Marie Kondo in Aufräumen mit Marie Kondo
© Netflix
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Aufräumen mit Marie Kondo bei Netflix: Unsinn oder Erfolgsrezept?

Aufräumen mit Marie Kondo auf Netflix verspricht dir, dass auch du es schaffen kannst, endlich ordentlich zu sein. Dafür sollst du allerdings mit deinem Haus sprechen. Klingt ganz schön abgedreht, oder?

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Nach über fünf Millionen verkauften Büchern erlangt Marie Kondo jetzt auch 2019 bei Serienfans auf Netflix internationalen Ruhm. Mit der von ihr erfundenen KonMari-Methode soll es endlich gelingen, die eigenen vier Wände langfristig vom Chaos zu befreien. Ihre Vorgehensweise wurzelt tief in der japanischen Spiritualität und wirkt auf Menschen aus der westlichen Welt zum Teil sehr befremdlich. Erfahre hier mehr dazu.

Das Bild zeigt Marie Kondo in der Netflix-Serie Aufräumen mit Marie Kondo
Junges Liebespaar, junge Eltern oder einsame Witwe: Marie Kondo steht Klienten in allen Lebenslagen beim Aufräumen bei | © Netflix

Aufräumen mit Marie Kondo: Sprich mit deinem Zuhause

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In der ersten Folge von Aufräumen mit Marie Kondo hilft die Japanerin der Familie Friend.  Bevor sie aktiv damit beginnt, setzt sie sich im Wohnzimmer auf den Boden, um mit dem Haus zu sprechen:

Wir kommunizieren mit dem Haus und danken ihm. Dafür, dass es euch beschützt und dafür, dass wir mit dem Aufräumen beginnen.

Die „Begrüßung des Hauses“ gehört zu ihren festen Ritualen. Zugegeben, dieses Selbstgespräch klingt in unseren Ohren ziemlich seltsam. Mit der Zimmerpflanze reden oder den Computer anschreien, okay … aber wer spricht schon mit seinem Wohnraum?

Die Grundlage für dieses Ritual entstammt der Shintō-Religion aus Japan.

Das Bild zeigt Marie Kondo in der Netflix-Serie Aufräumen mit Marie Kondo. Gerade bedankt sie sich beim Haus der Familie Friend
Ist die starke Spiritualität bei Marie Kondo auf das Aufräumverhalten von Europäern übertragbar? | © Netflix

Shintō: Die philosophische Grundlage der Marie Kondo

Neben dem Buddhismus gilt Shintō als die wichtigste Religion in Japan. Im Gegensatz zum monotheistischen Christentum existieren im Shintō weder eine Gründerfigur noch ein konkretes Dogma, dafür aber zahlreiche Götter.

Die zahlenmäßig unbegrenzten verehrten Geister oder Gottheiten, allgemein Kami genannt, können die Form von Menschen, Tieren, Gegenständen oder abstrakten Wesen annehmen. Ihre Energie bildet die Grundlage für alles Leben, womit alles um uns herum Kami in sich birgt.

Das Bild zeigt Marie Kondo in Episode 2 der Netflix-Serie Aufräumen mit Marie Kondo
Marie Kondos Methode wurzelt tief im Shintō-Glauben, auch wenn dieser in der Sendung nicht zum Thema wird | © Netflix

Aus dieser Philosophie wächst das Prinzip, Besitz zu ehren. Das bedeutet nicht, dass ein Gegenstand nicht weggeworfen werden darf. Nach der KonMari-Methode darf nur nie vergessen werden, dass auch er einen Wert hat. Außerdem verdient jeder Gegenstand im Haus seinen eigenen Platz.

Shintō im japanischen Alltag

Für europäische Ohren mag das sehr spirituell klingen, in Japan gehört dieser respektvolle Umgang mit Räumlichkeiten und Gegenständen allerdings zum Alltag. Man erinnere sich nur an das japanische Fußball-Nationalteam, das die Spielerkabine selbst nach dem schmerzhaften WM-Aus 2018 im Achtelfinale blitzsauber und mit einer Dankeskarte hinterließ.

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Ganz klar: Die Idee, mit Gegenständen zu reden oder Bücher anzutippen, um sie aufzuwecken, bleibt rational betrachtet Unfug. Mit dem Wissen über den Shintō-Glauben stehen Marie Kondos Rituale sowie ihr Mantra „Das oberste Ziel des Aufräumens ist es, zu lernen, euren Besitz zu schätzen“ allerdings in einem konkreten kulturellen Kontext.

Erfahre jetzt mehr zur KonMari-Methode.

Die KonMari-Methode in drei Schritten

1. Alles beginnt mit einer gewaltigen Unordnung

Zu Beginn wird dein Zuhause wie ein Schlachtfeld aussehen. Schritt 1 der KonMari-Methode verlangt, dass du all deine Klamotten auf einen großen Haufen legen sollst. Denn „erst, wenn man damit konfrontiert wird, wie viel man besitzt, erkennt man langsam, was man tun muss.“ Das Aussortieren kann beginnen.

