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AHS: Cult bei Netflix: Macht Staffel 7 Trump zum Clown?

Die neue Staffel AHS: Cult setzt sich mit der brisanten Präsidentschaft von Donald Trump auseinander. Die Geburt einer neuen Horrorfigur? Sieh AHS: Cult ab dem 09.11. auf Netflix und bilde dir eine Meinung. Wir verraten dir jetzt schon mal, warum Staffel 7 bei den Fans einen echten Sonderstatus genießen dürfte.

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Was haben US-Präsident Donald Trump und ein Badeanzug gemeinsam? – Sie können die Massen vor Empörung nach Luft schnappen lassen. Zumindest, wenn auf dem Badeanzug das orangefarbene und staunende Antlitz des amtierenden US-Präsidenten selbst prangt. Das exzentrische Modelabel Beloved sicherte sich mit dieser eigentümlichen Modekreation die Aufmerksamkeit der sozialen Netzwerke. Dort wurde sie blitzschnell zum echten Renner.

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Doch nicht nur die Modewelt ist vor dem Republikaner nicht mehr sicher. Auch die Popkultur kann dem Phänomen Trump einfach nicht widerstehen. So bedienten sich nun auch die Macher der erfolgreichen US-Serie American Horror Story für ihre siebte Staffel an den politischen Realitäten des US-Wahlkampfes 2016.

Clowns und Donald Trump: Die Monster der Staffel?

In AHS: Cult wird die Angstpolitik des republikanischen US-Präsidenten zum surrealen Serien-Albtraum. Wer denkt, dass er es in den elf Folgen mit Trump als Horrorgestalt zu tun bekommen wird, liegt allerdings falsch. Schauspielerin Sarah Paulson, die in der siebten Staffel der Anthologie-Serie die weibliche Hauptfigur Ally Mayfair-Richards verkörpert, erklärte in einem Interview:

Jedes Jahr haben wir in der Serie einen zentralen Bösewicht. Dieses Jahr ist das große Böse der Mangel an Kommunikation zwischen den beiden verschiedenen politischen Lagern innerhalb unseres Landes. Dieser Mangel an echter Kommunikation ist zu unserem Monster geworden.

Und dieses Monster lässt uns das Blut in den Adern beim Einschalten gehörig gefrieren.

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Die Medien profitieren in Cult von den Killer-Clowns – aber nicht lange … | © 2017 Fox

Gespaltene Gesellschaft: Jeder gegen jeden

Die Produzenten Ryan Murphy und Brad Falchuk entwerfen schockierende Bilder für eine gespaltene Gesellschaft, die Paranoia, Satire und Horror vereinen. In AHS: Cult kämpft jeder gegen jeden: Trump-Unterstützer gegen Clinton-Wähler. Rechte gegen Liberale. Gesellschaftliche Außenseiter gegen die akademische Elite. Weiß gegen schwarz. Frauen gegen Männer – und umgekehrt versteht sich. Der gemeinsame Nenner? Eine existenzielle Angst, die die Figuren vereinnahmt und die Handlung vor sich herjagt. Cult lebt von den sozialen und individuellen Gegensätzen seiner Figuren.

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Die Kluft wird bereits in den ersten Szenen zum Mittelpunkt der Handlung. Zuerst bedient sich AHS: Cult allerdings reichlich an der Realität – etwas, was in der sechsjährigen Seriengeschichte noch nie vorkam. Videomaterial der politischen Gegner Donald Trump und Hillary Clinton bildet den Einstieg in die siebte Staffel. Dann erst erlebt der Zuschauer den Wahlabend an zwei verschiedenen Orten im US-Bundesstaat Michigan.

AHS: Cult-Cast: Winter, Kai & Ally im Griff der Angst

Im Wohnzimmer eines lesbischen Akademiker-Paares verfolgt Ally Mayfair-Richards (Sarah Paulson) die Berichterstattung. Als das Ergebnis verkündet wird, bricht sie in Tränen und Hysterie aus. „Trump wird uns alle umbringen“, prophezeit Ally. Die Stimmung ist auf dem absoluten Tiefpunkt. Dann folgt der Blick in einen düsteren Kellerraum, in dem Trump-Wähler Kai Anderson (Evan Peters) mit eindeutigen Hüftbewegungen seinen Fernseher bearbeitet.

Auf dem Bildschirm ist der neue US-Präsident Donald Trump zu sehen. Der junge Mann mit den fettigen blaugefärbten Haaren schwelgt in Trumps Triumph, als ob es sein eigener wäre. „Die Revolution hat begonnen!“, verkündet Kai.

