© PROKINO Filmverleih
3 Tage in Quiberon - Marie Bäumer als Romy Schneider
© PROKINO Filmverleih
Filme

3 Tage in Quiberon: Filmikone Romy Schneider ganz intim

Romy Schneider hält uns immer noch in ihrem Bann. Von Sissi bis „Landesverräterin“: 3 Tage in Quiberon geht ganz nah an den Filmstar heran. Romy hat noch ein Jahr zu leben. Alkoholsucht, Manipulation, aber auch ihr besonderer Zauber brechen sich in der Bretagne Bahn. Ab jetzt in der Unitymedia Videothek.

ANZEIGE

1981 scheint Romy Schneider am Tiefpunkt angelangt zu sein. Ihr erster Ehemann Harry Meyen hat sich das Leben genommen. Die zweite Ehe ist gescheitert. Von ihren Gagen ist Schneider nichts geblieben. Und noch Jahrzehnte später klebt das Image als kindliche Kaiserin an ihr. Im Hafenlokal fragt ein Junge die Leinwandgöttin: „Sind Sie Madame Sissi?“ Dem „Stern“-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) antwortet Schneider (Marie Bäumer) in 3 Tage in Quiberon:

Ich bin nicht Sissi, sondern eine unglückliche Frau von 42 Jahren.

Romy Schneider fasziniert bis heute. Der vielleicht größte deutsche Kinostar litt unter der Verehrung der Sissi-Fans. Zugleich brauchte die Schneider, die vor der Kamera zur Frau wurde, aber die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wie die Pflanze das Licht. Die Leinwandgöttin war kein reines Opfer. Sie wusste die Presse und ihre Verehrer zu verführen. In manchen Momenten in 3 Tage in Quiberon mag sich der Zuschauer unwillkürlich an Prinzessin Diana erinnert fühlen. Begnadete Schauspielerin, Medienstar und Prinzessin – bei Schneider kam alles in einem perfekten Sturm zusammen.

Regisseurin Emily Atef (Das Fremde in mir, Töte mich) geht der verhängnisvollen Liaison zwischen Star und Publikum in einer Momentaufnahme auf den Grund. Im März 1981 will die Schauspielerin in der Bretagne neue Kraft schöpfen. Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit von Medikamenten haben ihren Tribut gefordert. Schneider droht, in der bevorstehenden Scheidung von Daniel Biasini Sohn David zu verlieren. Der Teenager möchte künftig bei seinem Stiefvater leben. Schonkost und Wechselbäder sollen auch mental die Wende bringen. Zur moralischen Verstärkung hat Schneider ihre bodenständige Jugendfreundin Hilde (Birgit Minichmayr) in den Kurort Quiberon geladen.

© PROKINO Filmverleih
Noch genießen Romy und Hilde ihren Urlaub © Peter Hartwig / Rohfilm Factory / Prokino

Romy Schneider hält Hof

Ganz ohne Publikum kann der Star aber nicht sein. Zwei Journalisten vom Hamburger Magazin „Stern“ sind für ein großes Exklusivinterview angereist. Schneider ist immer für eine Schlagzeile gut. Je schlechter es ihr geht, desto mehr scheint das Publikum nach einer Wortmeldung zu gieren. Mit 17 Jahren war Schneider als jungfräuliche Kaiserin Elisabeth zum Superstar aufgestiegen. Zwei Sissi-Fortsetzungen später hatte die junge Frau genug. Die 20-Jährige brannte zu ihrer großen Liebe Alain Delon nach Frankreich durch und drehte dort anspruchsvolle Filme. Fortan wurde Schneider in der Ex-Heimat als „Landesverräterin“ gebrandmarkt.

Jürgs hat zum Gespräch zwei Flaschen Weißwein bestellt – wohl wissend, dass die Schauspielerin alkoholkrank ist. „Das ist kein Interview mehr, das ist reine Manipulation“, warnt Hilde die Freundin. Doch die blüht im Machtkampf um die Deutungshoheit über ihr Leben auf. „Ja, was ist das Problem?“, erwidert Romy und schickt die alte Freundin aus dem Zimmer.

© PROKINO Filmverleih
Robert Lebeck verfolgt eigene Interessen © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Stattdessen bittet Schneider den Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner) in ihr Bett. Ganz unschuldig, versteht sich. Die Schauspielerin will zwar nie mehr Sissi sein. Dennoch appelliert sie an den Beschützerinstinkt der Menschen in ihrem Dunstkreis, um ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Nähe zu befriedigen. Selbst der zynische Reporter kann sich am Ende dem Zauber nicht entziehen. „Romy hat mich doch berührt“, meint Jürgs. Hilde kann es nicht mehr hören:

Alle sind von Romy Schneider berührt. Du bist da nichts Besonderes.

3 Tage in Quiberon: Dreckiges Geschäft

Macht durch Schwäche: Dieses gefährliche Spiel geht in Atefs Film gerade eben noch gut. Fast genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des „Stern“-Interviews wird Schneider tot in ihrer Pariser Wohnung gefunden. Herzversagen ist die offizielle Todesursache. „Gebrochenes Herz“, dichten Verehrer und Presse. Wenige Monate nach der Kur in Quiberon war Schneiders 14-jähriger Sohn beim Klettern über einen Gartenzaun in dessen Eisenspitzen gestürzt und gestorben.

