme und Serien. | Ausbildung: Kulturgeschichte - Friedrich Schiller Universität Jena, Technische Universität Berlin | Spezialgebiete: Horror, Sci-Fi & Art-House | Lieblingsfilme und -serien: Children of Men, 2001: Odyssee im Weltraum, Goodfellas, Breaking Bad, The Americans, Malcolm mittendrin | Wie wir ihn sehen: Würde gerne selber Sci-Fi- und Horrorfilme drehen. Da ihm aber noch das Geld und know-how fehlen, macht er erstmal Marketing für Filme und Serien.