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Kai im Kreise seines Horrorclown-Kults | ©FX

Spätestens als Antagonist Kai Anderson sich einen orangefarbenen aus Käsecrackern hergestellten Brei ins Gesicht schmiert, um die Hautfarbe seines Idols zu symbolisieren, wird klar: Cult benutzt übertriebene Zerrbilder, um eine Nation im Griff einer Angstpolitik zu zeichnen – und das in beiden Lagern.

So auch die Szene, in der die scheinbar von Wahnvorstellungen heimgesuchte Ally in einem Supermark Rosé-Flaschen nach Horrorclowns wirft oder Momente, in denen Kais Schwester Winter (Billie Lourd) ihre wahren, falschen Gesichter offenbart. In AHS: Cult werden beide politischen Lager als Karikaturen zum Gegenstand einer Frage: Wie sieht die richtige Reaktion auf eine solche Angstpolitik aus und wer oder was speist und befeuert sie?

Rhetorik der Angst: Isolationspolitik und alternative Fakten

Im Dezember 2016 titelte das Time Magazine neben einem Bild des neuen US-Präsidenten Donald Trump: „Der Präsident der geteilten Staaten von Amerika.“ In den kommenden Monaten machte der umstrittene Republikaner diesem Titel alle Ehre.

Trump legte eine rassistische Rhetorik an den Tag, die einen Großteil der Einwanderer aus Mexiko als Vergewaltiger und Kriminelle abstempelte. Respektlose Äußerungen über Frauen und Minderheiten sowie die offene Verachtung von demokratischen Institutionen gehörten schon im Wahlkampf zu seinem Repertoire.

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Zudem warb er mit einer beispiellosen Isolationspolitik. Der Bau einer Mauer zwischen Mexiko und den USA stand dabei im Mittelpunkt. Doch auch der Einreisestopp für Menschen aus sieben vornehmlich muslimischen Ländern sollte ein Zeichen setzen. Dabei untermauerte der 71-Jährige seine Entscheidungen unzählige Male mit Falschaussagen, Halbwahrheiten oder Fehldarstellungen. Die renommierte Washington Post nahm das zum Anlass, einen Fakten-Check ins Leben zu rufen, der insgesamt 492 falsche oder irreführende Behauptungen der ersten 100 Tage von Trump im Amt dokumentierte.

Clowns des Horrors und nationale Paranoia

Kein Wunder, dass AHS: Cult daraus reichlich Stoff für seine ganz eigene Horrorgeschichte zieht. Isolation und Paranoia finden vor allem in Allys vermeintlichen Wahnvorstellungen ein Ventil: Seit der Wahlnacht fühlt sie sich von schaurigen Horrorclowns verfolgt. Auch hier lässt sich AHS: Cult von realen Begebenheiten inspirieren.

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Im Herbst 2016 wurde vor allem in den sozialen Medien das Phänomen der Horrorclowns dokumentiert. Dabei fanden als Gruselclowns verkleidete Menschen in den USA und Europa Gefallen daran, Fußgänger zu erschrecken oder sogar körperlich anzugreifen. In AHS: Cult wird der Horrorclown in den verkleideten Mitgliedern des mörderischen Kults um Anführer Kai Anderson zum Sinnbild für die Trump-Regierung. Läutet das möglicherweise die Ära einer neuen Horrorgestalt neben dem Vampir und dem Zombie ein?

Demokraten fürchten Vampire, Republikaner fürchten Zombies

Die Popkultur gilt seit jeher als Spiegel der modernen Gesellschaft. Laut einer umstrittenen Theorie sollen auch Zombies und Vampire Metaphern für politische Ängste in US-amerikanischen Filmen sein. Das Portal mrscienceshow.com analysierte die Anzahl von Zombie- und Vampirfilmen in einem Zeitraum von 50 Jahren. Die Daten für die Analyse stammen von der Filmplattform The Internet Movie Database.

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Zombies im Erfolgsformat The Walking Dead | ©AMC/Gene Page

Demnach sind durchaus Bezüge zwischen Horrorfiguren in Filmen und regierenden US-Parteien festzustellen. So scheinen beispielsweise deutlich mehr Zombie-Filme in den Jahren einer republikanischen Regierung veröffentlicht zu werden als Vampirfilme.

In der Spitze fällt vor allem das Jahr 2005 unter der Regierung des Republikaners George W. Bush auf, in dem es sich bei 158 Produktionen um Zombie-Filme handelte. Im Gegensatz dazu wurden im selben Jahr lediglich 74 Vampir-Filme veröffentlicht – weniger als die Hälfte der Zombie-Filme im selben Jahr.

Auch zwischen einer demokratischen Regierung und der erhöhten Popularität von Vampir-Filmen soll es dieser Theorie nach einen Zusammenhang geben. Die Annahme einiger Popkultur- und Medienforscher: Filme sollen die Ängste der modernen Gesellschaft widerspiegeln.