So wurde das Interview im „Stern“ zur letzten großen Wortmeldung des Filmstars. Insbesondere die Schwarz-Weiß-Bilder Lebecks berührten die Leser. Der Fotograf und Schneider kannten sich vor Quiberon. Er lichtete die plötzlich ganz greifbar scheinende Leinwandgöttin zwischen den Bettlaken, unbeschwert am Strand oder später entspannt im Bett mit ihrer kleinen Tochter.

© PROKINO Filmverleih
Schneider lässt den Fotografen nah heran © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Bei aller scheinbaren Intimität: Diese private Romy Schneider war auch nur eine Rolle der Schauspielerin. „Es geschah oft, dass man bei Romy offene Türen einrannte – und gleich dahinter gegen eine Betonmauer prallte“, sagte Lebeck 1998 rückblickend dem „Stern“. Der gefeierte Fotograf bekannte sich in seinen Memoiren aber auch zur eigenen Unredlichkeit:

Im Grunde war unser Besuch ein verlogener Handel. Wir wollten ein Interview, sie wollte ein Gespräch. Sie brauchte Halt, ich brauchte Fotos.

Das Ende des Filmstars

3 Tage in Quiberon ist auch das Zeugnis einer zu Ende gehenden Ära, in der Einblicke in das Privat- und Seelenleben der Stars rar gesät waren. Einst kontrollierten mächtige Filmstudios, Manager und Pressevertreter das Image von Kinogöttinnen wie Greta Garbo oder Marilyn Monroe. Diese fast schon übernatürlichen Lichtgestalten luden die Öffentlichkeit in Gestalt von Journalisten nur gezielt zu Audienzen. Der begrenzte Zugang trug zur Strahlkraft der Filmstars bei.

© PROKINO Filmverleih
Der Reporter gerät in Schneiders Bann © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Die Gier der Fans nach privaten Bildern und Skandalen holte früh Paparazzi und Klatschreporter auf den Plan. Der Nachfrage nach deren Arbeit waren lange Zeit natürliche Grenzen gesetzt. Fernsehsender und Illustrierte verfügten schlicht nur über begrenzten Platz für derartige Berichterstattung. Das Internet änderte alles. Plötzlich konnte rund um die Uhr über Stars berichtet werden. 2006 brach der Damm: Die Klatsch-Internetseite TMZ.com berichtete über Mel Gibsons antisemitische Tirade während einer Verkehrskontrolle. Etablierte Medien zogen nach. Der Coup öffnet der Online Yellow Press endgültig die Türen.

Doch auch die Stars selbst gewähren mittlerweile Einblicke in ihr Privatleben. Selfies auf Instagram oder Unterhaltungen mit Fans auf Twitter: Schauspieler sind im Alltag angekommen – und haben damit ihren Status als echte Leinwandgötter eingebüßt.

Externer Inhalt
Dieser Inhalt refernziert auf www.instagram.com. Er wird aus einer
externen Quelle eingebunden. Hierbei könnten deine Daten
(unter anderem IP-Adresse, Cookies) weitergeleitet werden.

Früher waren Meg Ryan, Julia Roberts oder Tom Hanks die bestbezahlten Darsteller der Traumfabrik. Heute sind es laut dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Mark Wahlberg und Emma Stone. Das sagt viel über den aktuellen Status des Filmstars aus. Wirklich zugkräftige Namen, die nahezu im Alleingang einen Kassenhit garantieren, gibt es kaum noch. Sie wurden von Captain America und Daenerys Targaryen abgelöst. Helden schlagen Stars.

© PROKINO Filmverleih
Romy Schneider – ein isolierter Star © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Romy Schneider hautnah

Hat Sissi also gewonnen? Nicht in diesem Film. 3 Tage in Quiberon ist mit der von Lebecks Foto inspirierten Schwarz-Weiß-Ästhetik weit von der kitschigen Farbigkeit des Weihnachtsklassikers entfernt. Atef gelingt es, die widersprüchliche Faszination Romy Schneiders lebendig werden zu lassen.

Unitymedia

Deine Meinung ist uns wichtig!

Deine Meinung ist uns wichtig!

 

Sag uns, was dir an Quadratauge gefällt und was wir noch verbessern können. Danke!

 

 

Zur Umfrage

 

 

You have Successfully Subscribed!

Inhalte mit Freunden teilen

Wenn Du diese Funktion akzeptierst, werden Deine Daten (z. B. die IP-Adresse, die URL der besuchten Webseite, das Datum und die Uhrzeit Deines Seitenbesuches) an Facebook, Google oder Twitter in ein Land außerhalb Deutschlands (z. B. USA) übermittelt und auch dort gespeichert. Diese Sozialen Netzwerke können somit diesen Webseitenbesuch Deinem bestehenden Account zuordnen, Dein Surfverhalten beobachten und dazu Profile erstellen und nutzen.