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2. Aussortieren: Bleiben darf, was Freude bringt

Viele Menschen tun sich schwer damit, Dinge wegzuwerfen. Marie Kondo empfiehlt dir, dass du jeden Gegenstand einzeln in die Hand nimmst und in dich hineinhorchst, ob er ein Gefühl der Freude in dir auslöst. Wenn ja, dann darf er bleiben. Wenn nicht, bedankst du dich bei ihm und der Gegenstand wird auf den entsprechenden Stapel gelegt.

Marie Kondo verlangt nicht, dass du deinen kompletten Hausstand zum Sperrmüll bringst, sie betont aber, dass das Abwerfen von Ballast extrem wichtig für den gefühlten Neustart in eine chaosfreie Zukunft sein kann.

Der Trend zum Minimalismus stürmt auch die deutschen Kinos. In der Komödie 100 Dinge geht es um zwei Freunde, die ihren Konsum-Lifestyle auf das Nötigste minimieren.

3. Jeder Gegenstand hat ein Zuhause

Nach dem Aussortieren folgt Schritt 3: Jedem Gegenstand wird sein eigener, fester Platz zugeordnet. So entsteht eine Routine und du kannst dir selbst garantieren, dass die Wohnung aufgeräumt bleibt, wenn du nach jedem Benutzen den Gegenstand zurück an seinen Platz legst.

Selbsthilfe bei Netflix: Kein Wundermittel für perfekte Ordnung

Es tut uns leid dich enttäuschen zu müssen, aber die Ordnungsberaterin liefert kein Wundermittel, mit dem Aufräumen plötzlich und wie von Zauberhand funktioniert. Die KonMari-Methode verspricht dir …

1. Keine schnelle Lösung

Viele Selbsthilfe-Strategien versprechen die schnelle Lösung eines Problems. Hier sei ganz klar gesagt, dass Marie Kondo ein großes Zeitopfer von dir fordert. Allein das Aussortieren deiner Klamotten wird Stunden in Anspruch nehmen. Je nachdem, wie groß dein Reich ist und wie viel Besitz du über die Jahre angesammelt hast, wird der Aufräumprozess Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern.

Das Bild zeigt Marie Kondo beim Aussortieren von Klamotten mit ihrer verwitweten Klientin
In Folge 4 muss sich Marie Kondos Klientin nicht nur um ihren Klamotten sondern auch über die ihres verstorbenen Gatten Gedanken machen | © Netflix

2. Kein Geheimrezept für den perfekten Haushalt

Auch nach dem großen Aussortieren bleibt Aufräumen ein konstanter Prozess. Die Japanerin verneint schon in der ersten Episode die Wunschvorstellung eines stets sauberen Haushalts:

Man kann unmöglich alles immer sauber halten. Nimm das alles nicht so schwer. Das wird nie perfekt. Trotzdem hilft es enorm, wenn alles seinen eigenen Platz hat.

3. Keine Lösung im Alleingang

Aufräumen macht nur Sinn, wenn wirklich alle im Haus mit anpacken. Egal, ob du in einer Wohngemeinschaft, mit deinem Partner oder mit deiner Familie lebst – wenn nur eine Person das Zuhause neu sortiert, wird nach kurzer Zeit wieder das gewohnte Chaos herrschen.

Die Zeiten, in denen Aufräumen als Frauensache gilt, sollten sowieso längst vorbei sein. Auch wenn Sexismus und ungleiche Behandlung leider noch zum Alltag gehören, wie auch das Chauvi-Verhalten einiger Campbewohner bei Ich bin ein Star – Holt mich hier raus 2019 unter Beweis stellte.

Das Bild zeigt Marie Kondo in der Netflix-Serie Aufräumen mit Marie Kondo

Magic Cleaning: Woher kommt der Hype um Marie Kondo?

In Zeiten von Überfluss und Selbstoptimierung und in Kombination mit dem Trend zum Minimalismus spielt Marie Kondos Vorgehensweise den Zeitgeist wider. Beliebte Lifestyles und Trends wie vegane Ernährung, skandinavische Inneneinrichtung oder eine Wohnung ohne Fernseher sind Beweise dafür, wie wir im Überfluss des Angebots unser Konsumverhalten verantwortlich und bewusst im Sinne von Minimierung zu gestalten versuchen. Auch Marie Kondo möchte, dass du lernst, mit weniger glücklich zu leben und deinen Besitz wieder zu schätzen.

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Die erste Staffel Aufräumen mit Marie Kondo mit acht Folgen läuft aktuell bei Netflix. Mit jeder Episode lernst du einen neuen Haushalt mit einer anderen sehr lebensnahen Problemstellung kennen. Die Bandbreite reicht vom Leben mit Babys oder Kleinkindern  über den Umzug in ein kleineres Zuhause, bis hin zum sehr sensiblen Thema des Entrümpelns nach dem Verlust eines geliebten Menschen.

Kritische Geister werden sich sicher an der aalglatten Marie Kondo stören. Wir können allerdings versichern, dass die Grundpfeiler der KonMari-Methode für absolut jeden wertvolle Ordnungstipps enthalten.

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Laura Krimmer
Autor(in): Laura Krimmer
Ich arbeite als Journalistin Bereich Film und Musik. Popkultur ist meine Leidenschaft, seit ich ein kleines Kind bin. Besonders spannend finde ich die Verknüpfungen von Musik, Film, Politik und Medien mit unserem Alltag.
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