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Unter Demokrat Obama (Amtszeit: 2009 – 2017) wurde die Serie Vampire Diaries (2009-2017) zum TV-Hit | © CW

Die Präsidentschaft des Donald Trump: Der Aufschwung einer neuen Horrorfigur?

Im demokratischen Lager fürchtet man sich der Theorie nach vor allem vor sozialem Ungleichgewicht. Der Vampir symbolisiert eine übermächtige Aristokratie, die die Macht hat, die Gesellschaft buchstäblich auszusaugen. Die Republikaner hingegen fürchten sich diesem Ansatz nach vor allem vor einem Aufstand der ärmeren Bevölkerungsschichten, die in der Horrorfigur des Zombies gespiegelt werden sollen. Das aktuelle Horrorclown-Phänomen, das sich seit dem Wahlkampf 2016 und unter der Trump-Regierung verstärkt in der Realität und vielen medialen Berichterstattungen finden lässt, wird hier noch nicht berücksichtigt.

© Warner Bros. Entertainment
Killerclown Pennywise im Remake von Es |© Warner Bros. Entertainment

Denn nicht nur American Horror Story strickt seine Geschichte rund um den Grusel-Clown und ist damit erfolgreich. Das Remake des Stephen King-Blockbusters Es, das sich um den kultigen Killerclown Pennywise dreht, brach in den USA bereits Rekorde.

Gleich am ersten Wochenende spielte der Film etwa 1172 Millionen US-Dollar ein – der dritterfolgreichste US-Kinostart in diesem Jahr. Wir dürfen gespannt sein, ob der Horrorclown unter der Trump-Regierung einen noch größeren Aufschwung erleben wird.

AHS: Cults Kai steht für Chaos

Aber es sind nicht nur die Killerclowns, die den Horror in AHS: Cult vorantreiben. Denn der zeigt sich vor allem in der Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Die kompromisslose Frage, die in den Köpfen der Figuren herumspukt: Auf welcher Seite stehst du? Bist du für uns oder bist du gegen uns? Zwei Figuren werden zum zentralen Thema: Kai, der cartoonartige, vorbestrafte, verrückte, gesellschaftliche Außenseiter – ein Stellvertreter des Chaos, des Größenwahns. In seiner Figur spiegelt sich die Überzeugung, dass man in der modernen Gesellschaft radikal sein muss, um gehört zu werden. Dass Menschen Angst lieben und sie der Freiheit immer vorziehen werden.

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Bösewicht Kai, umgeben von seinen Sektenmitgliedern, den Killerclowns | © 2017 Fox

Cults Ally und der Verrat am Selbst

Und dann gibt es da noch Ally, eine instabile, von Phobien geplagte, selbstgerechte Vertreterin der oberen Mittelklasse, die ihre persönlichen Ideologien und Werte nur allzu schnell im Angesicht der Angst aufgibt. Zum Beispiel, als die vorher noch so überzeugte Gegnerin von Waffengewalt sich eine Pistole zulegt und in ihrer Hysterie versehentlich einen mexikanischen Arbeiter erschießt. Oder, als sich die liberale, weltoffene Akademikerin in ihrem hermetisch abgesicherten Haus von der Außenwelt isoliert. Wenn AHS: Cult hier eine Frage aufwirft, dann die, wie viel Angst es braucht, um seine persönlichen Überzeugungen zu verraten.

Sind wir nützliche Idioten einer Angstpolitik?

American Horror Story: Cult kann und will keine Lösungen für den Umgang mit der vorherrschenden Angstpolitik bieten. Ganz im Gegenteil. Es will verdeutlichen, wie seine Figuren zu nützlichen Idioten einer übermächtigen Angstpolitik werden. Dabei weigert sich AHS: Cult hartnäckig, den US-Präsidenten Donald Trump selbst zum expliziten Monster der Staffel zu machen. Stattdessen zeigen die Macher, wie er und seine rhetorischen Schachzüge niederträchtige und absurde Impulse in den Figuren beider Lager hervorrufen.

Anders als in den vorigen Staffeln verzichtet AHS bei Cult übrigens auffallend auf die üblichen übernatürlichen Elemente. Kein Wunder, denn wozu braucht es die schon, wenn die Realität zur gruseligsten Horror Story überhaupt werden kann.

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Janna Fund
Autor(in): Janna Fund
Ob ihr's glaubt oder nicht: Ich bin ein echtes audiovisuelles Supergirl. Eine Wonderwoman der Worte und Videos sozusagen. Ich checke Fakten gewissenhafter als Rory, bin kreativer als Carrie und investigativer als Lois und Clark zusammen. Lasst uns die digitale Welt zusammen retten!

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