© ARTE/ ZDF/ Sammy Hart
Willkommen an der Frankfurter Börse! Eine Spielwiese für geldgierige Egomanen? © ARTE/ ZDF/ Sammy Hart
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Fernsehen

Bad Banks: Würdest du in der Frankfurter Börsenwelt überleben?

Die Börse ist ein Berufsfeld voll mit Egomanen, die über mögliche Profite komplett die Moral vergessen. Das ist zumindest das Image von Bankern. Die neue Serie Bad Banks von ZDF und ARTE entführt dich in das Haifischbecken am Main. Würdest du in diesem Umfeld länger als eine Woche bestehen?

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Spätestens seit der Finanzkrise 2008 sind Banker in der Gesellschaft verpönt. Als vor zehn Jahren die symbolische Geldblase aus Krediten und Spekulation platzte, verloren Millionen von Menschen aus der Mittelschicht ihre kompletten Ersparnisse. Familien standen plötzlich vor dem finanziellen Abgrund und das offenbar, weil die hoch bezahlten Frauen und vor allem Männer an den internationalen Börsen den Hals nicht voll bekommen konnten.

Die neue Serie Bad Banks wirft einen Blick auf die Börse in Frankfurt und Luxemburg. Die ZDF-Produktion zeichnet realistisch, wie Geld, Gier und Gruppendynamiken gebildete Menschen zu Egomanen verkommen lässt. In diesem Haifischbecken, in dem Milliarden von Dollars bewegt werden, steht sich jeder selbst am nächsten und muss ständig beweisen, dass er die unumstrittene, rücksichtslose Nummer 1 ist.

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Um was geht es in Bad Banks?

Die Miniserie dreht sich um acht bewegte Wochen im Leben der Hauptfigur Jana Liebkam. Die 25-Jährige arbeitet als Investmentbankerin bei einer Großbank in Luxemburg. Das klingt erst mal toll, aber hinter den Kulissen muss sie sich ständig erniedrigende Kommentare von ihrem direkten Vorgesetzten Luc Jacoby erdulden. Für ihn ist sie nur eine weitere „überbezahlte Assistentin, die ihm auf die Nerven geht“. Nachdem sie ihm bei einem Meeting die Show stiehlt, wird sie fristlos gekündigt.

Bevor sie jedoch des Hauses verwiesen werden kann, konfrontiert sie ihre übergeordnete Chefin Cristelle Leblanc. Die beiden Frauen schließen einen heimlichen Bund. Sie wollen sich künftig in dieser Männerwelt gegenseitig Vorteile zukommen lassen. Ab jetzt gilt für Jana: Du arbeitest nicht für deine Bank, du arbeitest nur für dich.

Jana bleibt nicht lange arbeitslos, sondern bekommt einen neuen Job bei der Bank Deutsche Global Investment in Frankfurt angeboten. Das ist der erste Gefallen ihrer Ex-Chefin. Unter der Leitung des charismatischen Teamleiters Gabriel Fenger soll sie ein Tool bauen, das sie ursprünglich für ihren alten Arbeitgeber entwickelt hat. Mit ihrem Insider-Wissen soll sie nun das gleiche Tool verbessert für die Deutsche Global bauen, um dem luxemburgischen Konkurrenten den Rang abzulaufen.

Ist dies Janas Chance, es ihrem alten Chef Jacoby heimzuzahlen?

Keine Moral in der Finanzwelt

Über den Verlauf von sechs Folgen entspinnen sich immer neue Intrigen. Jeder Banker im Raum versucht mit heimlichen Tricks einen noch höheren Gewinn für sich zu erwirtschaften. Getrieben von der Gier nach Geld und dem Willen zu Gewinnen bleibt die Moral auf der Strecke.

Diese Gruppendynamik wirkt sich auch auf das Privatleben der Akteure aus. Der Erfolgsdruck ist omnipräsent. Nicht nur im puncto Job, Dominanz und Geld. Auch in Sachen Sex, Drogen und Rücksichtslosigkeit steigern sie sich gegenseitig in die Höhen, die nicht gut für die Psyche und den Charakter sind.

Im Interview mit Vice antwortete der Ex-Investmentbanker und Autor Geraint Anderson auf die Frage, was diese Männer für Typen sein mit:

Hauptsächlich solche, die früher nie eine abbekommen haben. Und Machos. Es sind auf jeden Fall die wettbewerbsgeilsten Typen, die du jemals treffen wirst. Das Bonussystem verstärkt das noch. Wenn ich eine Millionen Euro bekomme und du zwei, dann bist du zweimal mehr Mann als ich. Das krasse Konkurrenzdenken wird durch die Unsicherheit der Leute verstärkt. Viele, die dort arbeiten, wollen eine Vorzeigeehefrau und ein dickes Auto, um in ihrem alten Viertel rumzufahren und zu zeigen, wie geil sie jetzt sind.

Realistische Darstellung der sexistischen Männerwelt?

Es ist leider ein unausgesprochenes Geheimnis, dass Prostituierte in Finanzkreisen schon beinahe zum guten Ton gehören. 2011 kam beispielsweise diese Geschichte aus den Kreisen der ERGO Versicherung ans Licht:

2007 spendierte das Unternehmen eine Sex-Party in Budapest für die besten 100 Vertreter des Tochterunternehmens Hamburg Mannheimer. Die Leiterin der Abteilung Media Relation der Ergo Versicherungsgruppe musste öffentlich bestätigen, dass „bei einer Abendveranstaltung im Rahmen dieser Reise ca. 20 Prostituierte anwesend waren.“

Unter Eid berichtete einer der Anwesenden:

Jeder konnte mit einer der Damen auf eines der Betten gehen und tun, was er wollte. Die Damen wurden nach jedem solcher Treffen mit einem Stempel auf ihrem Unterarm abgestempelt. So wurde festgehalten, welche Dame wie oft frequentiert wurde.

Deutsche Ordnung muss sein.

Bad Banks zeichnet ein sehr düsteres Bild davon, was passiert, wenn zu viele Männer mit zu wenig Grenzen und zu viel Geld in einem Raum sind. Die Gruppendynamiken, die das Drehbuch hier geschickt aufzeigt, sind auf andere gesellschaftliche Felder übertragbar. Die MeToo-Debatte zeigte sehr drastisch, dass in der Unterhaltungsbranche jahrzehntelange ähnliche Zustände herrschten oder immer noch herrschen.

Wären solche Partys überhaupt möglich, wenn mehr Frauen in den führenden Gremien wären?

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Was sagen die Kritiker und Zuschauer?

Die Kritiker und User sind begeistert von Bad Banks. Auf IMDb hat die Serie 8,2 von 10 möglichen Punkten. Noch aussagekräftiger sind aber die Zuschauerreaktionen!

Alle sechs Folgen von Bad Banks sind auf der Website von ARTE und in der Mediathek des ZDF verfügbar. Bereits sechs Tage vor dem offiziellen Sendetermin am ersten März konnten die Zuschauer die gesamte Staffel streamen. In weniger als einer Woche schauten 1,3 Millionen Menschen die Serie.

Und auch auf Twitter zeichnet sich ein ähnliches Bild. Hier schrieben mehrere User, dass sie für hochkarätige Formate wie Bad Banks gut und gerne bereit, sind ihren GEZ-Beitrag zu zahlen. Das will doch etwas heißen!

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Alternativen zu Bad Banks

Die neue ARTE/ZDF-Serie ist ein grundsätzlich sehr lohnenswertes Format, das uns als Zuschauer speziell vor die Frage stellt, für wie viel Geld wir nicht genauso rücksichtslos handeln würden und, ob wir dem Druck an der Börse überhaupt aushalten würden.

ARTE und ZDF haben bereits verlauten lassen, dass eine zweite Staffel in Planung sei, aber bis dahin kann es noch einige Monate dauern. Für die, die jetzt schon wissen, dass sie die Serie in einem Tag durchschauen werden, haben wir hier noch eine Auswahl an weiteren Formaten, die in eine ähnliche Richtung gehen.

1. Als Serie: House of Cards

Die meisten von euch werden die Erfolgsserie House of Cards bereits gesehen haben. Genau wie in Bad Banks wird dort der Blick auf Machtkämpfe innerhalb von Eliten gerichtet. Und wie schnell es geht, dass Menschen ihre Moral komplett vergessen, wenn sie sich dadurch ein größeres Stück vom Kuchen sichern können.

Im Herbst soll die neue sechste Staffel erscheinen. Allerdings ohne Kevin Spacey. Der wurde nach zahlreichen Vorwürfen wegen sexueller Belästigung im November 2017 von Netflix aus dem Cast geworfen.

Alle fünf Staffeln von House of Cards könnt ihr auf Netflix sehen.

2. Als Film: Die Wall Street-Trilogie

Der erste Teil von Wall Street ist ein Filmklassiker von Oliver Stone aus dem Jahr 1987 mit Michael Douglas, Charlie Sheen und seinem Vater Martin Sheen in den Hauptrollen. 2010 erschien die Fortsetzung Wall Street: Geld schläft nicht mit Michael Douglas und Shia LaBeouf.

In dem ersten Film geht es um einen jungen, ungeduldigen Stockbroker, der bereit ist alles zu tun, um an die Spitze zu kommen. Der zweite Teil zeigt denselben Protagonisten 20 Jahre später. Der Lehrling ist inzwischen zum Mentor geworden.

Wall Street kannst du dir auf Maxdome, Sky Go und Sky Ticket anschauen. Der zweite Teil ist über Maxdome verfügbar.

Im Jahr 2013 wagte sich Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio in der Rolle des Wolf of Wall Street erneut ins Börsenmilieu. The Wolf of Wall Street ist unter anderem im Sky Store sowie bei Maxdome verfügbar.

3. Als Dokumentation: Inside Job

Hier haben wir noch eine Dokumentation für diejenigen, die sich tiefer gehend mit der Finanzkrise 2008 beschäftigen wollen. Die oscar-prämierte Doku Inside Job erklärt in fünf inhaltlichen Abschnitten, wie es zu dem Bankrott der Bank Lehman Brothers kam, welchen Stein dieser ins Rollen brachte und wie die Krise Wellen auf der gesamten Welt schlug.

Auch als Zuschauer, der von den Themen Wirtschaft und Börse nur wenig versteht, begreift man mit Inside Job die ungefähren Zusammenhänge dieses globalen Phänomens, das Millionen von Menschen ihrer gesamten Ersparnisse beraubt hat.

 

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Laura Krimmer
Autor(in): Laura Krimmer
Ich arbeite als Journalistin Bereich Film und Musik. Popkultur ist meine Leidenschaft, seit ich ein kleines Kind bin. Besonders spannend finde ich die Verknüpfungen von Musik, Film, Politik und Medien mit unserem Alltag.

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